Energiewende:Mein Ofen, der Klimafeind

Energiewende: Das Heizwerk in der Realschule ist genauso Teil des Tölzer Nahwärmenetzes wie es die künftige Anlage am Feuerwehrhaus sein soll.

Das Heizwerk in der Realschule ist genauso Teil des Tölzer Nahwärmenetzes wie es die künftige Anlage am Feuerwehrhaus sein soll.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In Bad Tölz wird zu 85 Prozent immer noch mit Öl oder Erdgas geheizt. Ein neues Heizwerk soll diese Quote verbessern

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Die Tölzer Stadtwerke bauen eine neue Heizzentrale, die das östliche Kurviertel und das südliche Stadtgebiet um das Moralt-Gelände und das Obere Griesfeld mit klimafreundlicher Energie versorgen soll. Dafür hat der Kommunalversorger zusammen mit der Energiewende Oberland (EWO) nicht weniger als 22 Standorte in ganz Bad Tölz geprüft. Am Ende gab es einen klaren Favoriten: die Wiese zwischen dem Feuerwehrhaus an der Lenggrieser Straße und der Bundesstraße 472. Dort soll nun eine Kombi-Heizzentrale entstehen - mit Hackschnitzel, Solaranlage, Wärmepumpe und einem "Power to heat"-System, womit elektrische Energie in Wärme umgewandelt wird.

Der Anteil an fossilen Energieträgern ist in der Wärmeversorgung der Kurstadt noch immer hoch. Die Quote liege bei mehr als 85 Prozent, berichtet Stefan Drexlmeier, Leiter der EWO-Geschäftsstelle in Penzberg. "Es ist ein Riesenaufwand, den wir betreiben müssen, um hier voranzukommen." Das hatte sich schon 2018 gezeigt, als Bad Tölz seinen Energienutzungsplan aufstellte. "Der große Hebel im Stadtgebiet ist die Wärme", sagt Falko Wiesenhütter, Geschäftsleiter der Stadt. Neben der Reduzierung des Verbrauchs und einem höheren Anteil erneuerbarer Energien komme es auch auf den Ausbau der Nahwärmeversorgung an. Die bisherigen Heizwerke dafür befinden sich im Stadtwerke-Gebäude an der General-Patton-Straße, am Hauptsitz der Stadtwerke an der Osterleite, am Hoheneck auf Wackersberger Flur sowie in der Realschule. Dort betreibt allerdings der Landkreis die Anlage, die jedoch so viel Wärme produziert, dass sie auch die Dreifachturnhalle, die Jahnschule und den neuen Kindergarten der Stadt mitversorgt.

Die Kriterien bei der Suche nach einem neuen Standort waren die technischen Rahmenbedingungen, der Emissionsschutz, die Realisierbarkeit, die Wirtschaftlichkeit sowie die Anbindung an den Verkehr. Am Ende kamen fünf von den 22 Arealen in Frage, wobei die Wiese hinter dem Feuerwehrhaus in der Punktebewertung mit weitem Abstand am besten abschnitt. Die beiden Grundstücke, gehören einem Landwirt, mit dem die Stadtwerke einen Erbpachtvertrag geschlossen haben. Geplant sind dort eine etwa 20 mal 40 Meter große Heizzentrale, die 14 Megawatt Leistung bringen soll, und ein 20 mal 30 Meter großes Lagergebäude. Baubeginn soll im Sommer 2023 sein. Von Herbst 2024 an soll die Nahwärmeanlage in Betrieb gehen. Man rechne mit einer Förderung von bis zu 80 Prozent für die Planung und von rund 60 Prozent für den Bau, sagt Walter Huber, der Chef der Tölzer Stadtwerke.

Von der neuen Zentrale aus sollen Leitungen über die Brücke der B 472 bis ins östliche Badeteil führen, ebenso bis zum Supermarkt an der Lenggrieser Straße im Norden sowie zum Wohngebiet Oberes Griesfeld und dem Moralt-.Areal im Süden. In diesem Gebiet würden noch viele alte Heizungen betrieben, die man ersetzen möchte, sagt Huber. "Es sollen keine zusätzlichen Heizungen gebaut werden." An Abnehmern dürfte es demnach nicht mangeln. Anfragen hat es bereits gegeben.

Das Kurviertel wird künftig im Westen mithin von Hoheneck versorgt, im Osten von der neuen Kombi-Zentrale. Von dort sei es aber "schon eine gehörige Entfernung" zum Badeteil, so Franz Mayer-Schwendner (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Tölzer Stadtrats. Er wollte wissen, ob der Wärmeverlust dadurch nicht zu hoch und die neue Anlage dann überhaupt noch wirtschaftlich zu betreiben sei. Hubers Antwort darauf: "Wir werden vielleicht eine kleine Zwischenstation bauen, um die Wärmeleistung im Netz wieder regenerieren zu können." Möglich wäre etwa ein kleiner Gaskessel. Johanna Pfund (Grüne) fragte nach, ob man auf Gas nicht bald verzichten könne. Die Stadtwerke stünden vor der Herausforderung, die Energiewende und zugleich die Versorgungssicherheit sicherzustellen, erwiderte Huber. Man bemühe sich, aber "Wunder dauern länger". Allerdings baut der Stadtwerke-Leiter hier auch auf den Energiemarkt, auf dem die Gaspreise heuer enorm gestiegen sind.

Was den Bau der neuen Kombi-Heizzentrale hinter dem Feuerwehrhaus betrifft, räumte Huber ein, dass die Anlieger der Wiese darob natürlich nicht gerade erfreut seien. "Niemand ist mit einem Heizwerk in der Nähe glücklich", sagte er, "aber dafür hat man dort dann auch nicht den Lärm der neuen Umgehungsstraße", so Huber.

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