Süddeutsche Zeitung

Drei Rundgänge:Von Eremiten und Kerkern

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Beim Tag des offenen Denkmals steht in diesem Jahr das geschichtsträchtige Dorf Thanning im Mittelpunkt, das einst Grafensitz, Urpfarrei und Gerichtsort war

Von Sophia Ulrich, Egling

Thanning, heute ein Ortsteil der Gemeinde Egling, hat eine bewegte Geschichte. Einst war es Grafensitz, Urpfarrei und Gerichtsort. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahr 769 als "Dahninga". Es gibt also viel zu erfahren und zu erkunden über und in Thanning. Wer Geschichte erleben möchte, hat dazu beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, die Gelegenheit. Bei der " größten Kulturveranstaltung Deutschlands", so schreiben es die Veranstalter, sind bayernweit mehr als 600 Veranstaltungen im Angebot.

"Die Thanninger Denkmalführung zählt zu den aktuell sechs Highlights in Bayern an diesem Tag", sagt Guido Weber. Er bietet drei Führungen im Dorf Thanning an, die am Sonntag jeweils um 10 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr beginnen. Der Rundgang führt zu insgesamt acht Denkmälern, die die Besucher in die Historie Thannings eintauchen lassen. Weber informiert nicht nur über das frühere Schul- und Steuersystem, sondern führt die Besucher auch zu Blockhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, wo sie sich unter anderem auf den kleinsten Hauseingang freuen dürfen. Ebenfalls auf dem Programm steht ein Besuch des Denkmals für den bayerischen Freiheitskämpfer Johann Georg Khidler, einer der Organisatoren des Aufstands von 1705 - bekannt als "Sendlinger Mordweihnacht". Weber berichtet ebenfalls von der Volksheiligen Gräfin Justitia, von Eremiten im Kirchturm, vom Kerker und von Skeletten sowie vom Gold der Zimmerleute und was es mit der Verbindung zwischen Thanning und dem Grabmal des ersten chinesischen Kaisers auf sich hat. Bei Regen fallen die Rundgänge aus. Treffpunkt ist an der Thanninger Kirche an der Hauptstraße

Wer noch mehr im Landkreis Bad Tölz- Wolfratshausen sehen möchte, kann sich individuell sein Programm im Internet zusammenstellen (www.tag-des-offenen-denkmals.de). In Lenggries etwa gibt es eine Bergwanderung zu historischen Grenzsteinen aus den Jahren 1584 bis 1651. Wer lieber bequem von zu Hause aus sein Geschichts- und Kunstwissen stillen möchte, sollte den virtuellen 3D-Rundgang durch die Alte Schäfflerei im Kloster Benediktbeuern nicht verpassen. Diese Veranstaltung steht alternativ auch als Führung in Benediktbeuern auf dem Programm.

Alle Führungen und Veranstaltungen stehen unter dem Zeichen geltender Corona-Regelungen. Die Schirmherrschaft über das pandemie-konforme Kulturevent hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernommen. Bundesweit können knapp 4000 historische Bauwerke besichtigt werden. Schließlich ist der Tag des offenen Denkmals der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days. Diese wurden auf Wunsch des Europarates initiiert, um die Arbeit der Denkmalpflege zu würdigen. 2021 stehen die Veranstaltungen unter dem Motto: "Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege". Mythen, Legenden und Handwerkskünste, die das menschliche Auge täuschen, stehen im Fokus.

Wer möchte, kann sich am Fotowettbewerb "Denkmal-Schnappschuss" beteiligen. Wer ein Denkmal aus einem guten Winkel vor die Linse bekommt und dabei auch noch das Motto umsetzt, kann seine Bilder auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die den Tag des offenen Denkmals bundesweit koordiniert, bis zum 13. September hochladen. Unter allen Fotos werden die kreativsten Schnappschüsse in Monumente, dem Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, veröffentlicht.

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Quelle:
SZ vom 10.09.2021
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