Eine lokale Antwort auf FDP-Chef Christian Lindner "Weil die Profis nichts tun"

Nach dem Vorbild der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg haben auch Penzberger Jugendliche demonstriert.

(Foto: Manfred Neubauer)

In Bad Tölz und Penzberg demonstrieren am globalen "Fridays for Future"-Tag Jugendliche für den Klimaschutz und riskieren dafür Schulstrafen. Der frühere Gymnasiallehrer Jerry Melzer und Bürgermeisterin Elke Zehetner unterstützen den Protest

Von Arnold Zimprich und Sally-Victory Jüssen

Der weltweite Protest von Jugendlichen für mehr Klimaschutz ist in der Region angekommen. In Bad Tölz und Penzberg haben am Freitag Demonstrationen stattgefunden. Dichter Regen fiel auf den Tölzer Vichyplatz, nur wenige Fußgänger waren an diesem Freitagvormittag unterwegs - wären da nicht Gruppen von Schülerinnen und Schülern des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums, der Tölzer Realschule, der Südschule und der Fachoberschule gewesen. Sie hatten sich versammelt, um im Rahmen der von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufenen "Fridays for Future"-Initiative für den Klimaschutz zu demonstrieren. Es war die erste von Schülern im Landkreis organisierte Demo dieser Art.

Dicht an dicht drängten sich die Jugendlichen mit ihren Plakaten unter das Vordach des Kleinen Kursaals, unter ihnen der 18-jährige Realschüler Camillo Dami. "Wir wollen uns mit den Münchner Schülern, die schon seit Längerem protestieren, solidarisieren", erklärte er. "Offiziell frei bekommen haben wir dafür nicht." Wie viele andere Schüler riskierte er einen Verweis - dennoch nahmen um die achtzig teil.

Und es hatten sich auch viele Eltern angeschlossen. Harald G. Leeds etwa begleitete seinen Sohn, der Schüler an der Tölzer Realschule ist. "Ich finde das einfach unterstützenswert, was die hier machen", sagte Leeds. Dass der Protestzug während des Unterrichts stattfand, störte ihn nicht.

Applaus aus Geschäften

Von zwei Polizeiautos eskortiert setzte sich der Demonstrationszug um kurz nach elf Uhr im dichten Regen in Bewegung. Der 15-jährige Realschüler Lukas von Andrian führte die Gruppe an und lief am Megafon zu Höchstform auf. "Wir sind hier, wie sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" skandierte er. Und zu "Kohlestopp, hopp, hopp, hopp" ging es die Tölzer Marktstraße hinauf. Zwei Mitarbeiterinnen eines Kosmetikladens standen im Eingang und klatschten Beifall. Christoph Stadtmüller war eigens aus Geretsried gekommen, um in der Demo mitzugehen. "Ich bin womöglich der einzige Schüler vom Geretsrieder Gymnasium, der heute teilnimmt", sagte der 18-Jährige, "aber der Anlass ist es mir wert."

Jerry Melzer schritt dem Zug indes flott hinterher. Der ehemalige Lehrer, der am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Deutsch, Sozialkunde und Geschichte unterrichtet hatte, sympathisiert mit den Schülern. "Ich bin über 80 Jahre alt", sagte er. "Es ist schon erstaunlich, dass es wieder die jungen Leute sind, die auf die Straße gehen." Dass sich die Schulleitung des Tölzer Gymnasiums gegen den Zug ausgesprochen habe, enttäuschte ihn. Er findet das Engagement wichtig: "Es ist doch gut, dass etwas getan wird."

Kommentar

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Auf dem Sportplatz trafen sich die Demonstranten schließlich zur Kundgebung. Lukas von Andrian würdigte, dass sich so viele Teilnehmer eingefunden hatten. Man müsse so weitermachen, um dauerhaft etwas zu bewirken. Pink Floyds "Another Brick in the Wall" tönte vor der versammelten Menschenmenge aus dem Lautsprecher. Auch Jerry Melzer hatte zum Abschluss noch eine Botschaft an die Tölzer Schülerinnen und Schüler: "Ich verstehe Euch. Macht weiter so!"

Zuspruch von Zehetner

In der einen Hand ein Regenschirm, in der anderen ein Plakat mit Aufschriften wie "Kohle ist kein Grund zum Anbaggern" oder "Wald statt Asphalt": So zogen am Freitag auch in Penzberg Jugendliche und Erwachsene zum Rathaus. Am Protestmarsch entlang kamen mehrere Bewohner aus ihren Häusern und signalisierten den Anwesenden ihre Solidarität.

Initiiert hatte die Penzberger "Fridays for Future"-Demo die 17- jährige Schülerin Selina Rudolph. "Mit der Aktion will ich ein Zeichen setzen und zeigen, dass sich die Jugendlichen für den Klimaschutz einsetzen, und insbesondere die Bevölkerung von Penzberg darauf aufmerksam machen." Eröffnet wurde die Demonstration von der 18-jährigen Lea Rothhausen. Zusammen mit Selina Rudolph hatte sie die Kundgebung organisiert, und gemeinsam motivierten sie ihre Mitschüler, an der Aktion teilzunehmen. Rothhausen war bereits bei Demonstrationen in München. Ihr gehe es darum, sagte sie, dass das Thema Klimawandel mehr Aufmerksamkeit bekomme "und mehr Leute sehen, wie wichtig das ist".

Als die Gruppe das Rathaus erreicht hatte, wartete dort bereits Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD/parteifrei). "Macht weiter so! Selbst wenn es keine Schulbefreiung gibt", sagte sie. Zehtner kündigte an, im Stadtgebiet würden 100 Bäume gepflanzt. Außerdem versprach sie, "alles zu tun, um euch einen Weg in der Zukunft zu geben" und den Klimaschutz in Penzberg hochzuhalten.

In Anspielung auf ein inzwischen vielfach kritisiertes Wort des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner zu den Schülerdemos, Klimaschutz sei Sache der "Profis", sagte der 15- jährige Timon Metzler: "Wir sind nicht die Profis, wir stehen nicht hier, um die Schule zu schwänzen, sondern weil die angeblichen Profis nichts tun." Er wolle ein Zeichen setzen und den Politikern zeigen, dass etwas getan werden müsse.