bedeckt München 17°

Kleines Glück, Folge 9:Erfrischung ahoi!

Sebastian Holzbauer hat zusammen mit drei Freunden einen alten Fischerkahn zum "Eisboot" umfunktioniert. Damit schippern sie zwischen Kempfenhausen und dem Ammerlander Badeplatz am Ostufer des Sees hin und her und verkaufen Getränke und Steckerleis von Bord aus. Seine Kunden warten oft schon sehnsüchtig auf seine Tour

Wenn Sebastian Holzbauer kommt, sind die Menschen entspannt und ausgelassen. "Jeder freut sich, die Stimmung ist cool", erzählt der 23-jährige Student. "Wir haben noch nie schlecht gelaunte Kunden gehabt." Manche warten am Ostufer des Starnberger Sees schon sehnlichst auf ihn. Besonders lauthals schreien die Kinder, wenn er auftaucht, etwa von der Allmannshauser Badeinsel aus. Denn Holzbauer und seine drei Freunde haben ihren alten Fischerkahn mit Getränken und Eis vollgepackt. Kaum zehn Zentimeter bleiben manchmal zwischen der Bootskante und der Wasseroberfläche. So schippern sie mit dem Eisboot zwischen Kempfenhausen und dem Ammerlander Badeplatz am Ostufer des Sees hin und her. Von Bord des Eisboots verkaufen sie ihre Waren an Badegäste und Bootsfahrer.

Mit dem Eisboot haben Holzbauer, Jonas Gastl und zwei weitere Freunde heuer eine alte Institution wiederbelebt. Ursprünglich waren Andreas Gastl aus Leoni und Freunde mit der historischen Chiemsee-Plätte unterwegs. Doch um 2013 mottete er das Eisboot ein. Dafür fehlte die Zeit, als er sein Hofcafé und den Hofladen eröffnete. Der alte Fischerkahn blieb für Jahre im Bootshaus - bis zu diesem Jahr. Als Kind war Jonas selbst noch bei seinem Neffen Andreas Gastl im Eisboot mitgefahren, Holzbauer kannte es noch von früher. Da er selbst lieber im Freien als Drinnen ist, hatte er sofort Lust, mitzumachen.

Das Eisboot-Quartett kennt sich schon lange, etwa aus der Allmannshauser Burschenschaft. Drei stammen direkt aus dem Ort nördlich von Weipertshausen. Jonas Gastl kommt aus dem benachbarten Sibichhausen. "Wir sind alle gut befreundet", sagt Holzbauer. Jeweils zu zweit sind sie mit dem alten Fischerkahn für ihre Touren unterwegs. Wer Zeit hat, fährt raus. Das kann am Wochenende zwei Mal am Tag sein oder auch nur nach dem Feierabend. Denn die vier jungen Leute studieren, sind in der Ausbildung oder arbeiten schon, weswegen sie in wechselnden Konstellationen auf den See hinausfahren. Mit dem Eisboot waren sie seit Juni etwa 20 bis 30 Mal unterwegs, schätzt Holzbauer.

Nur der Wind kann den Eisboot-Fahrern selbst an sonnigen Tagen einen Streich spielen. Weht es zu stark, können die Wellen dem kippeligen Boot gefährlich werden, vor allem, wenn es voll beladen ist. Außerdem kann der Schirm bei zu starken Böen nicht aufgespannt werden. "Ohne sind wir praktisch kaum zu erkennen", schildert Holzbauer. Dann heißt es leider an Land bleiben. "Es gab einige wunderbare Tage und wir konnten nicht rausfahren", bedauert Holzbauer. Zudem begrenzen die Lithium-Akkus den Aktionsradius. Voll aufgeladen reicht es für eine Vier-Stunden-Tour. Anschließend muss das Boot wieder an die Steckdose.

Nur zwischen Kempfenhausen und dem Ammerlander Badeplatz darf das Eisboot unterwegs sein. Denn auf der Strecke am Ostufer des Starnberger Sees gibt es praktisch keine Kioske. Deren Geschäft wolle man nicht kaputt machen, schildert Holzbauer. Er selbst versucht, so oft wie möglich mit dem Eisboot unterwegs zu sein. Am meisten begeistert ihn, wenn er besondere Situationen erlebt. Einmal seien sie an einer Regatta vorbeigefahren. Der Start sei verschoben worden, weshalb die Segler die Gelegenheit zum Einkauf nutzten. Mit dem Fischerkahn seien sie von Schiff zu Schiff gefahren und hätten Getränke und Eis verkauft. "Das macht schon extremen Spaß", sagt Holzbauer.

Ob es heuer noch einmal so schön und warm wird, dass sich die Fahrt mit dem Eisboot lohnt, weiß er nicht. Nächstes Jahr soll es auf jeden Fall aber weitergehen. Dann möchten er und seine Freunde das Sortiment anpassen. Er selbst könnte sich auch gut vorstellen, dass es neben Steckerleis - das teuerste kostet drei Euro - und Getränken womöglich noch mehr Essen gibt. Versprechen will Holzbauer aber nichts.

Auch über veganes Eis denken sie nach. Denn viele Badegäste würden sich nach den Zutaten erkundigen, weil sie unter Allergien litten. Dann will das Quartett auch eine neue Homepage ins Internet stellen. Bisher ist nur die des vor Jahren eingestellten Eisbootbetriebs von Andreas Gastl noch online. Außerdem denkt Holzbauer auch an eine Tracking-Funktion. "Dann können die Leute live sehen, wo wir gerade sind", sagt Holzbauer.