Uraufführung mit Markus Kreul in BenediktbeuernDa capo

Lesezeit: 2 Min.

Sopranistin Susanne Müller, begleitet von Lisa Riepl, Klarinette, und Stefan Pitz am Klavier.
Sopranistin Susanne Müller, begleitet von Lisa Riepl, Klarinette, und Stefan Pitz am Klavier. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Premiere der "Wabenduette" der jungen Komponistin Elisabeth Fußeder weckt im Publikum den Wunsch, das Werk noch einmal zu hören - um es besser verstehen zu können.

Von Hans Hoche, Benediktbeuern

Zeitgenössische Musik kann eine Herausforderung fürs Publikum sein. Das zeigt der folgende Kommentar: "Es ist wunderlich, wohin die aufs Höchste gesteigerte Technik und Mechanik die neuesten Komponisten führt; ihre Arbeiten bleiben keine Musik mehr, sie gehen über das Niveau der menschlichen Empfindungen hinaus, und man kann solchen Sachen aus eigenem Geist und Herzen nichts mehr unterlegen. (...) Mir bleibt alles in den Ohren hängen." Diese Anmerkung fiel aber nicht am Freitagabend bei der Uraufführung von Elisabeth Fußeders "Wabenduetten" in Kloster Benediktbeuern. Sie war im Jahr 1827 Goethes Reaktion auf Mendelssohns Klavierquartett Nr. 4 h-Moll und zeigt, wie sehr Musikerlebnisse und die daraus folgende Beurteilung von Hörgewohnheiten bestimmt werden. Auch die Zuhörerschaft in Benediktbeuern musste sich auf neue Tonstrukturen und Klangfarben einlassen.

Die junge Komponistin Elisabeth Fußeder bei der Uraufführung ihrer "Wabenduette" im Kloster Benediktbeuern.
Die junge Komponistin Elisabeth Fußeder bei der Uraufführung ihrer "Wabenduette" im Kloster Benediktbeuern. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Die "Wabenduette" für ein Sextett, bestehend aus Klarinette, Sopran, Mezzosopran, Flügel, Violine und Violoncello, bringt zwei Szenarien zusammen, die unterschiedlicher nicht sein können: naturgegebenes Verhalten von Bienenköniginnen und das unvorstellbare Grauen des Naziterrors in Lagern und Gefängnissen, basierend auf der Vertonung des Sonetts "Honig" aus dem Zyklus "Moabiter Sonette" von Albrecht Haushofer (1903-1945). Sie entstanden im Gestapogefängnis, wo er kurz vor Kriegsende ermordet wurde. Seine letzte Erinnerung: "Ein Glas mit Honig hab ich mir gespart | so viel an Heimat ist mir nun geblieben." Im süßbitteren Duft dieses Honigs spürte er den Seelenschmerz um den Verlust heimatlicher Geborgenheit. Doch wie lässt sich in einem Musikstück von gefühlt fünf Minuten Länge die Agonie eines derart Geschundenen und Todgeweihten vermitteln? Die Verbindung der Komposition zu Haushofers Gemütsverfassung angesichts der Brutalität und erahnten Todesnähe blieb leider verborgen. Nach verhaltenem Applaus ließ sich im Publikum eine Spur von Ratlosigkeit erahnen. Aber es wurde auch der Wunsch geäußert, das Werk nochmals hören zu können, um es dann vielleicht besser zu verstehen.

Zum elften Mal in Folge hat Markus Kreul, Pianist, Kammermusiker, Liedbegleiter und Organisator vieler Projekte, einen Meisterkurs im Kloster Benediktbeuern geleitet. Die Früchte seiner Arbeit mit zwölf hoch talentierten Teilnehmern wurden in drei abendlichen Konzerten dargeboten, das letzte davon am vergangenen Freitag im Barocksaal des Klosters.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Lied "Das Mühlrad" von Conradin Kreutzer, wunderbar vorgetragen von der Sopranistin Susanne Müller, begleitet von Lisa Riepl, Klarinette, und Stefan Pitz am Klavier. Er war auch Begleiter der Sopranistin Isabella Pany in Clara Schumanns Lied "Ich stand in dunklen Träumen" nach einem Text von Heinrich Heine. Auf Gottfried Herrmanns Lied "Erfüllung", dargeboten von Isabella Pany, Lisa Riepl und Isabella Kania am Klavier, folgten drei Lieder von Edvard Grieg, seelenberührend interpretiert von der Sopranistin Lilia Anselm. Zwei Duette von Jules Massenet beendeten den gefühlsbetonten romantischen Konzertteil.

Dann wurde es temperamentvoll. Spielgewaltig vermochte die Pianistin Isabella Kania mit einem Satz aus der Klaviersonate des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür (*1959) das Publikum zu begeistern. Nicht minder meisterhaft verstanden es Georg Bruder (Violoncello) und seine Söhne Franz (Violine) und Anton (Klavier), in Astor Piazzollas "Primavera" Rhythmus und Zärtlichkeit des argentinischen Tangos zu verbinden. Und schließlich war das Publikum bei Antonio Bazzinis "Tanz der Kobolde" ganz aus dem Häuschen, einem fünfminütigen Feuerwerk für Violine und Klavier, virtuos gezündet von Franz und Anton Bruder.

Nach der Uraufführung der "Wabenduette" kam die russische Seele zu Wort - mit Werken von Sergej Rachmaninow und Nikolai Rimski-Korsakows Vertonung von Puschkins "Die schwebende Wolkenbank" , tiefgründig gesungen von Lilia Anselm. Es folgten Werke von Korngold, Robert Schumann und Gershwin. Den Abschluss bildeten drei Lieder von Richard Strauss, darunter "Beim Schlafengehen" (Text von Hermann Hesse). Ein geglückter Hinweis auf das Ende des Konzerts. Und über allem Wohlklang schwebte zeitlos die "Anima Rationalis", die Geistseele im "Wagen des Lebens", dem zentralen Deckengemälde im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern.

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