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Einsatz in Plattling:"Wir versuchen, die Leute abzulenken"

Der Kreisverband des Roten Kreuzes hat Einsatzkräfte ins Hochwassergebiet nach Plattling geschickt. Sie helfen in Notunterkünften mit. Einsatzleiter Markus Möbius erklärt, was zu tun ist.

Von Franziska Dürmeier

Die Gegend um Plattling im Landkreis Deggendorf hat das Hochwasser besonders stark getroffen. Siebzehn ehrenamtliche Helfer des Kreisverbands Bad Tölz-Wolfratshausen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) sind derzeit vor Ort, um den Betroffenen zu helfen. Kreisbereitschaftsleiter Markus Möbius steuert und organisiert den Einsatz von Geretsried aus. Die SZ fragte ihn am Donnerstag, wie der Einsatz verläuft.

SZ: Wie ist die Situation am Einsatzort?

Markus Möbius:Die Situation ist kritisch, man weiß noch nicht, was passiert. Momentan ist die Lage unübersichtlich, es besteht weiterhin die Gefahr von Dammbrüchen. Man wird die Situation erst in 48 Stunden einschätzen können. Meine Kollegen werden in verschiedenen Gebieten eingesetzt. Sie waren in Niederwinkling, am Donnerstagmorgen haben sie den Einsatzort wieder an heimische Kollegen übergeben. Mittags waren sie auf Abrufbereitschaft, und gerade sind sie auf dem Weg nach Deggendorf. Die Anreise mit dem Einsatzzug ist schwierig; normalerweise würde die Fahrt eine halbe Stunde dauern, jetzt sind sie umleitungsbedingt wegen des Hochwassers knapp zwei Stunden unterwegs.

Wie sind die Leute an die Einsatzorte gekommen?

Die Kollegen waren immer mit den Fahrzeugen unterwegs, mussten aber Umwege in Kauf nehmen. Mit Booten zu fahren ist sehr zeitaufwendig; außerdem möchte ich meine Leute nicht in eine Gefahrsituation bringen. Die Wassersituation ist neu und unbekannt, man weiß nicht, wie die Strömungen sind.

Wie viele Ihrer Leute sind dort?

Es sind derzeit 17. In der Gesamteinheit sind es 57 Einsatzkräfte. Aus Oberbayern wird heute noch ein weiteres Kontingent erwartet. Seit Donnerstag steht fest, dass der Einsatz länger dauern wird, voraussichtlich kann er erst am Freitag oder Samstag beendet werden. Dass die Einsatzkräfte weiterhin benötigt werden, zeigt, dass ein großer Bedarf besteht. Heute nehmen wir einen Personaltausch vor, es werden vier Einsatzkräfte ausgewechselt. Ich fahre vier neue Einsatzkräfte in das Einsatzgebiet und nehme vier wieder nach Geretsried mit. Damit sie schlafen und sich ausruhen können, bin ich der Fahrer. Sie müssen zurück in die Arbeit und Termine wahrnehmen. Das Ziel des Roten Kreuzes ist, die Einsatzdauer auf 24 Stunden zu begrenzen - unter anderem auch, damit die Last auf die Arbeitgeber nicht so hoch ist.

Was ist Ihre Aufgabe?

Die Turnhallen sind nicht so ausgestattet, dass sie viele Leute aufnehmen können. Wir prüfen das jeweilige Objekt, stellen sicher, dass Feldbetten, Verpflegung und Sanitäranlagen vorhanden sind - dass eine Infrastruktur besteht. Wir betreuen die Betroffenen, reden mit ihnen und beruhigen sie. Die beiden Schnelleinsatzgruppen arbeiten zusammen und können gemeinsam eine Notunterkunft aufbauen.

Wie helfen Sie den Betroffenen?

Es ist eine schwierige Situation, weil die Menschen nicht wissen, was passiert - mit ihrem Haus, den Nachbarn, den Haustieren. Wir betreuen die Leute so, dass sie ihr alltägliches Leben fortführen können. Wir sorgen dafür, dass die Kinder betreut werden und ein friedvolles Zusammenleben ermöglicht wird. Bei 300 Leuten in einer Halle entsteht ein hoher Lärmpegel. Wir versuchen, die Leute abzulenken und zu beschäftigen, dass sie aus dem Trott herauskommen. Die Leute werden je nach individueller Personenlage betreut. Manche sind pflegebedürftig. Es gibt beispielsweise Betroffene, die regelmäßig zum Arzt müssen. Wir organisieren diese Arztbesuche. Wenn die Leute sich selbst einbringen möchten, können sie auch gerne mithelfen. Wir versuchen ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

Wie sieht der Tag der Einsatzkräfte aus?

Der Alarm wurde am Mittwoch um 4.22 Uhr ausgelöst, um 6.45 Uhr ging es von Geretsried aus los nach Plattling. Gegen 13 Uhr waren sie im Bereitstellungsraum, dort werden alle Einsatzkräfte gesammelt. Um 18 Uhr war der erste Einsatz. Geschlafen wird in den Zeiten, in denen es möglich ist. Das waren in der letzten Nacht vier bis sechs Stunden. Ich habe eine Rückmeldung bekommen, dass alle fit und ausgeruht seien. Wie der Einsatz genau aussieht, erfährt man kurzfristig, denn man weiß nicht genau, wie viele Menschen in eine Notunterkunft wollen. Die meisten der vom Hochwasser Betroffenen kommen bei Angehörigen unter; nur ein kleiner Teil geht in Notunterkünfte.

Kommen die Einsatzkräfte mit der Situation gut zurecht?

Ich habe schon das Gefühl. Der Einsatz läuft wunderbar, er ist gut organisiert. Wie die Gesamtlage ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.

© SZ vom 08.06.2013

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