
Nebel liegt über Penzberg an diesem kalten Novembermorgen. Vor der alten Layritzhalle hängen die Wolken tief, die Luft ist schwer. Doch aus den Schornsteinen der neuen Energiezentrale steigt kein Dampf auf. Auf den ersten Blick scheint die Anlage stillzustehen. Aber der Eindruck täuscht: Seit den ersten Testläufen im September läuft sie fast ununterbrochen – auch an diesem Morgen. Täglich erzeuge das Kraftwerk, genannt „Energiezentrale“, genug Wärme für etwa 100 Haushalte, erklärt André Behre, Vorstand der Penzberger Stadtwerke. Wo bis 2007 die Firma Layritz Züge wartete, steht nun – nach drei Jahren Sanierung und Umbau – ein hochmodernes Fernwärmekraftwerk. Am Samstag, 9. November, wird die offizielle Eröffnung gefeiert.
Sanierung der Layritzhalle kostete rund 7,5 Millionen Euro
Bevor die Anlage in Betrieb gehen konnte, war eine umfassende Sanierung des alten Kraftwerksgebäudes nötig. Die Stadtwerke erneuerten die seit 2006 ungenutzte Layritzhalle aufwendig. Unerwartete Asbestfunde verzögerten und verteuerten den Prozess. „Etwa 7,5 Millionen Euro mussten wir aufwenden, um die Halle wieder nutzbar zu machen“, erklärt Florian Stauder, technischer Leiter der Stadtwerke. Für Technik und Ausbau der Energiezentrale investierten sie weitere 10,7 Millionen Euro – der Bund übernahm 3,3 Millionen als Förderung.

Die Fernwärmeproduktion beginnt mit dem Brennstoff. Hinter der Westseite der Halle, wo bis in die frühen 1970er-Jahre Kohle lagerte, stehen heute Container mit Hackschnitzeln. Sie stammen aus Holz- und Waldabfällen der Region: „Das ist der absolute Rest vom Rest“, erklärt Behre mit Blick auf die zwei grünen Stahltröge im Hof. Er erklärt, dass die Hackschnitzel aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern stammen müssen, so sehe es der Liefervertrag vor. Etwa eine halbe Lkw-Ladung benötige das Kraftwerk täglich, abhängig vom Wärmebedarf der Stadt.

Damit immer ein Vorrat da ist, werden die Hackschnitzel im sogenannten Anlieferbunker gesammelt. Ein automatisierter Kran übernimmt die nächste Etappe. „Der Kran reagiert automatisch auf den Füllstand und verteilt die Hackschnitzel präzise weiter“, beschreibt der Betriebsleiter für Fernwärme, Stephan von Schreier, das Herzstück der Logistik. Sensoren und Radarmessungen steuern die Stahlkonstruktion.

Im Inneren teilt eine Brandschutzmauer die ehemalige Layritzhalle in zwei Hälften. Die östliche Hälfte steht noch immer leer. In der westlichen Hälfte, auf einer Zwischendecke in etwa fünf Metern Höhe, steht der große Kessel, der die Holzschnitzel in Wärme umwandelt. Mit seinen 28 Tonnen Gewicht wirkt der Ofen im etwa 50 mal 50 Meter großen Raum mit 18 Metern Deckenhöhe fast wie ein Spielzeug – doch das täuscht. Eigens für seinen Einbau installierten die Stadtwerke einen neuen Kran mit 30 Tonnen Tragkraft unter der Hallendecke.

Im Kessel brennt ein Feuer mit etwa 1000 Grad Celsius. Es produziert 1,8 Megawatt Wärmeleistung. „Damit erzeugen wir die Wärme, die später in die Haushalte geht“, erklärt von Schreier. Da fast ausschließlich Holzreste verbrannt werden, arbeitet die Anlage nahezu klimaneutral. Nur das Kohlendioxid, das die Bäume gebunden haben, wird bei der Verbrennung wieder frei.

Damit diese Wärme bei den Verbrauchern wie der Penzberger AWO oder dem Krankenhaus ankommt, wird kontinuierlich Wasser durch den Kessel gepumpt. Ein Wärmetauscher im oberen Teil des Ofens heizt das Wasser auf etwa 90 Grad auf, bevor es über das unterirdische Fernwärmenetz zu den Verbrauchern strömt – aber nur, wenn die Wärme gebraucht wird. Ansonsten wird die überschüssige Energie in zwei großen Pufferspeichern aufbewahrt. Jeder dieser Edelstahlkolosse am Eingang der Halle fasst etwa 100 Tonnen Wasser. Eine weitere Pumpe sorgt dafür, dass das heiße Wasser ständig im Kreislauf unterhalb der Stadt zirkuliert. Nachdem das Wasser seine Wärme an die Heizsysteme in den angeschlossenen Gebäuden abgegeben hat, fließt es abgekühlt zurück in die Energiezentrale, wo es erneut erhitzt wird.
Bei der Verbrennung der Hackschnitzel entstehen zwangsläufig Abgase. Bevor diese den Schornstein erreichen, durchlaufen sie eine mehrstufige Reinigung. „Wir dürfen maximal pro Normkubikmeter 20 Milligramm Staub emittieren, das ist die Auflage – die allerdings bei Weitem nicht erreicht wird“, erklärt von Schreier. Das Kraftwerk liege mit seinen Aufbereitungsanlagen weit darunter. Ein zentrales Element der Abgasreinigung ist der sogenannte Elektrofilter. Durch ein elektrisches Feld fängt er die kleinsten Feinstaubpartikel im Abgasstrom ein und scheidet sie ab.

Überdies wird die Abwärme der Abgase erneut genutzt, bevor sie den Schornstein verlassen. In einem Verfahren namens „Quenchen“ – das schnelle Abkühlen der Abgase – wird der Wasserdampf aus dem Abgas abgeschieden, und die verbleibende Wärme ins Fernwärmesystem zurückgeführt. Diese Kondensationsmethode sorgt dafür, dass fast kein sichtbarer Dampf austritt. „Wir arbeiten hier schwadenfrei“, betont von Schreier.

All das wird kontinuierlich überwacht. Auf vier großen Bildschirmen laufen konstant Daten zum Feinstaub, Stickoxid und Kohlenstoffmonoxidgehalt des Abgases ein. So können von Schreier und sein Team jederzeit eingreifen, wenn etwas nicht stimmt. Überhaupt: Die Energiezentrale arbeitet weitestgehend automatisiert. Nur drei Mitarbeitende, davon zwei in Teilzeit, seien für den Betrieb nötig, erklärt von Schreier. Die Anlage reguliere sich weitestgehend computergestützt selbst.
Für den Fall, dass der Biomassekessel ausfällt oder die Wärmenachfrage Spitzen erreicht, verfügt die Energiezentrale über einen Gaskessel. „Wir betreiben hier keine Gasheizung“, betont von Schreier. Der 7-Megawatt-Kessel diene ausschließlich als Reserve und zur Abdeckung von Spitzenlasten. Sollte der Biomassekessel nicht genügend Energie liefern, springt der Gaskessel automatisch ein, um die Versorgung zu sichern.

Die Energiezentrale hat in der Zukunft noch viel Potenzial
Für die Zukunft hat die Energiezentrale Penzberg noch viel Potenzial. „Der Platz für weitere Ausbaustufen ist vorhanden“, sagt André Behre, Vorstand der Penzberger Stadtwerke. In den kommenden Jahren wollen die Stadtwerke, getrieben von der Nachfrage, entscheiden, wie die Anlage erweitert wird. „Wir werden nicht ganz Penzberg versorgen, aber wir haben noch ein riesiges Potenzial“, betont Behre. Konkret könnte als nächster Schritt ein zweiter Holzkessel installiert werden, möglicherweise schon 2026. Doch auch andere Technologien stehen zur Debatte: „Es können Wärmepumpen sein, es können auch Blockheizkraftwerke sein“, erklärt Behre. Welche Option die Stadtwerke wählen, hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa von der Entwicklung der Gaspreise oder neuen Ideen zur Nutzung von Strom. Eine wichtige Rolle spielt auch die kommunale Wärmeplanung, die bis 2028 abgeschlossen sein soll und weitere Erkenntnisse liefern wird.
Doch zunächst feiern die Stadtwerke am 9. November die Eröffnung ihrer neuen Energiezentrale. Von 10 bis 16 Uhr haben Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des modernen Fernwärmekraftwerks zu werfen. Neben geführten Besichtigungen erwartet die Besucher ein buntes Programm mit Informationsständen rund um die Themen Energie und Fernwärme. Für die kleinen Gäste gibt es eine Hüpf- und Kletterburg sowie Kinderschminken. Für das leibliche Wohl sorgen kleine Snacks, Kaffee und Kuchen in der Layritzhalle, Am Alten Kraftwerk 5. Parkmöglichkeiten stehen an der Berghalde Penzberg zur Verfügung.
