Öffentlicher Nahverkehr:Der Süden fährt elektrisch

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RVO Elektrobusse

Jeder der vier E-Busse spart 80 Tonnen CO₂ pro Jahr im Vergleich mit einem Dieselbus ein. Daniel Busse von der Bahn weist auf die Technik hin.

Um die Luftqualität zu erhalten, werden in Bad Tölz und Umgebung erstmals E-Busse eingesetzt.

Von Klaus Schieder

Auf den ersten Metern ist kein Fahrgeräusch zu hören, später nur ein leises, obwohl die Beschleunigung geschwind ist: Vier E-Busse setzt die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) von diesem Donnerstag an im Landkreis ein. Zwei fahren im Stadtgebiet von Bad Tölz, zwei verkehren auf RVO-Linien im Süden des Landkreises. "Es gibt nichts Besseres, als die Busse mit Strom fahren zu lassen", sagte Landrat Josef Niedermaier (FW) bei der Vorstellung der neuen Fahrzeuge am Mittwoch in der RVO-Niederlassung im Tölzer Gewerbegebiet Farchet.

Die Busse mit je 88 Plätzen werden im Landkreis wechselweise auf den RVO-Linien von Holzkirchen nach Bad Tölz, von Tölz nach Lenggries, von Tölz nach Dietramszell und auf der Route nach Kochel eingesetzt. In der Kurstadt verkehren sie auf den zwei Stadtbus-Kursen. Für Landrat Niedermaier ist das Gemeinschaftsprojekt von Landkreis, Stadt und RVO ein "Startschuss auf dem Weg für unser langfristiges Ziel, den Verkehrssektor klimafreundlicher zu gestalten". Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) erzählte, dass immer wieder Tölzer zu ihm kämen die sich leisere und emissionsärmere Stadtbusse wünschten. Dies sei mit den E-Bussen nun der Fall. "Wir werden unsere Champagnerluft erhalten und verbessern", sagte er. An der sauberen Luft wäre das Modellprojekt beinahe gescheitert. Im ersten Anlauf sei man beim Bundesumweltministerium noch abgeblitzt, "weil die Stickoxidwerte in Bad Tölz nicht so hoch sind", berichtete Daniel Busse von der DB Regio AG. Die Fördermittel des Bundes waren aber notwendig, um die kostspieligen E-Busse des Herstellers Ebusco zu kaufen.

Einer davon kostet rund eine halbe Million Euro. Zum Vergleich: Einer der etwa 20 Dieselbusse, die der RVO im Landkreis einsetzt, kommt nur auf um die 180 000 Euro. Zieht man diese Summe von den 500 000 Euro für einen E-Bus ab, bleiben noch 320 000 Euro - diesen Betrag fördert der Bund mit 80 Prozent. Die Restsumme teilen sich der Landkreis mit 20 000 Euro, der RVO mit 24 000 Euro und die Stadt Bad Tölz mit 10 000 Euro.

Während E-Busse im öffentlichen Nahverkehr in Großstädten schon üblich sind, gehören sie auf dem Land noch zu den Ausnahmen. Umso erfreuter zeigte sich Andreas Päschel, dass ihr Einsatz im Landkreis durch ein zwölfjähriges Förderprojekt des Bundesumweltministeriums erfolgt. "Es ist Weltklasse, dass man hier einen Anreiz geschaffen hat", betonte der RVO-Niederlassungsleiter Produktion. Mit einer Kapazität von je 350 Kilowattstunden können die vier Fahrzeuge bis zu 250 Kilometer zurücklegen, ehe die Batterien maximal vier Stunden lang geladen werden müssen. 200 Kilometer Reichweite seien auf jeden Fall garantiert, möglich seien aber auch zwischen 300 und 400 Kilometer, ergänzte Daniel Busse. "Es wird im Winter interessant sein zu beobachten, wie weit wir bei minus 20 Grad kommen", so Päschel.

Der Öko-Strom für die E-Busse kommt vom nahe gelegenen Isarkraftwerk, das die Tölzer Stadtwerke betreiben. Der RVO habe dafür die erste Gleichstrom-Ladestation im Landkreis errichtet, sagte Stadtwerke-Chef Walter Huber.

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