Doppelmord:So wollen Polizei und Weißer Ring der Überlebenden von Höfen helfen

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Doppelmord: Ob die Besitzerin des Hauses in Höfen wieder dorthin zurückkehren wird, ist ungewiss. Noch liegt die 76-Jährige, die bei der Tat schwer verletzt wurde, im Krankenhaus.

Ob die Besitzerin des Hauses in Höfen wieder dorthin zurückkehren wird, ist ungewiss. Noch liegt die 76-Jährige, die bei der Tat schwer verletzt wurde, im Krankenhaus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der 76-jährigen Hausbesitzerin aus Königsdorf geht es langsam etwas besser.

Von Claudia Koestler

Die mutmaßlichen Mörder von Höfen sitzen hinter Gittern. Abgeschlossen ist damit aber nur ein Teil einer äußerst schwierigen Problemlage. Denn das brutale Gewaltverbrechen hat "die Idylle wirklich erschüttert", wie Polizeipräsident Robert Kopp am Montag sagte. Während auf der einen Seite nun zwar die juristische Aufarbeitung beginnen kann, müssen die Auswirkungen der grausamen Bluttat bewältigt werden. Das gilt insbesondere für das weitere Leben der Frau, die den Überfall schwer verletzt überlebt hat.

Seit etwa 50 Jahren wohnte die heute 76-jährige Besitzerin des Einfamilienhauses in dem kleinen Weiler südlich von Königsdorf. "Ich kenne sie schon, so lange ich denken kann", sagt der Bürgermeister Anton Demmel. Seit der Nacht zum 23. Februar ist dort nichts mehr, wie es war. Offenbar im Zuge eines Einbruchs erschlugen die Täter zwei Bekannte der Königsdorferin, die bei ihr zu Besuch waren. Die Hausbesitzerin selbst wurde brutal misshandelt und schließlich mit schwersten Verletzungen zurückgelassen. Mehr als fünf Wochen später befindet sich die alte Dame noch immer im Krankenhaus. Sie konnte von der Polizei bislang nicht befragt werden. Allerdings, erklärte SOKO-Leiter Markus Deindl, gehe es ihr langsam besser.

Unmittelbar nach der Tat hatte die Polizei die Nachbarn intensiv betreut, unter anderem mit verstärkter Präsenz, einer Informationsveranstaltung und Einzelberatungen. "Broschüren und Flugblätter, wie man sich vor Einbruch schützt, gingen auch bei der Bürgerversammlung weg wie warme Semmeln", erinnert sich Demmel. "Wir ziehen uns natürlich nicht aus der Verantwortung zurück, jetzt, da die Täter gefasst sind", erklärt Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Diese Verantwortung gelte auch für das überlebende Opfer des Gewaltverbrechens.

Eine Art Sozialdienst gibt es seitens der Polizei zwar nicht, der künftig der Königsdorferin helfen könnte. Aber wenn die 76-Jährige soweit genesen ist, dass sie vernehmungsfähig ist, werden ihr Beamte zur Seite stehen, die zur sogenannten Verhandlungsgruppe (VG) gehören, einer Spezialeinheit der Bundespolizei respektive des Bundeskriminalamtes. Die Mitglieder dieser Gruppe sind in Gesprächsführung und Psychologie speziell ausgebildet und intensiv trainiert.

In der Regel kommen diese Spezialisten zum Einsatz bei Entführungen, Geiselnahmen, Erpressungen oder akuten Bedrohungen. Sie verhandeln mit dem Täter, um diesen zur Aufgabe zu bewegen. Die Beamten betreuen aber auch Menschen in Ausnahmesituationen, wie eben Opfer von Gewalttaten sowie deren Angehörige. "Grundsätzlich ist es zwar nicht Aufgabe der Polizei, psychologisch zu betreuen, auch Rechtsberatung können und dürfen wir nicht leisten", erklärt Thalmeier. "Aber die Kollegen der Verhandlungsgruppe zeigen auf, welche Institutionen, Behörden und Einrichtungen helfen können, etwa der Weiße Ring." Die Spezialisten vermitteln in den Gesprächen auch, auf welche Situationen die Opfer treffen können und wie damit umzugehen ist. "Zum Beispiel, was die Öffentlichkeit über den Fall weiß, was in den Medien steht und wie diese Berichterstattungen von der Polizei eingeschätzt werden", sagt Thalmeier.

Parallel überlegen die Mitglieder der Opferhilfe-Vereinigung "Weißer Ring" bereits, wie sie der Königsdorferin helfen können. "Aus Datenschutzgründen dürfen wir sie aber nicht von uns aus ansprechen, sondern müssen warten, bis wir kontaktiert werden", erklärt die Vorsitzende der Außenstelle im Tölzer Landkreis, Helgard van Hüllen. Sie hofft, dass die Polizei den Kontakt vermitteln wird, sobald es der Gesundheitszustand der Königsdorferin zulasse. "Unsere Kernarbeit wird der menschliche Beistand sein", sagt van Hüllen. Dabei würden "alle Facetten ausgelotet, wo Unterstützung nötig ist". Das Spektrum reiche von etwas Handgeld für die ersten Tage über die Vermittlung von alternativen Unterkünften, rechtlichem Beistand, Therapien, Antragsstellungen etwa auf Opferentschädigung und Kontakt mit den Behörden bis hin zur Begleitung zu Terminen, auch vor Gericht. Zeitlich begrenzt ist diese Unterstützung nicht, "wir helfen so lange, wie es nötig ist", sagt van Hüllen.

Rund 100 Mitglieder und zehn ehrenamtlich tätige Mitarbeiter hat die Tölzer Außenstelle derzeit, die sich über Spendengelder und Mitgliedsbeiträge finanziert. Zwar zähle der Verein in den vergangenen Jahren vermehrt schwere Fälle, doch die Bluttat von Königsdorf sei eine Kategorie für sich. "Unsere Mitarbeiter werden in Seminaren aber auch auf so etwas vorbereitet", sagt van Hüllen. Sie betont: "Wir stehen bereit und helfen gerne." Auch die Gemeinde schließt sich diesem Willen zur Unterstützung an: "Wir werden unsere Gemeindebürgerin nicht alleine lassen", verspricht Demmel.

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