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Einblick ins Schäftlarner Atelier:Farbe und Gefühl

"Wenn schon, dann richtig": Traudl Klor malt jetzt expressionistisch.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bei Traudl Klor beginnen die Farben oft von allein zu erzählen. Nach jahrzehntelangen Streifzügen durch viele Stile ist die vitale Künstlerin jetzt beim Expressionismus angekommen. Und wie!

Von Barbara Szymanski

Traudl Klor ist ständig auf der Suche. Die Hohenschäftlarner Malerin, die seit mehr als 60 Jahren Leinwand um Leinwand füllt, sucht danach, Gefühle von Menschen so darzustellen, dass der Betrachter davon berührt wird. "Da sind nur ein paar Kringel, und dann ist ein Bild da", verrät sie auf einem gut besuchten Kunstfest in ihrem Atelier und Garten.

Sie scheut sich auch nicht, selbst Gefühle zu zeigen. Im Rahmen einer an sich fröhlichen Serie "Tänze aus aller Welt", so erzählt sie, habe sie sich auf Australien und die geschundenen Ureinwohner besonnen. Sie habe zunächst die Augen geschlossen und dann das Gesicht eines Aborigines gemalt. Beim Schaffensprozess sei sie erschrocken: Die Augen des Mannes hätten tiefes, hoffnungsloses Leid ausgedrückt. Sie habe geweint, sagt sie mit Tränen in den Augen. "Und dann zerstörte ich dieses Bild." Einige der Zuhörer zeigen sich von dieser Schilderung irritiert, andere Kunstschaffende nicken verständnisvoll. "Ja, es malt", lautet ein Kommentar.

"Schneeschmelze in den Bergen".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Auf der Suche nach immer neuen Ausdrucksformen befasst sich die Malerin, die sich lange Zeit hauptsächlich der impressionistischen Darstellung widmete und sich unter anderem vom Ickinger Maler Ludwig Maurer-Franken ausbilden ließ, jetzt mit dem Expressionismus: kompromisslos farbstark, hochdramatisch, anrührend, mitunter ein wenig romantisch, aber auch provokant. "Wenn schon, dann richtig", sagt sie.

Wenn sich der Besucher intensiv mit der Serie "Dionysische Tänze" befasst und sich nicht nur an der reinen Bewegung erfreut, die diesen farblich zurückgenommenen Großformaten innewohnt, macht er eine Entdeckung: wahrlich ungezogene Liebesakte. Doch diese wirken weder aufdringlich noch pornografisch. Beim Atelierfest finden sich noch weitere Bilder über die Liebe, tiefe Gefühle, überbordende Zärtlichkeit, Tanz, Spiel und Musik, über Spiritualität, Trauer und Freude.

Sie unterrichtet auch

Ein Stück ihres Wissens und Könnens gibt Traudl Klor in Wochenendworkshops für Erwachsene und in einer Malschule für Sieben- bis 14-Jährige weiter. Sie versteht es, Farben zu mischen und diese so in Szene zu setzen, dass sie von allein zu erzählen beginnen. Ihr Blau ist voller Energie und Klang, ihr Rot hoch erotisch, mal wärmend, mal feurig, ihr Gelb herausfordernd, brennend, Licht bringend. Nur Grün als bildbestimmendes Element setzt sie lediglich als Akzent ein oder verwendet es als Grundton für Gesichter und Körper.

Traudl Klors Farben sind immer wuchtig. Sie verliert sich nicht in Details, sondern erzählt mit runden oder grafisch verdichteten Flächen kleine Geschichten, die sie meist als kleine oder größere Serie schafft.

Und immer ist auch Musik im Spiel. Sie brauche nur ein Stichwort, und schon laufe vor ihrem inneren Auge ein Film ab, sagt sie. So wie bei der Darstellung von Papagena und Papageno aus der Oper "Die Zauberflöte" von Mozart - zwei Bilder mit erstaunlich zurückhaltenden Farben. Auch diese Figuren sind wie immer bei Klor üppig und rund. Die Hände und Füße groß, raumgreifend und zupackend. Das Liebespaar wirkt dennoch verletzlich und anrührend. Wesen zwischen Mensch und Vogel.

Der Titel des diesjährigen Atelierfests gibt die innere Einstellung dieser außergewöhnlich vitalen und schaffensfreudigen Malerin preis: "Das Leben ist schön, weil es die Liebe gibt und die Kunst."

Besuch nach Vereinbarung, Tel. 08178/42 12; Information unter www.klor.de

© SZ vom 28.09.2019
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(Foto: Harry Wolfsbauer)

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