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Energiewende Oberland GmbH:Carsharing fährt an die Wand

Zu schnell gewachsen: Die Verleih-Firma meldet Insolvenz an. Doch die Aussichten auf eine Rettung scheinen gut.

Nur eineinhalb Jahre nach ihrer Gründung am 1. September 2010 ist die Carsharing KG der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO) pleite: Vergangene Woche habe er Insolvenzantrag stellen müssen, sagt Thomas Martin, Geschäftsführer Energiewende Oberland GmbH, die Muttergesellschaft der Carsharing KG ist. Diese sei einfach zu schnell gewachsen, die Einnahmen hätten die Ausgaben nicht mehr gedeckt, begründet er den Schritt.

Bis vor kurzem boomte der Verleih-Service. Nun ist die Carsharing KG der Energiewende Oberland insolvent.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Im Moment befinde sich das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten. Er suche derzeit zusammen mit dem Insolvenzverwalter nach Lösungen, um das Projekt zu retten. So sei die Gründung eines Vereins oder der Einstieg externer Investoren vorstellbar, sagt Martin. Die Energiewende Oberland GmbH hat das Projekt einst initiiert.

Noch bis vor kurzem versprach das Carsharing-Angebot in Wolfratshausen und Geretsried ein echtes Erfolgsmodell zu werden. Binnen eines Jahres hatte sich die Zahl der Nutzer von elf auf 165 vervielfacht. 14 Fahrzeuge standen den Nutzern im Namen der Energiewende zur Verfügung. Michael Schurack, der als Geschäftsführer den laufenden Betrieb organisierte, plante sogar über eine Kooperation mit der Carsharing-Gesellschaft der Deutschen Bahn das Angebot für Mitglieder zu professionalisieren und auszubauen. Doch all diese Zukunftsvisionen haben sich jetzt in nichts aufgelöst.

Der laufende Betrieb sei einfach nicht mehr zu bezahlen gewesen, sagt Martin. Selbstkritisch räumt er ein, die Finanzsituation wohl nicht ausreichend genug in den Blick genommen zu haben. Das Projekt sei aus seiner Sicht von Anfang an unterkapitalisiert gewesen. "Ich hätte mehr Kapital besorgen müssen, um das schnelle Wachstum aufzufangen." Eigentlich hätte die Carsharing KG nach Geschäftsplan viel langsamer wachsen sollen. So waren im Jahr 2011 ursprünglich nur vier Fahrzeuge vorgesehen, wofür die finanziellen Mittel nach Angaben von Martin auch ohne weiteres ausgereicht hätten.

Im Augenblick hält die Carsharing KG noch einen Notbetrieb aufrecht. Den Kunden wurde noch nicht gekündigt. "Ich sehe gute Chancen, das weiterzuführen", gibt sich Martin trotz der angespannten Situation auch optimistisch. Allerdings müsse die Fahrzeugflotte verringert werden. Sicher sei auch, dass kein Geld der Bürgerstiftung in das Projekt fließen werde, sagt Martin.

Schurack, der vor früher als Verkehrsfachwirt bei der Bahn und bei der Lufthansa arbeitete und einschlägige Erfahrung mitbringt, ist auf die Energiewende GmbH mittlerweile überhaupt nicht mehr gut zu sprechen. "Das ist ein Chaos", klagt er. Überhaupt nicht nachvollziehen könne er, warum der Betrieb eingestellt worden sei. Er räumt zwar ein, dass die Zahl der Nutzer im Februar stark zurückgegangen sei. "In den ersten zwei Jahren unterliegt ein neues Carsharing-Projekt aber Schwankungen." Das sei vollkommen normal. Die Auslastung wäre durch die geplante Kooperation mit der Carsharing-Gesellschaft der Deutschen Bahn aber sicher wieder gestiegen, sagt Schurack.

© SZ vom 18.04.2012
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