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Dreharbeiten in der Kurstadt:"Bad Tölz gehört zu Österreich"

Bezzel & Schwarz âÄ" Die Grenzgänger

Durch ihre Rollen in den Verfilmungen der Rita-Falk-Krimis sind der Bayer Sebastian Bezzel (links) und der Österreicher Simon Schwarz einem breiteren Publikum bekannt. Jetzt reisen die befreundeten Schauspieler für eine neue Doku-Serie an den Grenzen des Freistaats entlang - und haben ihren Spaß.

(Foto: Manfred Neubauer)

Für eine neue BR-Doku-Serie treffen die Schauspieler Sebastian Bezzel und Simon Schwarz Menschen in den Grenzregionen Bayerns und der Nachbarländer. Gedreht wird dafür auch im Tölzer Gasthaus.

Sebastian Bezzel und Simon Schwarz wirken wie ein vertrautes Paar. Eng beieinander sitzen die zwei Schauspieler am Dienstagnachmittag auf Barhockern im Tölzer Gasthaus. Sie lachen und frotzeln gerne auch ein bisschen. Beide verbinden nicht nur ihre Rollen als Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger in den Verfilmungen der Rita-Falk-Krimis. Sie sind auch privat befreundet. "Uns verbindet der Humor", sagt Schwarz. Wir haben eben eine ähnliche Sichtweise auf die Dinge in vielen Lebensbereichen." Damit komme man auch durch schwere Zeiten. So viel Zweisamkeit kontert Bezzel grinsend mit dem Fokus auf das Trennende. "Du magst keinen Kaffee, Du rauchst nicht."

Um das Verbindende und Trennende geht es auch im neuen Projekt der beiden Schauspieler. Gemeinsam reisen der Österreicher Schwarz und der Oberbayer Bezzel derzeit für die vierteilige BR-Doku-Serie "Bezzel & Schwarz - Die Grenzgänger" entlang der Grenzen des Freistaats. Sie wollen herausfinden, wie die Menschen in Bayern und den angrenzenden Bundesländern und Nachbarstaaten denken, worüber sie lachen und streiten. Am Dienstag sind sie für die Dreharbeiten nach Bad Tölz gekommen. Bezzel schwärmt davon, dass sie heute einen Weltstar kennengelernt haben. Mit dem aus Schwaz stammenden Jazztrompeter Franz Hackl - er lebt schon seit Jahrzehnten in New York - sind sie im Bus in die Kreisstadt gefahren. Dort erwartete sie die Unterbiberger Hofmusik. "Die jammen zusammen und da durften wir dabei sein", sagt Bezzel. "Ein kosmopolitisches Blasorchester", wie Schwarz einwirft.

Nach diesem Schema treffen die beiden Protagonisten viele Menschen diesseits und jenseits der bayerischen Grenze. Sie unterhalten sich mit einem Fischer am Waginger See, der in Salzburg seinen Fang verkauft. Oder es geht zu einem Paraglider, der vom oberbayerischen Oberaudorf nach Bayern segelt. "Die Grenze ist nur ein Strich", beschreibt Regisseur Stefan Kauertz. Die Menschen rechts und links der Grenze seien sich meistens ähnlicher als die in demselben Bundesland.

Dass Bad Tölz einer der Drehorte der Doku-Serie geworden ist, liegt an der Unterbiberger Hofmusik. Wie Produzent Thorsten Berg schildert, hätten die Bandmitglieder ein Konzert in der Kreisstadt gehabt und das zum Filmen vorgeschlagen.

Ob es einen spezifischen oberbayerischen Charakter gibt, mag Bezzel noch nicht beurteilen. Ihre Reise sei vergangene Woche ja gerade erst losgegangen, erzählt er. Heimatverbunden seien aber die Leute, denen sie begegnet seien. Auch wenn die Rivalität, und sei es nur die sportliche, die Menschen manchmal selbst im Freistaat trennen kann. Nur knapp 60 Kilometer von Bad Tölz entfernt, in Garmisch-Partenkirchen, ist Bezzel aufgewachsen. Noch gut kann er sich an die Schmähgesänge der Fans des Eishockeyclubs SC Riessersee gegen die Löwen aus der Kreisstadt in seiner Kinderzeit erinnern. "Bad Tölz gehört zu Österreich", habe es dann geheißen, schildert er.

Was Heimat ausmacht, will auch die Doku-Serie beleuchten. Bezzel selbst bezeichnet Oberbayern als seine Heimat. "Hamburg ist mein Zuhause", ergänzt er. Vielmehr finde er aber sei für ihn Heimat eine Haltung. Wenn er auf Menschen treffe, die ähnliche Einstellungen teilten, fühle er sich daheim. Schwarz bekennt, dass dieses Thema für ihn schwierig sei. Mit 16 Jahren sei er von zu Hause weg. Als Heimat würde er wohl seine Familie bezeichnen.

Die Bekanntheit durch ihre Rollen in den Falk-Krimis sei weder hinderlich noch förderlich gewesen, erzählen beide. Wie Bezzel sagt, seien sie als "Eberhofer" und "Birkenberger" schon auch erkannt worden. Kaum hätten sie in der Bad Reichenhaller Fußgängerzone etwa die Gerätschaften für das Filmset aufgebaut, seien schon drei Damen auf sie zugekommen. "Geh, des sans", hätten die Damen gerufen. Doch manch anderer habe sie auch nicht als Schauspieler erkannt. In den Gesprächen sei die Prominenz sowieso schnell kein Thema mehr gewesen. "Wir sind ja nicht so spannend", witzelt Schwarz.

Offensichtlich auch nicht, als sich Jazztrompeter Hackl und die Mitglieder der Unterbiberger Hofmusik erstmals trafen. Die Künstler hätten sofort nur mehr über die Musik geredet. "Wir waren nicht mehr da", sagt Bezzel. "Die Musiker waren in ihrem eigenen Kosmos." Das ist auch wenig später im Keller- und Veranstaltungsraum des Gasthauses zu spüren. Die Unterbiberger und Hackl spielen enthusiastisch.

Einen ganzen Monat sind die beiden Schauspieler für die Grenzgänger mit dem Bus unterwegs. Pro Woche wird jeweils eine eigene Folge gedreht - aus dem Norden, Süden, Westen und Osten des Freistaats. Es sei ein strenges Pensum, was das ganze Team in wenigen Tagen bewältige, berichtet Annette Siebenbürger, Leiterin des Programmbereichs "Unterhaltung und Heimat" beim Bayerischen Rundfunk. Die Doku-Serie sei eine Mischung aus Reisedokumentation und Impro-Sitcom.

Zu sehen sein werden die "Grenzgänger" von 1. Juli an wöchentlich um 20.15 Uhr im BR. Privat, sagt Bezzel, könne er das gerne ewig so weitermachen. Und Schwarz ergänzt: "Ich verbringe einfach gerne Zeit mit Sebastian."