Egling Ein bühnenreifes Dorf

Die Proben laufen auch Hochtouren: Lorenz Lichtenegger, Sepp Floßmann, Korbinian Hasch, Thomas Lachenmaier und Romy Angermüller.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Thanning feiert sein 1250. Gründungsjubiläum mit einem theatralischen Streifzug durch die Ortsgeschichte

Von Claudia Koestler, Egling

Der Geruch von Holz liegt in der Luft. Zwei Männer schrauben gerade noch an einem Rednerpult vor der Bühne, während andere die Kulisse mit Hammer und Nagel, Papstbild und Kruzifix aufpeppen und eine dritte Gruppe Kostüme anprobiert. Es ist jene erdige Mischung von Baustelle und Bühnenprobe, die das Thanninger Vereinsheim derzeit ausfüllt. Denn dort soll sich in wenigen Wochen der Vorhang für etwas Besonderes heben: die Ortsgeschichte in Theaterszenen mit dem Titel "Thanninger Gschichtn".

Geschrieben hat das Stück Korbinian Hasch. Der 56-Jährige ist in Öhnböck bei Thanning aufgewachsen und lebt heute in Feldkirchen. Doch beim Wort "Dramaturg" winkt er lachend ab: "Na, wir sind alles Laien", sagt der kaufmännische Angestellte und setzt mit einem Augenzwinkern noch eins drauf, eine typisch bayerische Mehrfachverneinung: "Hier hat keiner eine Ahnung von gar nix." Aber: Ein Interesse für Geschichte habe er.

Daraus folgte die Idee, aus der Geschichte eben auch Geschichten zu schreiben. Und das mehr als 20 Seiten lange Skript, feinsäuberlich gedruckt, aber noch unter Verschluss für neugierige Augen außerhalb der Beteiligten, verrät die große Portion Bescheidenheit, in die sich freilich auch etwas Nervosität mischt. "Man will ja, dass sich die Leute gut unterhalten fühlen, dass es ankommt, das ist die Herausforderung."

Bereits im vergangenen Sommer hatte sich eine kleine Gruppe zusammengefunden, um Ideen zu entwickeln, welche Aktionen und Veranstaltungen möglich sind, wenn sich heuer die erste urkundliche Erwähnung von Thanning zum 1250. Mal jährt. Vor allem, wie der eigentliche Jubiläumsabend, der 21. April, gestaltet werden sollte, war die große Frage. Schließlich wurde das pittoreske Dorf an jenem Tag des Jahres 769 in einer Urkundensammlung über Schenkungen an das Bistum Freising erwähnt.

Paul Heinritzi, Lorenz Lichtenegger und Korbinian Hasch überlegten. "Es sollte ein Abend werden, in dem die Geschichte des Dorfes die Hauptrolle spielen sollte", erzählt Hasch.

Als erstes griffen sie zum Heimatbuch von Peter Lichtenegger senior, um sich einen Überblick über die Historie zu verschaffen. Nach vielen weiteren Treffen stand Anfang Dezember 2018 das Manuskript - oder besser gesagt, die erste Fassung. Inzwischen sei er bei der gefühlt zwanzigsten Version angekommen, sagt Hasch, allerdings gebe es auch Passagen, die ihm quasi aus der Feder geflossen und seither nahezu unverändert geblieben seien. Anderes hingegen durchlaufe einen steten Prozess, "und es wird auch noch weiter daran geschraubt".

Was allerdings feststeht: In sechs Szenen kommen einige der wichtigsten Persönlichkeiten und Ereignisse aus 1250 Jahren auf die Bühne. Die Szenen spannen einen Bogen von Priester Adalperht über die Gräfin Justitia Adelheitis. Eine Gedenktafel in der Kirche beschreibt sie als Wohltäterin Thannings und sie soll auch in der Gemeinde ihre letzte Ruhe gefunden haben, allerdings ist ihre Grabstelle heute nicht mehr bekannt. Auch die Figur des Johann Khidler kommt vor, einem der Anführer des Bauernaufstands, der zur Sendlinger Mordweihnacht führte.

"Aus der neueren Zeit wird der ehemalige Thanninger Bürgermeister, Feuerwehrkommandant, Veteranenvorstand, Kunst-, Fass- und Kirchenmaler Jakob Fichtl von den Geschehnissen in der Prinzregentenzeit berichten", sagt Hasch. Thannings Pfarrer Huber wird im Gespräch mit seinem Mesner, der Pfarrersköchin und dem Oberlehrer in der Sakristei belauscht. Und zum Schluss der Thanninger Gschichtn lässt Altbürgermeister Lorenz Schwab die Zeit bis 1972 Revue passieren.

Ergänzt werden die sechs Szenen mit verbindenden und erklärenden Textpassagen, dazwischen spielen Musiker. Unter anderem mit dabei: Die Sängerrunde Thanning Aufhofen, die 1995 ihren vorerst letzten Auftritt hatte, und sich nun aus Anlass des Jubiläumsjahres und des Bühnenstücks wieder zusammengefunden hat.

"Die Suche nach geeigneten Schauspielern war weniger schwierig als befürchtet", sagt Hasch. So konnte Mitte Januar das Projekt allen Beteiligten der Festgemeinschaft, die für die Jubiläumsfeierlichkeiten verantwortlich zeichnet, offiziell vorgestellt werden, seit Mitte März laufen die Proben. Wenn sich am Ostersonntag, 21. April, der Vorhang zur Premiere hebt, werden rund 20 Protagonisten auf der Bühnen stehen, viele von ihnen haben bereits in Theatervereinen Erfahrungen gesammelt.

Und so sehr verstehen die Thanninger das Projekt als das Ihre, dass sie sogar auf einen Regisseur verzichten: "Wir erarbeiten alles gemeinsam", betont Hasch. Das nährt wiederum die Hoffnung, dass das Bühnenstück auf breites Interesse in dem rund 600 Einwohner zählenden Dorf und darüber hinaus stoßen wird. Zwei weitere Termine sind bereits angesetzt, die ersten beiden Aufführungen sind schon so gut wie ausverkauft.

Premiere am Ostersonntag, 21. April, zwei weitere Aufführungen am Samstag, 27. April, und Sonntag, 28. April. Beginn jeweils um 20 Uhr, Einlass 18.30 Uhr. Kartenreservierung (8 Euro pro Person) unter Telefon 08176 / 922 40