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Endlich wieder "oben mit":Hoch die Balken!

Tonnenschwer schweben die Binder überm neuen Eisstadion.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Am Geretsrieder Eisstadion wird derzeit die hölzerne Dachkonstruktion aufgebracht. Stadt und Bauleiter hoffen, dass bis zum Beginn der Eishockey-Saison Mitte November die wichtigsten Arbeiten fertig sind

Von Felicitas Amler

Der Bauleiter scherzt ein wenig: Dieser Bau an der Jahnstraße in Geretsried koste zwar "nur" soviel wie drei, vier Einfamilienhäuser, erfordere aber erheblich mehr Aufwand und sei als Projekt auch viel interessanter. Klaus Siedhoff beaufsichtigt den Umbau des Geretsrieder Eisstadions samt spektakulärer Dachkonstruktion. Der Bauingenieur hat es hier mit einem Unternehmen zu tun, das sich einerseits auf Hallenbauten spezialisiert hat und andererseits international hoch hinaus will, der österreichischen Wiehag Holding. In Shanghai plane Wiehag gerade ein Hochhaus aus Holz, sagt Siedhoff.

Das Geretsrieder Eisstadion wird zwar nicht ganz so hoch, das Dach wird an seiner höchste Stelle etwa 14 Meter über der Eisfläche liegen. Dafür erfordert die Konstruktion Fachwissen. Es wird ein Tonnendach aus Holz errichtet, das eine Spannweite von etwa 44 Metern hat und auf der rückwärtigen Seite des Stadions auf Betonträgern fixiert ist, auf der vorderen aber von Pendelstützen getragen wird. Dadurch wird eine bessere Stabilisierung bei Wind und Wetter erzielt.

In den vergangenen Tagen wurden an der Jahnstraße die Holzteile angeliefert, die erst an Ort und Stelle zu den elf einzelnen Bindern zusammengebaut werden. Jeder Binder, eine Konstruktion aus zwei gebogenen Längsbalken und 20 Querstreben ("Pfetten"), wiegt 16 Tonnen. Fürs Hochhieven vom Boden auf das Stadion steht ein Spezialkran bereit, der eine Maximallast von 400 Tonnen tragen kann. Passenderweise trägt er die Aufschrift "Kraft-Mayer" - Inhaber Erich Mayer hat offenbar Humor.

Jahrelang oben ohne

Die Arbeiten am Eisstadion laufen, wie Christoph Otawa aus dem Stadtbauamt betont, "unter Hochdruck". Das müssen sie auch, denn das Stadion soll bis zum Beginn der neuen "Eiszeit" am 15. November unter Dach und Fach sein. Für den Eishockeyverein ESC River Rats Geretsried beginnt dann eine neue Ära. Denn in den vergangenen 13 Jahren hatten die Flussratten unter freiem Himmel spielen müssen. Nach dem verheerende Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall hatte man im Jahr 2006 bei einer Überprüfung in Geretsried festgestellt, dass auch hier das Dach einzustürzen drohte; und asbesthaltig war es zu allem Übel auch noch. Über die Frage, ob das Stadion saniert oder gleich ein neues gebaut werden sollte, wurde immer wieder diskutiert. So hatten auch im Kommunalwahlkampf 2014 die Bürgermeister-Kandidaten unterschiedliche Positionen bezogen. Robert Lug (Freie Wähler) war Verfechter einer neuen Multifunktionshalle, Hans Hopfner (SPD) und Michael Müller (CSU) - heute amtierender Bürgermeister - für Sanierung und Überdachung am bestehenden Standort.

Wie teuer diese Lösung am Ende würde, hätte damals wohl keiner vorauszusagen gewagt: Es sind inzwischen mehr als acht Millionen Euro. Ein Komplett-Neubau wäre dennoch erheblich teurer geworden, sagt Otawa.

Wenn der Zeitplan eingehalten wird und der Eishockey-Spielbetrieb Mitte November beginnen kann, bleibt laut den Fachleuten aber auf der Baustelle noch genug zu tun. Das Stadion werde bis dahin nicht komplett fertig. Das Stüberl etwa werde erst dann in Angriff genommen, auch Umkleiden könnten noch zu errichten sein, sagen Siedhoff und Otawa. Aber das wärme- und schallgeschützte Holzdach aus Fichten-Leimbindern mit Zinkblechdecke werde abgeschlossen sein, Beleuchtung, Lüftung und Alarmsystem müssten bis dahin installiert sein.

Sanierung und Ausbau des Eisstadions sind nicht nur, wie der Bauleiter sagt, ein architektonisch interessantes Vorhaben. Wie jeder Umbau, so Siedhoff, habe das Projekt unvorhersehbare Verzögerungen mit sich gebracht. In diesem Fall waren es Funde im Untergrund, die auf eine frühere Müllverbrennung zurückgingen: "Unmengen Beton" seien da zu beseitigen gewesen, hieß es aus dem Stadtbauamt. Eine weitere Erschwernis lag in der Offenheit der Baustelle. Siedhoff spricht von "Vandalismus": Es seien Kabel gestohlen worden, die wegen des Kupfergehalts für Diebe wertvoll seien.

Die riesigen Holzbinder, die nun auf dem Platz an der Jahnstraße lagern, dürften wohl kaum so leicht zu entwenden sein.

© SZ vom 04.09.2019
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Sie haben die Termine im Blick: Bauleiter Klaus Siedhoff und Stadtbauamtsmitarbeiter Christoph Otawa.

(Foto: Hartmut Pöstges)

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