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Ein Anruf bei...:"Meistens verschärft sich der Konflikt zu Hause"

Petra Lang von der Caritas

Petra Lang arbeitet für die ökumenische Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Landkreises.

(Foto: Privat/oh)

Sozialpädagogin Petra Lang hilft Familien im Landkreis, mit dem Ausnahmezustand umzugehen - am neuen Kümmertelefon der Beratungsstelle

Die ökumenische Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen berät Kinder, Jugendliche und Familien bei Problemen aller Art. Das staatlich verordnete Programm bietet verschiedenste Beratungen an. Die Stelle zeichnet sich aber vor allem durch ihre Face-to-Face-Beratung und durch das persönliche Gespräch unter vier Augen aus. Doch das ist jetzt in Corona-Zeiten nicht mehr möglich. Aus diesem Grund gibt es nun schnelle Hilfe über das "Kümmerfon".

SZ: Frau Lang, wie funktioniert das "Kümmerfon"?

Petra Lang: Das "Kümmerfon" ist eigentlich recht einfach. Es soll unkompliziert, schnell und anonym Hilfe bieten. Es kann jeder anrufen, auch mehrmals. Dafür nehmen wir uns sehr viel Zeit. Diese momentane, sehr spezielle Situation mit ihrer häuslichen Enge ist eine ganz andere Grundvoraussetzung und eine ganz andere Konstellation in vielen Familien. Das "Kümmerfon" soll den Menschen helfen, die vielleicht auch mit ganz neuen Themen konfrontiert werden. Wir wollen damit die Familien, Kinder und Jugendlichen weiterhin unterstützen und einfach präsent sein. Das Gespräch ist selbstverständlich kostenfrei und wir von der ökumenischen Familienberatungsstelle unterliegen auch der Schweigepflicht.

Was sind denn die häufigsten Gründe für die Anrufe?

Bei Familien, die wir bereits vorher schon beraten haben, verschärft sich der Konflikt zu Hause meistens. Dann gibt es aber auch Familien, bei denen sich der Streit plötzlich aufgelöst hat. Meistens aber ist es die Enge, das fehlende Sportprogramm der Kinder, der finanzielle Druck oder die fehlenden sozialen Kontakte, die die Leute verzweifeln lässt. Auch das Home-Office. Manche Familien meistern das recht gut und finden gute Lösungen, andere wiederum brauchen Hilfe. Und da unterstützen wir, manchmal mit ganz praktischen Tipps oder dann auch mit einer richtigen Beratung.

Wie geht man am besten mit sozialer Isolation um?

Das ist sehr individuell. Aber eine Tagesstruktur ist enorm wichtig. Sowohl Eltern als auch Kinder müssen für sich eine Struktur im Alltag schaffen. Da gehören genauso Pausen dazu oder Ecken, in die sich jeder mal verkrümeln kann. Dazu gehört aber auch immer Freude. Man muss sich kleine Spaßinseln schaffen - kleine Oasen. Eine Zeit füreinander, aber auch eine Zeit für sich selbst. Ganz besonders wichtig ist, den Kindern diese Alltagsstruktur auch sichtbar zu machen. Sie müssen wissen, wann Spielzeit ist und wann es Zeit ist, sich alleine zu beschäftigen. Eltern sollten gleichzeitig aber auch die Zeit nutzen und sich erholen, wenn das Kind schläft. Selbst schlafen oder einfach eine halbe Stunde das zu tun, was sie entspannt, Yoga zum Beispiel. Je klarer die Struktur, desto besser funktioniert das alles.

Wie verbringen Sie momentan ihre freie Zeit?

Wenn es die Zeit zulässt, dann bin ich viel draußen in der Natur unterwegs. Ich gehe sehr gerne Radfahren oder Spazieren. Da ich gerade umgezogen bin, stehen derzeit auch noch sehr viele Kisten, die ausgeräumt werden müssen, im Keller. Die Zeit mit der Familie ist aber auch für mich besonders, wir kochen und spielen Spiele zusammen. Das genieße ich als Familienmensch sehr.

Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr unter Telefon 08041/79316 130

© SZ vom 09.04.2020

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