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Einstimmung in den Herbst:Die Stimmen der Zeit

Der Isura-Madrigalchor wurde unterstützt von den Solisten Franziska Brandis (Barockcello), Michael Schönfelder (Violone) und Marianne Lösch (Orgel).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Isura-Madrigalchor gibt in Sankt Andreas ein November-Konzert mit Motetten von Bach. Johannes Buxbaum überzeugt an der Orgel

Zu welchen Anlässen Johann Sebastian Bach seine Motetten einst komponiert hat, darüber lässt sich bis heute nur spekulieren. Mit einer Ausnahme: Zur Motette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" ist vermerkt, dass sie einst für das Begräbnis des langjährigen Rektors der Thomas-Schule geschrieben wurde. Dass sie trotz ihrer eher dunklen Stimmung Menschen in deren Trauer aufrichten können, diese Eigenschaft lässt sich hingegen auch weiteren Motetten Bachs zuschreiben.

Insofern war das Programm mit Motetten von Bach und zwei Orgelwerken über Bach trefflich gewählt, die der Isura-Madrigal-Chor zu seinem Konzert am Freitag in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche Sankt Andreas präsentierte: "Denn der November trägt den Trauerflor", zitierte Dekan Gerhard Beham eingangs Erich Kästner. Das Leben kehre sich mehr nach innen, die Frage nach Vergänglichkeit und Tod beschäftige die Menschen in dieser Zeit.

Trost statt Schrecken war also das Gebot der Stunde, das der Chor mit seinem Konzert zu vermitteln suchte. Die Solisten und Mitglieder des Isura-Madrigal-Chors unter der Leitung von Johannes Buxbaum überzeugten bei ihrem Auftritt über weite Strecken durch klare Linienführung, feine dynamische Differenzierung und musikalische Homogenität. Vor allem aber setzten sie auf Ernsthaftigkeit und Ausdrucksstärke, gemäßigte Tempi und getragenen Duktus, unterstützt von den Instrumentalisten Franziska Brandis (Barockcello), Michael Schönfelder (Violone) und Marianne Lösch (Orgel). Die gedeckten Farben, mit denen die Musiker die Motetten ins Bild setzten, erzeugten die Intimität einer meditativen Stunde.

Doch auch wenn Johannes Buxbaum trotz aller Dunkelheit auch Bachs Leichtigkeit und Transparenz herauszuarbeiten versuchte, schwankten die Choristen zunächst in der rhythmisch pointierten Prägnanz und auch in der Intonation. Besonders deutlich wurde das zum Auftakt mit "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf", noch stärker indes in der Motette "Jesu meine Freude", deren Strukturen vor allem gegen Ende zu einem Klangbrei verwischten. Doch nach einer kurzen Verschnaufpause, in der Buxbaum seine Qualitäten als Organist unter Beweis stellen konnte mit Carl Piuttis "28. Juli 1750 - Gedenkblatt zum Todestag von Johann Sebastian Bach" und Josef Gabriel Rheinbergers "Fughetta über Bach", fingen sich die Sänger wieder.

Im zweiten Teil gerieten die leidenschaftlich bewegten Passagen genauso überzeugend wie die stillen, verinnerlichten Momente voll Intensität. Insbesondere die Motette "Komm, Jesu, komm" wurde dann zum einem Glanzlicht: Der Chor brachte hier seine Gottesanrufung mit höchster Zartheit vor, und nahm sich genügend Zeit für Triller und Verzierungen.

"Lobet den Herrn, alle Heiden" war dann ein prächtiger Abschluss des Konzerts: Der Chor schwang sich präzise und gefühlsintensiv durch die fein gewobenen Linien. Am Ende lang anhaltender Applaus vom Publikum, das statt in den Genuss von Zugaben in den Genuss eines Empfangs im Pfarrhaus kam.