Ehrung Stoiber bekommt Platz auf dem "Walk of Fame" - in Wolfratshausen

Glänzende Plakette, glänzende Laune: Edmund Stoiber mit Ehefrau Karin und Laudator Johannes Schneider (vorne, von links).

(Foto: Manfred Neubauer)

Ehrenbürger ist der frühere Ministerpräsident schon, nun hat er auch eine Plakette auf dem Gehweg vor der Loisachhalle erhalten.

Von Wolfgang Schäl

Es war nicht unbedingt das Wetter für Enthülllungen. Schneidend kalter Wind, der braungelbe Blätter vor sich hertrieb, und grauer Nieselregen, das waren die meteorologischen Begleitumstände eines kleinen, allseits aber als herzerwärmend empfundenen Festakts, mit dem die Stadt Wolfratshausen ihrem Ehrenbürger die einzige noch ausstehende, offizielle Referenz erwiesen hat - Edmund Stoiber ist nunmehr Dritter auf dem "Walk of Fame". Die zu seinen Ehren in den Boden eingelassene Metalltafel vor der Loisachhalle ist auch im engsten Wortsinn öffentlich zugänglich und glänzt noch ganz frisch im Vergleich zu den beiden Nachbarn, deren Leistungen nicht unbedingt auf dem Gebiet der Politik liegen.

Geehrt wurden mit einer Bodenplakette bisher nur die Künstlerin Katharina Lüthi, die sich und die Stadt mit der längsten Filzschnur der Welt unsterblich gemacht hat, und Yoshihisha Kinoshita, der den Namen Wolfratshausens mit seinem Kinderchor in die Welt trägt. Nun also Edmund Stoiber. Eine Jury, bestehend aus Bürgermeister, Kulturreferent und Vorstand des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) hat sich einmütig für den prominenten Kandidaten entschieden, der am Freitagabend pünktlich samt Ehefrau Karin im Foyer der Loisachhalle erschien, lautstark begrüßt von der Stadtkapelle sowie vielen Honoratioren.

Alle wichtigen Daten sind drauf, auch das des Frühstücks.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die verbalen Grußadressen übernahmen Karl-Heinz Kuhlmann, und, anstelle des erkrankten Bürgermeisters Klaus Heilinglechner, dessen Stellvertreter, SPD-Stadtrat Fritz Schnaller. Er fand es "erfrischend demokratisch", dass der anschließende Ehrenempfang ausgerechnet im "Roten Salon" der Flößereigaststätte angesetzt war. Schnaller plauderte als Stoibers Nachbar auch ein wenig aus dem Nähkästchen und schilderte, wie der ehemalige Ministerpräsident in seinem Unruhestand "immer mit dem Handy am Ohr unterwegs" sei. Bei seinen Telefonaten könne man unschwer erkennen, dass es immer um wichtige politische Themen gehe. Schnaller rief auch das Jahr 2003 in Erinnerung, als Stoibers CSU bei den Landtagswahlen ein Rekordergebnis von 60,7 Prozent erzielte. Da könne der jetzige Parteivorsitzende "nur vor Neid erblassen".

Johannes Schneider, langjähriger Weggefährte Stoibers, ließ die einzelnen Stationen von Stoibers politischer Karriere Revue passieren, bis hin zum berühmten "Wolfratshauser Frühstück" im Januar 2002, als ihm die CDU-Vorsitzende Angela Merkel die Kanzlerkandidatur überließ. Schon dieses historische Ereignis sei für Wolfratshausen "ein Werbeträger". Schneider würdigte aber auch "die entscheidenden Spuren", die Stoiber als Kreistagsmitglied und Abgeordneter im hiesigen Wahlkreis in Wolfratshausen und Umgebung hinterlassen" habe. Als Beispiele nannte er den Autobahnzubringer und den vierspurigen Ausbau der B 11 nach Geretsried. Bei alledem habe Stoiber aber "nicht als Mensch abgehoben", sondern sei immer "ein bodenständiger Mitbürger" geblieben.

Seine Verbundenheit mit Wolfratshausen betonte Stoiber auch selbst in seiner vergleichsweise kurzen Ansprache. Hier erfahre er Anerkennung, hier habe er seine Frau kennengelernt, hier seien zwei seiner Kinder geboren, hier werde er demnächst Goldene Hochzeit feiern. Heimat sei in der heutigen Zeit der Globalisierung wieder ein attraktiver Begriff geworden, sagte Stoiber, biete aber gleichzeitig die Chance, weltweit zu kommunizieren, wie an der Partnerschaft Wolfratshausens mit dem weit entfernten Iruma zu erkennen sei. Besonders genieße er es, dass die Wolfratshauser von ihm "keinerlei Aufhebens machen" und ihn einfach nur als Mitbürger betrachteten. "Das möchte ich nicht missen." Er sei "ein Wolfratshauser, in jeder Beziehung" und froh, "dass die Stadt ihre Eigenheiten und ihre große Lebendigkeit behält". Gerade deshalb sei ihm die jetzige Auszeichnung "ein besonderes Anliegen".

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