Seit der Diskussion um ein zehn Hektar großes Solarfeld im Ortsteil Manhartshofen, das am erbitterten Widerstand von Nachbarn gescheitert ist, hat das Thema Energiewende in Dietramszell Fahrt aufgenommen. Bereits vor einem Jahr erhielt die Gemeinde den Zuschlag für die Teilnahme am Förderprogramm "Energiecoaching Plus", das zu 100 Prozent von der Regierung von Oberbayern gefördert wird. Partner ist die Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO), die die Gemeinde beim Umbau zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Energieversorgung unterstützt. Die Ergebnisse stellte Andreas Scharli von der EWO nun im Gemeinderat vor.
Der Gemeinderat votierte einstimmig dafür, die Vorschläge in die Vorberatungen zum Haushalt aufzunehmen "und dann zu schauen, was wir umsetzen können", wie Bürgermeister Josef Hauser (FW) sagte.
Geprüft wurden Ist-Zustand und Potenzial gemeindlicher Liegenschaften; etwa der Schule, die seit Jahren saniert und mit drei verschiedenen Systemen beheizt wird. Rund 65 Prozent des Wärmebedarfs werden mit einer Hackschnitzelheizung erzeugt, 20 Prozent mit Pellets und etwa 17 Prozent mit Öl, sagte Scharli. Das Ziel sei, "das Heizöl nach und nach wegzubringen" und die Ölheizung nur noch zur Spitzenlastabdeckung zu nutzen. Auch der Anteil der Pellets soll nach Ansicht des Energiefachmanns verringert werden, weil der "Preis für Pellets durch die Decke gegangen ist". Man versuche, die Heizanlage bestmöglich einzustellen und "beim Bestand rauszuholen, was geht".
Auch Potenziale und Kosten für Photovoltaik-Anlagen (PV) auf gemeindlichen Liegenschaften wurden geprüft. Demnach bietet sich vor allem das große Süddach des neuen Kindergartens in Ascholding an. Eine PV-Anlage könnt dort 57 Prozent des Strombedarfs decken und würde etwa 48 000 Euro kosten. Ebenfalls sinnvoll wären nach Ansicht von Scharli PV-Module auf dem B-Bau der Schule (48 000 Euro), eventuell gekoppelt an eine Elektro-Ladesäule. Einige Gemeinderäte verwiesen darauf, dass auf dem Schuldach zur Sicherheit unbedingt Platz für einen Schneefang bleiben müsse.
Für das Feuerwehrhaus in Humbach, das von einer 20 Jahre alten Ölheizung beheizt wird, schlug Scharli eine Sonden-Wärmepumpe vor (36.000 Euro), die an eine PV-Anlage gekoppelt wird (14.000 Euro).
Auch ein Wärmekataster hat die EWO erstellt, die den Bedarf von Gebäuden im gesamten Gemeindegebiet erfasst und mögliche "Wärmeverbünde" ausgemacht hat. In einem nächsten Schritt sollen Vorzugsgebiete definiert und mögliche Nahwärmetrassen festgelegt werden. Zur politischen Debatte um das Thema Energieholz, auf die Michael Häsch (CSU) verwies, sagte Scharli: "Brüssel will nicht, dass wertiges Bauholz verheizt wird." Das will auch die EWO nicht, die deshalb eine Quantifizierung des verfügbaren Energieholzes vornehmen will - auch vor dem Hintergrund, dass durch Projekte wie die zweite Energiezentrale beim Feuerwehrhaus in Bad Tölz "der Druck auf das Material steigt". 52 Prozent der Landkreisfläche sei Wald, sagte Scharli; viel Holz, aber man müsse auch im Landkreis auf Nachhaltigkeit achten.
In einem nächsten Schritt sollen in Zusammenarbeit mit dem gemeindlichen Arbeitskreis Energie und Umwelt weitere Maßnahmen für einen "Energienutzungsplan" erarbeitet werden, den die Gemeinde im Mai beschlossen hat.
