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Egling:Arme Kirche

Sankt Coloman muss dringend saniert werden - jetzt ist auch noch ein Baum aufs Dach gekracht. Weil die Erzdiözese die Kosten nicht komplett trägt, müssen die Gläubigen bis zu 150.000 Euro sammeln.

Die einen Quellen sprechen vom Jahr 1495, die anderen vom Jahr 1517, als sie errichtet worden sein soll. Fest steht aber: Die Sankt-Coloman-Kapelle in Reichertshausen mit ihren Spitzbogenfenstern ist nicht nur ein Baudenkmal, es ist ein jahrhundertealtes Kleinod und wichtiger Bezugspunkt für die Gläubigen vor Ort. Kurzum "alles andere als eine Feld-, Wald- und Wiesenkirche", sagt Pfarrer Manfred Wurzer, der den Pfarrverband Egling-Thanning-Deining-Endlhausen seit rund einem Jahr leitet. Die Gläubigen und Kunstinteressierten vor Ort aber müssen nun die Initiative ergreifen, um die Kapelle zu retten. Denn das - wie neuerdings bekannt ist - sechs Milliarden Euro schwere Erzbistum will laut Wurzer die dringend nötige Renovierung nicht komplett tragen.

Nicht nur der Zahn der Zeit nagte an der spätgotischen Sankt-Coloman-Kapelle. Ein Sturm beschädigte das Baudenkmal jüngst schwer: Ein Baum stürzte auf das Satteldach und zertrümmerte es, auch das Netzrippengewölbe im Inneren des Saals wurde in Mitleidenschaft gezogen. Durch eine Notsicherung des Daches konnten weiteres Eindringen von Wasser in der seither gesperrten Kapelle zwar verhindert werden. Doch das Ausmaß der Schäden ist enorm: Etwa 100 000 Euro, schätzt Pfarrer Wurzer, wird alleine die Reparatur der Daches kosten.

Darüber hinaus lässt es sich auch nicht mehr übersehen, dass die gesamte Kapelle dringend sanierungsbedürftig ist: "Sie ist einfach in keinem guten Zustand mehr, selbst der Altar müsste erneuert werden", bestätigt Pfarrer Wurzer. Insgesamt könnten sogar bis zu einer halben Million Euro nötig werden, um die Kapelle fachgerecht instand zu setzen, schätzt Kirchenpfleger Georg Kreiter.

Als Stifter von Sankt Coloman gilt einer archivalischen Bauforschungs-Dokumentation zufolge der herzogliche Mundkoch Hanns Garttner. Er hatte ein entsprechendes Gelübde abgelegt, nachdem er 1489 durch einen Pfeil verwundet wurde und damit zum zweiten Mal in Lebensgefahr schwebte, aber genas. Der Weiler Reichertshausen, 810 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte einst zur ehemaligen Gemeinde Moosham. Diese hatte sich mit seinen 425 Einwohnern 1973 an die Großgemeinde Egling angeschlossen.

Pfarrer Wurzer ist trotz des inzwischen sehr großen Pfarrverbandes bemüht, alle Ortsteile seelsorgerisch zu bedienen. "Gerade die Kapellen sind vor allem für Trauungen und Taufen sehr beliebt", weiß er. Doch die dringend anstehende Sanierung und Reparatur von Sankt Coloman wird kein einfaches Unterfangen, auch wenn bereits 1995 das Erzbischöfliche Kunstreferat eine Restaurierung befürwortete.

70 Prozent der heutigen Kosten würde zwar nach Angaben von Wurzer die Diözese übernehmen. Aber nur, wenn die Pfarrgemeinde selbst die restlichen 30 Prozent beisteuert. Das wären im günstigsten Fall 30 000 Euro, im schlechtesten 150 000 Euro. Enorme Summen, zumal im Pfarrverband weitere Aufgaben anstehen, etwa die Außenrenovierung der Deininger Kirche, oder der Umbau des Thanninger Pfarrheims.

Hier zahlt der Freistaat mit

Die Kirchen im Oberland seien es wert, gepflegt und saniert zu werden, sagt der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler). Sie prägten Kulturlandschaft und Identität. Dennoch trägt die Kirche in einigen Fällen die Kosten für den Erhalt der Gotteshäuser nicht selbst. So muss der Freistaat mittels der Bayerischen Landesstiftung die Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Laurentius in Königsdorf mitfinanzieren. Wie Streibls Abgeordnetenkollege Martin Bachhuber (CSU) erklärt, gewährt die Landesstiftung nun einen Zuschuss über 45 000 Euro, rund neun Prozent der Gesamtkosten von etwa 1,8 Millionen Euro. In St. Laurentius müssen die Elektrik, die Mikrofonanlage und die Heizung erneuert werden, zudem das Mauerwerk trocken gelegt, der Unterboden stabilisiert, die Ausstattung gereinigt und der Altarraum neu gestaltet werden. Die Beteiligung der Landesstiftung verteidigt Streibl damit, dass der Erhalt der Kirchen "eine vornehme Aufgabe der Gesellschaft und damit des Staates" sei. SZ

Doch die Diözese sähe die Sanierung von Sankt Coloman laut Wurzer eben "leider als nicht ganz so dringend an". Denn das seelsorgerische Leben in der Gemeinde würde ohne die Kapelle "nicht zusammenbrechen", so das Argument - Historie und Verbundenheit hin oder her.

Die Reichertshauser und die Gläubigen der Umgebung wollen sich mit diesem Argument jedoch nicht zufrieden geben. Derzeit befinde sich deshalb laut Kreiter ein Förderverein zur Sanierung von Sankt Coloman in der Gründung. Die Mitglieder wollen künftig mit Benefiz-Veranstaltungen und Spendensammelaktionen ihr Scherflein dazu beitragen, dass das Reichertshauser Kirchenkleinod wieder erstrahlen und den Gläubigen einen Raum vor Ort bieten kann.