Der Geselligkeitsfaktor ist für Roland Grünwald beim Eisstockschießen genauso wichtig wie der Wettbewerbscharakter. „Wenn wir spielen, sehen wir den ein oder anderen, dem wir unter dem Jahr eher weniger begegnen“, sagt der Abteilungsleiter der Stockschützen beim Sportverein Eurasburg-Beuerberg. „Wir spielen meist um ein paar Cent. Das ist ein kleiner Ansporn, um möglichst nicht zu verlieren.“
Eisstockschießen im Winter, das ist für Grünwald und seine Mitspieler jedes Jahr etwas Besonderes. Dafür stauen sie eine rechtwinklige Mulde nahe der Staatsstraße zwischen Lengenwies und Beuerberg mit dem Wasser eines südlich vorbeiführenden Bächleins auf. „Früher hat man dort Ton für den Bau von Kloster Beuerberg abgebaut.“
Voraussetzung ist natürlich, dass es kalt genug ist, damit das Wasser gefriert. Zum Jahreswechsel 2025/2026 war es so weit. Doch die für 10. Januar geplanten Gemeindemeisterschaften mit elf Mannschaften auf fünf Bahnen mussten ausfallen. Laut Grünwald hatten die höheren Temperaturen, Regen und Schnee die Eisfläche unbespielbar gemacht.
Er selbst hat bereits als Jugendlicher vor 45 Jahren mit dem Sport angefangen. „Mein Vater und mein Opa waren schon Stockschützen“, sagt Grünwald. „Ich bin dann langsam reingewachsen. Das hat mir Freude gemacht.“ Der sogenannte Stock besteht aus einem Griff, der an einem Körper mit runder Laufplatte befestigt ist. Den versucht jeder Spieler möglichst nah an die Daube – häufig ein runder Ring aus Gummi – heranzuschubsen.

Der Vorteil bei Grünwald und seinen Stockschützen in Beuerberg: Die Wassertiefe ist gering. Wer einbricht, steht meist nur wenige Zentimeter im Nassen. Anders ist das bei den zahlreichen zugefrorenen Gewässern im Münchner Umland, auf die es viele Freizeitsportler wie Eishockeyspieler und Schlittschuhläufer zieht. Natürliche Eisflächen gibt es bei richtigen Temperaturen viele, vom Germeringer oder Weßlinger See im Westen der Landeshauptstadt bis zum Maisinger See oder dem Kirchsee weiter südlich. Größere Gewässer wie der Starnberger See frieren meist nur an einzelnen Uferbereichen zu, und auch das erst bei lang anhaltenden Minusgraden. Wer draußen aufs Natureis geht, tut das aber immer auf eigene Gefahr.
Auch wenn die zuletzt anhaltenden Plusgrade den großen Ansturm aufs Eis gebremst haben: Es wird wieder kälter. Die Anziehungskraft des Eises wird dann besonders tückisch. Wie faszinierend ein zugefrorener See sein kann, weiß Heinz Eger. Sich zu Fuß dorthin bewegen zu können, wo im Sommer nur die Schwimmer hinkämen, habe einen besonderen Reiz, sagt der Kreisvorsitzende der Wasserwacht für Bad Tölz-Wolfratshausen. „Als Ausbilder kann ich aber nur sagen, dass es nie ungefährlich ist.“
Seen frieren niemals gleichmäßig zu. Das macht die Eisfläche so gefährlich
Denn auf natürlich zugefrorenen Gewässern gebe es viele und sehr unterschiedliche Gefahrenstellen. Bei den Moorseen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wie dem Kogler Lack oder dem Kirchsee existierten Zuläufe oder unterirdische Quellen. Das Eis sei an solchen Stellen weniger dick und daher bruchgefährdet. Und am Sylvensteinspeicher schwanke beispielsweise der Wasserstand. Dadurch könne die Eisdecke brechen, so Eger. „Es gibt Bereiche, an denen sich eine Luftschicht zwischen Eisdecke und Wasseroberfläche bilden kann.“ Wer dort einbreche, komme nicht mehr nach oben. „Das ist eine ganz wilde Sache.“
Wenn das Eis mehr als zehn Zentimeter dick gefriert, ist es in der Regel tragfähig. Doch Gewässer frieren nie gleichmäßig zu. An manchen Stellen können gefährliche Schwachstellen entstehen, wo die Eisdecke viel dünner ist. Teils können sogar Löcher auftreten. Zum Beispiel auch dann, wenn Menschen größere Steine aufs Eis werfen. „Bei stärkerer Sonneneinstrahlung können die angewärmten Steine durch das Eis schmelzen“, sagt Eger.

Daher ist für den Kreisvorsitzenden der Wasserwacht bei natürlichen Gewässern stets Vorsicht geboten. Die Wasserwacht wolle das Gefahrenbewusstsein der Menschen schärfen, erklärt er. „Jeder muss immer wachsam bleiben.“ Wichtig sei es auch, sich nicht täuschen zu lassen, wenn viele Menschen auf dem Eis seien. „Die Gefahrensituation tritt dann oft in den Hintergrund“, so Eger.
Niemand sollte jemals allein aufs Eis gehen, warnt Eger, und Eltern sollten ihre Kinder immer im Auge behalten. Wer tatsächlich einbricht, sollte laut Eger um Hilfe rufen und sein Gewicht möglichst breit verteilen, also nicht versuchen, aufzustehen, sondern sich am Rand des Einbruchslochs wieder aufs Eis zu rollen.

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Für den Ernstfall veranstalten die Wasserwacht-Organisationen aus der Region regelmäßig Übungen, zu Jahresbeginn 2026 etwa die aus Germering und Fürstenfeldbruck gemeinsam mit örtlichen Feuerwehren. Besonders bei Plusgraden weisen die Rettungsorganisationen darauf hin, sehr vorsichtig zu sein. Auch wenn eine Eisdecke geschlossen erscheint, können sich jederzeit gefährliche Schwachstellen durch Unterwasserquellen, Temperaturveränderungen oder Zuflüsse bilden.
Sollte dennoch jemand ins Eis einbrechen, rät die Wasserwacht, ruhig zu bleiben, auch wenn das in einer solchen Situation schwerfällt. „Sich selbst wieder vollständig auf die Eisfläche zu ziehen, ist in den meisten Fällen kaum möglich.“ Befände sich die betroffene Person in Ufernähe, könne sie versuchen, das Eis vorsichtig mit dem eigenen Körpergewicht zu brechen und sich so in Richtung Ufer vorzuarbeiten.

Das ist aber in der Regel nur möglich, wenn das Eis, etwa gegen Frühjahr, bereits angetaut und dünner ist, so der Kreisvorsitzende der Wasserwacht in Bad Tölz-Wolfratshausen. Wer einen Notfall beobachte, solle sofort die Rettungskräfte alarmieren. Traue sich jemand zu, zu helfen, solle dieser nie ohne Hilfsmittel aufs Eis gehen, also etwa ein Brett mitnehmen. An Wasserwachtstationen gebe es auch Leitern oder Rettungsringe. Das könne man dem Verunglückten reichen, damit sich dieser über Wasser halten könne. Gleichzeitig lasse sich so Abstand halten, um nicht selbst einzubrechen.
Niemals sollten sich helfende Personen dem Eisloch allerdings ungesichert nähern. Darauf weist Celine Bofinger hin. „Stattdessen ist es wichtig, Abstand zu halten und dem Verunglückten, wenn möglich, einen Stock, ein Seil oder einen anderen geeigneten Gegenstand zu reichen“, erklärt die Referentin des Dachauer Kreisgeschäftsführers des Bayerischen Roten Kreuz, zu dem die Wasserwachten gehören.
Das Eis auf den Seen ist für die Wintersportler ohnehin meist nur ein kurzfristiges Vergnügen. Denn sobald es kräftig darauf schneit, ist Schlittschuhlaufen nicht mehr möglich. Und auch bloß vorübergehendes Tauwetter und Regen setzen der Eisdecke stark zu.

