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Energiewende:Gut gespart

Energieberatung Geretsried

Bürgermeister Michael Müller (rechts) lässt von Energieberater Florian Stevens seine Wohnung durchchecken.

(Foto: Stadt Geretsried)

Geretsried bietet eine kostenlose Energieberatung an

Von Florian Zick, Geretsried

Sind die Fenster dicht, wie viel Strom frisst der Kühlschrank und wäre auf dem Dach eine Photovoltaikanlage sinnvoll? Diese und ähnliche Fragen können die Bürger in Geretsried in den nächsten Monaten kostenlos klären lassen. Die Stadt hat am Donnerstag gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Bayern die Energieberatungskampagne "Check dein Haus" gestartet. Noch bis Ende Oktober kann man sich für die Gebäude-Checks bei Roswitha Foißner anmelden, der Energiemanagerin der Stadt Geretsried.

"Wir werden die Energiewende nur voranbringen, wenn jeder einzelne etwas tut", sagt Bürgermeister Michael Müller (CSU). Die Stadt Geretsried hat sich deshalb dazu entschlossen, den Eigenanteil an der Energieberatung zu übernehmen. Die Energiechecks werden zwar staatlich massiv gefördert, 30 Euro muss man normalerweise aber immer noch selbst zahlen, wenn man die Experten der Verbraucherzentrale zu sich nach Hause bittet. Aber auch diese Kosten übernimmt vorläufig nun die Stadt.

Zum Auftakt der Aktion hat auch Bürgermeister Müller selbst seine Wohnung durchchecken lassen. Müller wohnt in einem Siebzigerjahre-Bau. Bei dem Rundgang mit dem Energieberater stellte sich schnell heraus, dass die Fenster nicht mehr wirklich gut isoliert sind. Und auch der Kühlschrank im bürgermeisterlichen Haushalt entspricht nicht der modernen Effizienzklasse. "Den sollte ich besser austauschen", sagt Müller. Seine Eiswürfelmaschine - auch so ein Energiefresser - will der Rathaus-Chef dagegen behalten. "Diesen kleinen Luxus gönne ich mir", so Müller

Anderthalb bis zwei Stunden geht Florian Stevens mit seinen Kunden normalerweise durch die Räume. Stevens hat ein eigenes Planungsbüro in Dietramszell, er macht aber auch Energiechecks für die Verbraucherzentrale. Ein solcher Check sei natürlich keine komplette Energieberatung, sagt Stevens. Wenn man ein Haus umfassend energetisch sanieren wolle, müsse man schon noch einmal zwei Nummern größer einsteigen. Bei den Rundgängen durchs Haus könne man aber schon sehr viele Hinweise auf Einsparmöglichkeiten geben. "Es geht im Kern also darum, eine Einstiegshürde zu nehmen", sagt Stevens.

Die Ausgangssituation in Geretsried ist dabei sehr uneinheitlich. Die Energiewende Oberland hat vergangenes Jahre einen Energienutzungsplan für die Stadt erstellt. Dabei kam heraus, dass der Strombedarf in Geretsried seit 2013/14 jedes Jahr um etwa drei Prozent gefallen ist. Das sei schon erstaunlich, findet auch Andreas Scharli, Energieberater von der Energiewende Oberland. Was dagegen Photovoltaikanlagen auf Dächern angeht, herrscht in Geretsried noch Nachholbedarf. Nur auf sechs Prozent der Dachflächen wird bislang Sonnenstrom erzeugt.

Die Stadt hofft nun, ihre Bürger mit dem neuen Angebot für eine Energieberatung motivieren zu können. Dass dafür grundsätzlich Bedarf bestehe, sagt Sigrid Goldbrunner von der Verbraucherzentrale, könne man an den Zahlen sehen. In Geretsried bietet die Verbraucherzentrale ihre Hilfe nämlich seit 2014 an. Damals waren es nur zehn Beratungen im Jahr - inzwischen ist diese Zahl auf mehr als 25 im Jahr gestiegen.

Anmeldung bis spätestens 30. Oktober unter der Telefonnummer 08171 / 62 98 324 oder per E-Mail an roswitha.foissner@geretsried.de

© SZ vom 02.10.2020

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