Eishockey geht richtig ins Geld. Gerade erst hat die Stadt Geretsried das Eisstadion für eine Millionensumme saniert, nun steht sie vor der Frage, ob sie sich angesichts explodierender Energiepreise die "River Rats" überhaupt noch leisten kann und will. So sind die Betriebskosten in diesem Jahr fast dreimal so hoch, wie sich am Dienstag im Haushaltsausschuss des Stadtrats herausstellte: Der Sprung geht von 120 000 Euro jährlich auf 323 000 Euro. Bislang bezuschusst die Stadt den Eissportverein mit gut 100 000 Euro. Der hat nun eine jährliche Förderung von 200 000 Euro beantragt, die er erstmals schon 2022 haben möchte. Die Forderung des ESC sorgte im Ausschuss für heftige Diskussionen.

In diesem Jahr geht die Rechnung zwar nochmals auf, denn die Haushaltsmittel dafür sind vorhanden. Deshalb standen die Stadträte auch zu ihrem bereits gegebenen Wort, wenn auch zähneknirschend. Trotzdem sieht es reichlich düster aus für die Zukunft des Eissports in Geretsried. Die Frage nach der Gerechtigkeit warf Detlef Ringer (Grüne) angesichts des Umstands auf, dass alle anderen Vereine nur 60 000 Euro bekommen. Keine großen Hoffnungen wollte auch Sonja Frank (Freie Wähler) für den künftigen Eissportbetrieb machen, wenn überall das Geld fehle und die Stadt schon dazu gezwungen sei, die Temperaturen im Hallenbad herunterzufahren. Die teure und wegen des Liga-Spielbetriebs verpflichtende Eisbereitung im Sommer machte Hans Ketelhut (CSU) als den wahren Sünder aus. "Es ist kein positives Signal, im August Eis zu machen", pflichtete Volker Reeh (Geretsrieder Liste) bei und prophezeite, dass dies in der Bevölkerung ganz schlecht ankommen werde. "Geretsried ist eine Sportstadt, aber es muss alles finanzierbar sein."
Der ESC nutzt das Stadion neun Monate im Jahr. Die Kosten für eine Trainingsstunde sind von 70 auf 190 Euro gestiegen. Man werde das entstandene Defizit in Höhe von rund 200 000 nicht aus dem Eigenanteil bestreiten können, argumentierte der Verein in seinem Antrag. Er sieht sich mindestens in seinem sportlichen Niveau gefährdet. Die Eisbereitung im Sommer hält er für eminent wichtig. Die Sportler im Eishockey und Eiskunstlauf könnten sich nur weiterentwickeln, wenn sie auch außerhalb der Wintermonate trainieren könnten. Soviel ist jetzt schon klar: Die Finanzierung des ESC wird eines der Top-Themen in den Haushaltsberatungen Ende des Jahres sein.
