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Münsing:Zukunftsbaum für die Region

Elsbeeren Pflanzaktion in Münsing

Das Natur- und Gartenteam des Münsinger Gartenbauvereins (v. links: Wolfgang Kube, Regina Reitenhardt, Dieter März, Christine Mair, Enrico Spinelli) sorgt für die Elsbeeren.

(Foto: privat)

Wie die hochwertige Elsbeere auch in der Region eine Heimat finden soll.

Von Benjamin Engel, Münsing

Die Elsbeere ist besonders vielseitig zu verwenden und trotzdem im Freistaat rar geworden. Größere Vorkommen existieren in Franken, bei Kehlheim sowie weiter südlich nur im Fünfseenland. In der Region zwischen Landsberg am Lech und Wolfratshausen hat sich eine eigene genetische Ausprägung der Elsbeere gehalten, die nur dort vorkommt. Die dortigen Forstwirtschaftsämter haben noch 500 bis 700 Exemplare gefunden. Seit 2016 wird die Fünf-Seen-Elsbeere nachgezüchtet und -gepflanzt. Auf freiem Feld nördlich von Münsing haben nun Mitglieder der Natur- und Gartengruppe des Münsinger Gartenbauvereins fünf größere Exemplare dieser Baumart eingesetzt. Die Gemeinde hat die Kosten in Höhe von 750 Euro übernommen.

Die fünf frisch gepflanzten Münsinger Elsbeeren stehen am Rand eines Feldwegs nördlich des Loth-Hofladens. "Das ist ein Zukunftsbaum", schwärmt Grünen-Gemeinderätin und Gartenbauvereinsmitglied Christine Mair. Federführend habe das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) in Fürstenfeldbruck begonnen, diese im Fünf-Seen-Land genetische Rarität nachzuzüchten. Ökologisch wie ökonomisch sei die Baumart wertvoll.

Das Holz der Elsbeere ist besonders hochwertig. In Deutschland würden Stämme dieser Baumart am teuersten gehandelt, sagt Gero Brehm. Der Abteilungsleiter im Fürstenfeldbrucker AELF schildert, dass die Baumart hart, zäh und trotzdem biegsam sei. Daher schätzten Drechsler, Möbelschreiner und Instrumentenbauer den Werkstoff. Aus den rotbraunen Beeren würden auch edle Schnäpse destilliert oder Marmeladen hergestellt.

Ökologisch wertvoll ist die Elsbeere laut Brehm, weil sie mit trockenen, warmen Witterungsbedingungen gut zurechtkommt. Zur Blüte im Frühjahr sei die Baumart eine Nahrungsquelle für Insekten. "In der Region haben wir bislang 2300 kleine und 66 große Bäume nachgepflanzt", sagt Brehm. Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck übernähmen die Kosten für die jüngeren Exemplare. Das AELF könne aber die größeren etwa, drei Meter hohen wie in Münsing gepflanzten Bäume nicht vorfinanzieren, sagt Brehm. Hierfür schreibe die Behörde Kommunen an. Bei Interesse müssten diese 150 Euro pro Baum inklusive Pfosten und Befestigung aufbringen.

Bis es soweit kommt, müssen die Elsbeeren quer durch Deutschland reisen. Denn um die Bäume nachzüchten und damit die besondere Genetik erhalten zu können, müssen Pflücker zuerst Früchte ausgewählter Exemplare sammeln. Im Herbst 2015 hatte das Fürstenfeldbrucker AELF dafür erstmals im Andechser Klosterwald ernten lassen. Seitdem werden Früchte für die Nachzucht in der Region gesammelt.

Damit sich daraus Elsbeeren entwickeln können, werden die runden Beeren zunächst ganz in den Osten Bayerns transportiert. Die Staatsforsten haben in Laufen an der österreichischen Grenze einen Pflanzgarten. Der Betrieb sei darauf spezialisiert, Saatgut aufzubereiten, erklärt Brehm. Der Weiterweg quer durch die Bundesrepublik führte bis zu einer professionellen Baumschule bei Hamburg, wo die noch kleinen Pflanzen aufgezogen wurden. Dort sei das Klima milder als im Voralpenraum und biete darum bessere Entwicklungsmöglichkeiten, sagt Brehm. Schließlich wurzelten die Elsbeeren in einer Baumschule im oberbayerischen Schrobenhausen, bevor sie ausgepflanzt würden.

Standorte wie auf freiem Feld bei Münsing sind dafür ideal. Junge Bäume wachsen zwar auch im Wald und entwickeln sich in den ersten Jahren auch im Halbschatten. Ältere Exemplare brauchen aber viel Licht, so heißt es in einer Broschüre des AELF Fürstenfeldbruck. Häufig überwucherten Fichten und Buchen dann die Elsbeeren. Lichten Waldbesitzer nicht darum herum aus, verkümmert die Baumart.

Mit weiteren etwa 3000 neuen Elsbeeren aus der Fünf-Seen-Nachzucht rechnet Brehm im kommenden Jahr. Nur über das Fürstenfeldbrucker AELF kann diese heimische Unterart bezogen werden. "Leider sind die heimischen Elsbeeren nur in geringer Zahl verfügbar", sagt er. Wer als Waldbesitzer darüber hinaus selbst diese Baumart nachpflanzen wolle, um die Artenvielfalt zu erhöhen, solle auf Exemplare aus benachbarten Naturräumen wie Franken oder dem Bundesland Baden-Württemberg achten. Das sei zwar teuer. Regionale Baumschulen hätten solche Elsbeeren im Angebot, sagt Brehm.

Von einer "interessanten Baumart" spricht der Wolfratshauser Revierförster Robert Nörr. Mit seinem Team hat er vereinzelte Exemplare von Elsbeeren im Wald bei Ergertshausen und Deining gefunden. Gemeinsam mit dem Isartalverein seien auch bereits Fünf-Seen-Elsbeeren am Ickinger Ulrichsberg gepflanzt worden. Werde die Baumart richtig gepflegt, könnten sich daraus Bestände mit tollem Holz entwickeln, sagt er.

© SZ vom 04.01.2021
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