Süddeutsche Zeitung

Eine Tölzer Institution stellt sich vor:Musikschule öffnet sich

Lesezeit: 2 min

Die Einrichtung trotzt Corona mit einem Video, das Zuschauern Personal, Instrumente und Räume näher bringt

Von Felicitas Amler, Bad Tölz

Aus dem Raum hinter der lindgrünen Tür weht ein Sopran heraus: "Somewhere over the rainbow ..." Schauspieler Markus Eberhardt betritt das Zimmer, und die Kamera schwenkt zum Klavier, an dem Elisabeth Artmeier-Mogl sitzt. Sie singt mit Hingabe noch ein paar Takte, blickt auf und stellt sich vor. Mit Szenen wie diesen versucht die Sing- und Musikschule Bad Tölz ein bisschen von dem nachzuholen, was durch Corona verloren ging - Offenheit. Der Tag der offenen Tür musste abgesagt werden, ebenso die Neueinschreibung und die Schnupperwoche. Daher, so Direktor Harald Roßberger, "möchten wir versuchen, auf dem elektronischen Weg eine 'Musikschule der offenen Tür' anzubieten".

Das gelingt ganz hervorragend. Markus Eberhardt - er ist vielen aus dem Fernsehen bekannt, hier unterrichtet er Musiktheater und Schauspiel - streift in dem knapp 15 Minuten langen Video durch Gänge und Räume. Er stellt Lehrende und Instrumente vor, macht liebevoll auf das für ihn wundervoll klingende Knarzen der Treppe im Greiner-Kulturhaus aufmerksam, präsentiert den Saal und gewährt samt Kameramann Elias Müller einen Einblick in den Keller, wo der Platz zum Schlagzeugspielen ist. Als erstes werden Verwaltungsleiterin Angelika Richter und Schulleiter Harald Roßberger besucht, die den Betrieb mit 35 Lehrerinnen und Lehrern und annähernd tausend Schülern am Laufen halten. Roßberger erklärt auf Nachfrage, er würde jederzeit wieder Klarinette lernen wollen - "das Beste, was man tun kann".

Swetlana Boldt schwärmt vom Klavier, das "unerschöpfliche Möglichkeiten" biete. Artmeier-Mogl schwört aufs Singen, denn: "Ich habe mein Instrument immer dabei." Sie gebe je zur Hälfte jungen Leuten und Erwachsenen Stunden, sagt sie. "Es ist nie zu spät, singen zu lernen."

Im Raum der musikalischen Früherziehung geht's bunt und lustig zu. Lehrerin Sarah Thompson sitzt mit einer Handpuppe in Gestalt einer Schnecke auf dem Boden und erläutert, dass derlei Hilfsmittel hier unbedingt dazugehören. Auch ein Plüsch-Dackel namens Waldemar spielt eine Rolle, außerdem allerlei kleine Instrumente wie Rasseln oder Tambourin. Thompson sagt, bei ihr lernten die Kinder Musik mit allen Sinnen: "Wir singen, wir klatschen, wir patschen, wir tanzen."

Ingo Veit lehrt Instrumentale Grundausbildung (IGA). Dabei lernen Sechs- bis Achtjährige in Dreier- bis Vierer- Gruppen viele Instrumente kennen und erwerben musikalische Fertigkeiten als Grundlage für weiterführenden Unterricht. Speziell für Senioren gibt es die Veeh-Harfe, die man spielen kann, ohne Noten zu beherrschen.

Aus der Fülle an Instrumenten werden noch Steirische und Akkordeon präsentiert, Posaune, Klarinette und Saxofon. Und die Zuschauer lernen, dass das Saxofon streng genommen kein Blech-, sondern wie die Klarinette ein Holzblasinstrument ist, da ihr Ton mit Hilfe eines aufschlagenden Rohrblatts erzeugt wird.

Den Film hat die Musikschule mit zwei Ehemaligen produziert: Elias Müller war für Kamera und Schnitt verantwortlich, Yannick Renn für die Tonmischung. Ein hübscher Trick ist ihnen mit Chorleiterin Stephi Waldherr gelungen. Da ein Chor in Corona-Zeiten nicht aufzustellen ist, vervielfältigt sich Waldherr filmisch und sitzt am Ende als ihr eigener Mini-Chor in den Reihen.

www.musikschule-toelz.de

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4887341
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 25.04.2020
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.