Der italienische Priester Giovanni Bosco hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, armen und benachteiligten Jugendlichen Schutz und Bildung zuteil werden zu lassen. In der Tradition ihres Ordensgründers möchten die Salesianer Don Boscos das Kloster Benediktbeuern für die nächsten 30 Jahre fit machen und als „Kloster für die Jugend“ sichern. Dies soll eine Umstrukturierung garantieren: Das bislang eigenständige Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) und das Kloster mit seinen verschiedenen Einrichtungen sollen verschmelzen. Geplant ist, dass der gesamte Standort von 1. Januar 2026 an unter einer Marke als „Don Bosco Kloster Benediktbeuern“ firmiert.
Veränderungsprozesse gehörten zum Leben, sagte Pater Heinz Menz, Direktor Mitbrüdergemeinschaft im Kloster Benediktbeuern, bei einem Pressegespräch im Barocksaal. Es habe in der Geschichte des Klosters immer wieder welche gegeben. Nun gehe es darum, miteinander in die Zukunft zu gehen. Das bestätigte Lutz Spandau, Vorsitzender des ZUK-Trägerverbundes. Das Zentrum für Umwelt und Kultur wurde nämlich 1988 von Pater Ottmar Schoch, Pater Helmut Mauser und dem damaligen Direktor des Klosters, Pater Herbert Bihlmayer, als eigenständiger Verein im Kloster Benediktbeuern gegründet. Die Mitarbeiter sind beim Verein angestellt. Seit Jahren diskutierten Trägerverbund und Klosterleitung darüber, wie Benediktbeuern als Standort zukunftsfähig entwickelt werden könne, sagte Spandau. Es gehe in erster Linie darum, Synergien künftig optimal zu nutzen. In den vergangenen Jahren habe es viel „Doppelarbeit“ gegeben.

Zwei Ereignisse hätten dazu beigetragen, den Transformationsprozess zu beschleunigen, erklärte Spandau: die Corona-Pandemie und die Hagel-Katastrophe im August 2023. Beides brachte über Nacht das Leben im Kloster zum Erliegen. Vor allem der Hagelsturm zwang die Verantwortlichen dazu, konzertiert den Wiederaufbau anzugehen. „Das Zusammenrücken war damals nochmals intensiver“, so Spandau.
Um dem Wir-Gefühl nach außen Nachdruck zu verleihen, haben Franz Wasensteiner, Einrichtungsleiter im Kloster, und Benedikt Hartmann, Leiter des Zentrums für Umwelt und Kultur, gemeinsam ein Strukturkonzept erarbeitet. Beide werden die neue Organisation leiten. In dem Papier wird der Weg beschrieben, wie beide Einrichtungen zusammenwachsen sollen. Bei der ZUK-Mitgliederversammlung sei das Konzept befürwortet worden, sagte Spandau. „Wir denken das Kloster neu“, betonte Pater Stefan Stöhr, Geschäftsführer des Don-Bosco-Werks. Schließlich solle es nicht Museum sein, sondern ein belebter Ort. Das Hagel-Unwetter, das verheerende Schäden anrichtete, habe die Einrichtung in ihren Grundfesten erschüttert - nicht nur finanziell, sondern auch gebäudetechnisch. Weite Teile seien im Innenbereich „zerstört“. Nach wie vor fehlten gut 100 Betten für Übernachtungsgäste und somit Einnahmen.
Die Mitarbeitenden werden weiter beschäftigt
Wasensteiner sprach von einem neuen Kapitel: von einer großen Organisation mit Schwerpunkt auf dem Jugend-Bildungsbereich. Denn bislang organisierten ZUK und Kloster mit Aktionszentrum und weiteren Einrichtungen ihre Betriebe getrennt. Dabei überschnitten sich Angebote etwa im Bereich Umwelt. Künftig soll die Buchung der Übernachtungen in einer Hand liegen, wie auch anstehende Bauprojekte koordiniert werden. Es wird eine Finanzverwaltung geben, wie ebenso eine zentral gesteuerte Hausmeister-Einheit. In Zeiten klammer Kassen würden Zuschüsse nicht mehr fließen wie in vergangenen Jahren, sagte Wasensteiner. Daher müsse das Kloster Einnahmen generieren.
Der Schritt der Zusammenlegung sei notwendig, erklärte Hartmann. Momentan gebe es drei Rezeptionen und vier Verwaltungen. Ganz abgesehen von den gleichen Angeboten, die es im Kloster parallel gebe. In Zukunft soll die Zusammenlegung auch dazu führen, dass sich ankommende Gäste besser zurechtfinden. „Heute weiß keiner, wo er hin muss.“ Dass dieser Schritt nicht leicht sei für alle Beteiligten, sei ihm bewusst, sagte Hartmann. Die gute Nachricht: Mit Freiwilligen und Honorarkräften sind 170 Mitarbeitende von der Umstrukturierung betroffen. Niemandem wird gekündigt. Im Gegenteil: Hartmann, Wasensteiner und Stöhr betonten, dass das Zusammenwachsen zu einer Organisation nur gelingen werde, wenn die Mitarbeitenden sich einbrächten.

Das ZUK mit eigenem Logo wird es von 2026 an nicht mehr geben. Der Verein bleibt allerdings formal bestehen, um die langfristig zugesagten Förderungen nicht zu gefährden. Das „Kloster der Jugend“ wird ein neues Logo bekommen. Auch eine neue räumliche Aufteilung ist geplant: Im Westen der Klosteranlage werden die Bildungseinrichtungen mit ihren Angeboten konzentriert. In Richtung Maierhof soll die Beherbergung der Gäste stattfinden. Man müsse Prioritäten setzen, wenn es darum gehe, welche Gebäudeteile als nächstes saniert werden, sagte Stöhr. In Kürze seien alle Dächer wieder dicht. „Das hat eineinhalb Jahre gedauert“, sagte Stöhr. Die Gästehäuser seien komplett entkernt, wie auch die Westtrakte von Kloster und ZUK. Bis alle Gebäude hergerichtet seien, würden fünf bis zehn Jahre ins Land ziehen, schätzte Stöhr. Da sei es von Vorteil zu wissen, wie sie künftig genutzt werden sollen - ein weiterer Effekt der gemeinsamen Arbeit unter einem Organisationsdach.
Letztlich hofft Hartmann, dass für „die Leute draußen“ wieder sichtbarer werde, was das Kloster Benediktbeuern alles zu bieten habe. Wasensteiner fasst dies unter dem Slogan zusammen: Jugend, Schöpfung, Bildung - heute für morgen.

