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Egling:Energie sparen

"Wir wollen noch besser werden", sagt Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser (Freie Wähler).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Egling will bis zum Jahr 2035 Klimaschutzziele erreichen

Von Arnold Zimprich, Egling

Elf Tagesordnungspunkte hatten die Eglinger Gemeinderäte in ihrer fünften Sitzung im Jahr 2020 abzuarbeiten - ein straffes Programm. Das Thema Schule machte den Anfang. Eine Schulentlassfeier wie sonst üblich, kann es wegen der Corona-Einschränkungen nicht geben. Hausmeister Franz Bartl tritt zudem den Ruhestand an und Schulleiter Bernhard Sappel ging Anfang Juni aus gesundheitlichen Gründen in den frühzeitigen Ruhestand. Doch dem Gemeinderat ging es nicht nur darum, was in der Schule passiert - auch auf dem Schulgebäude soll etwas passieren. Dort soll eine Photovoltaik-Anlage (PV) errichtet werden.

In einem Vortrag stellte die an der Landshuter Hochschule lehrende Professorin Petra Denk einen Energienutzungsplan vor, der der Gemeinde den Weg in eine klimafreundliche Zukunft weisen soll. "44 Prozent der 2017 in Egling verbrauchten Energie entfiel auf den Sektor Wärme, davon wurden 62 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen", sagte Denk. 38 Prozent habe die Gemeinde bereits aus erneuerbaren Energien gewonnen, ein guter Wert, liegt das deutschlandweite Ziel im Jahr 2020 doch bei 14 Prozentpunkten. Die Vision: 2035 sollen die Eglinger ihre Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen gewinnen, was primär durch den Ausbau der Solarthermie, der oberflächennahen Geothermie und durch die Umrüstung von Heizkesseln bewerkstelligt werden soll. "Öl durch erneuerbare Energieträger substituieren", wie Denk es formuliert, ist das Ziel. Immerhin werde eine Ölkessel-Umrüstung derzeit mit 35 Prozent vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst, erklärte die Expertin. Ein guter Zeitpunkt für Hausbesitzer also, sich umzuorientieren.

Das Einsparungspotenzial in der Gemeinde Egling ist immens, führte die Professorin für Energie- und Betriebswirtschaft aus. Im Rahmen eines Wärmekatasters wurde die Flächengemeinde in 19 Bearbeitungsraster eingeteilt und die sogenannte Wärmebelastungsdichte ermittelt. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem Sanierungsmaßnahmen notwendig seien. Denk spricht davon, dass Gebäude einem "Sanierungszyklus" von etwa 40 Jahren unterlägen.

"Mit gezielten Maßnahmen kann der Kohlendioxid-Verbauch pro Einwohner von 6,9 Tonnen im Jahr 2017 auf 0,7 Tonnen pro Jahr gesenkt werden", sagte Denk. Dazu braucht es allerdings zuerst einen Beschluss im Gemeinderat, wo es in Zukunft hingehen soll. "Alle drei bis vier Jahre muss geschaut werden: Wo stehen wir?", betonte die Expertin. Das Thema Klimaschutz müsse finanziell im Haushalt berücksichtigt werden, zudem brauche es ein Liegenschaftscontrolling, um Einsparmöglichkeiten zu lokalisieren. Ein erster Schritt wäre die Installation von PV-Anlagen auf der Grundschule, auf dem Hortneubau, auf dem Feuerwehrhaus und dem Rathaus. Die Heizanlagen im Rathaus und dem Deininger Kindergarten sollen zudem auf Hackschnitzel umgerüstet werden.

"Ich möchte den Überblick haben. Wo stehe ich, und wo kann ich reduzieren?", sagte Gemeinderat Peter Lichtenegger (CSU). So sollen die Bürger im Gemeindeblatt Hinweise zu energieeffizientem Verhalten bekommen, auch die Straßenbeleuchtung in Egling muss modernisiert werden und ein Ausbau der Wind- und Wasserkraft steht ebenfalls zur Diskussion. "Wir sind schon sehr gut", stellte Bürgermeister Hubert Oberhauser (Freie Wähler) fest, "aber wir wollen noch viel besser werden."

© SZ vom 28.07.2020

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