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Drohende Obdachlosigkeit:Mangelware Lebensraum

In Gemeinschaftsunterkünften wie der im alten Wolfratshauser Vermessungsamt müssen anerkannte Flüchtlinge oft lange zum Wohnen bleiben.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Vor allem Flüchtlinge finden keine Wohnung in Wolfratshausen

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Dass der Wohnungsmarkt in Wolfratshausen angespannt ist, hört man oft. Besonders deutlich wird die schwierige Lage jedoch bei den Berichten zur Obdachlosenhilfe und zur Lage der Asylbewerber in der Stadt. Ines Lobenstein, Leiterin der Caritas-Wohnungslosenhilfe und des Asyl-Helferkreises, und Katharina Schröter von der städtischen Integrations- und Wohnungslosenhilfe haben bei ihren Rückblicken auf das Jahr 2019 am Dienstag im Hauptausschuss des Stadtrats festgestellt, dass immer mehr Menschen in der Stadt von Obdachlosigkeit bedroht sind, und dass es in Wolfratshausen einen eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnungen gibt, insbesondere für anerkannte Flüchtlinge.

"Die Wohnungsknappheit dramatisiert sich weiter", erklärte Lobenstein. Bedroht seien vor allem Menschen mit schlecht bezahlten Jobs, die in die Stadt kämen, eine Zeitlang in Pensionen wohnten und dann schlichtweg keine Wohnung fänden. "Der Hilfebedarf ist nach wie vor riesig", sagte sie - und schätzte, dass er aufgrund der Corona-Krise im kommenden Jahr noch steigen werde.

Ein spezifisches Problem in Wolfratshausen sei zudem das Frauenhaus, aus dem betroffene, oft alleinerziehende Mütter in der Regel nach sechs Monaten ausziehen müssten. "Sie fühlen sich hier wohl und wollen hier bleiben, aber sie finden nichts." Wiederholt sei es so zu Fällen von Obdachlosigkeit gekommen.

Im vergangenen Jahr waren laut Lobenstein insgesamt 37 Menschen in den Notunterkünften untergebracht, 210 Personen haben die Beratung der Caritas (zu Themen wie Schulden, drohende Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankung) in Anspruch genommen. Die Anzahl der Räumungsklagen sei mit vier deutlich niedriger gewesen als in anderen Jahren. Nur in einem Fall sei es zu einer Zwangsräumung gekommen. Lobenstein richtete auch einen Appell an die Stadträte: Im Haus Schlickenrieder, der Obdachlosenunterkunft an der Münchner Straße, lebten aktuell auch zwei fünfjährige Kinder. Die Situation sei für die Zwillinge eines alleinerziehenden Vaters aus Afrika "sehr unschön". Der Vater habe einen Job und spreche Deutsch, er sei "guten Gewissens vermittelbar". Jeder, der eine Wohnung vermitteln könne, solle sich an sie wenden, bat Lobenstein.

Insgesamt 18 Wohnungen verschiedener Größe sucht derzeit die Integrations- und Wohnungslosenhilfe - für anerkannte Flüchtlinge und deren Familien, die derzeit als sogenannte "Fehlbeleger" noch in den Gemeinschaftsunterkünften der Regierung leben müssen. Laut Schröter betrifft dies 46 Personen in Wolfratshausen. 138 Bewerber seien noch im Asylverfahren, 130 anerkannte Flüchtlinge hätten bereits privat eine Wohnung gefunden. 2019 seien 41 Asylbewerber umverteilt worden, 20 Flüchtlinge weggezogen, drei Personen abgeschoben worden. Für 19 anerkannte Flüchtlinge habe man im vergangenen Jahr eine Wohnung gefunden. Als Schwierigkeiten ihrer Arbeit definierte Schröter die großen Gemeinschaftsunterkünfte, das Arbeitsverbot und die Benachteiligung ausländischer Mitbürger bei der Wohnungssuche. Zu den Wünschen, die sie am Ende vortrug, gehörte, "dass wir den Menschen mit Wohlwollen begegnen und ihnen eine Chance geben, sich hier ein neues Leben aufzubauen".

© SZ vom 09.07.2020

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