bedeckt München 24°
vgwortpixel

Ein Föhrenwald-Zeitzeuge:Benjamin Braun ist tot

Benjamin Braun und seine Frau Chana waren 1955 das letzte Paar, das in Föhrenwald heiratete, als es noch eine Heimstatt jüdischer Schoah-Überlebender war.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Erinnerungsort Badehaus hat einen Freund und wichtigen Zeitzeugen verloren: Benjamin Braun, 1931 im polnischen Bielsko-Biała geboren, ist gestorben. Am Sonntag wurde er auf dem neuen jüdischen Friedhof in München beigesetzt. Braun und seine Ehefrau Chana, auch Ana genannt, beide Überlebende der Schoah, hatten einander in Föhrenwald, dem jüdischen Lager für Displaced Persons im Wolfratshauser Forst, kennengelernt. Und sie hatten dort 1955 geheiratet, als letztes Paar, bevor aus der jüdischen Heimstatt eine "Waldram" benannte Siedlung für katholische Heimatvertriebene wurde. Dem Wolfratshauser Verein, der in den vergangenen sechs Jahren aus dem historischen Badehaus einen Erinnerungsort geschaffen hat, konnte Braun aus eigener Erfahrung bezeugen, dass dort eine Mikwe war. Denn in eben jenes jüdische Ritualbad mussten er und seine Frau vor der Hochzeit eintauchen.

Vor ziemlich genau sechs Jahren, als in Waldram die Ausstellung "Die Kinder vom Lager Föhrenwald" eröffnet wurde, appellierte Benjamin Braun in seiner so herzlichen wie innigen Art an die Besucher: "Unterstützen Sie dieses Projekt! Wir sind hier die letzten Mohikaner, die von der ganzen Welt gerne kommen möchten und sich dieses Denkmal anschauen."

Föhrenwald, so sagte Sybille Krafft, die Vorsitzende des Badehaus-Vereins, in ihrer Trauerrede, dieses "letzte jiddische Schtetl auf europäischem Boden", sei nicht nur für den jungen Benjamin Braun seinerzeit ein Ort der Rettung, der Hoffnung und der Zuversicht gewesen.