Diskussion zum Ickinger Wenzberg NS-Lokalgeschichte als "Gesamtpaket"

Es bleibt vorerst bei dem NS-belasteten Namen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Gemeinderat vertagt erneut eine Entscheidung zur Umbennennung der Straße.

Von Claudia Koestler

Die Würfel sind gefallen in der Causa Wenzberg - vorerst zumindest: Am Montag haben sich die Ickinger Gemeinderäte mit Ausnahme von Christian Mielich (SPD/Grüne) dafür entschieden, den Namen der zentralen Straße zu belassen, die mit Paul Wenz einer NS-Gestalt gewidmet ist. In unbestimmter Zukunft streben die Ickinger Räte eine weitere, endgültige Entscheidung an, ob der Wenzberg dauerhaft seinen Namen behalten soll, umbenannt oder mit einer Hinweistafel versehen wird. Unbestimmt ist der Zeitpunkt deshalb, weil die Lokalpolitik dazu den Abschluss der Untersuchungen und Aufarbeitungen aller Ickinger Straßennamen durch den Arbeitskreis abwarten will. Im Rahmen dieser Aufarbeitung soll nun auch die Geschichte der Isartalgemeinde in den Jahren der späteren Weimarer Republik bis in die Fünfzigerjahre beleuchtet werden. Der Arbeitskreis, so haben es die Ickinger Gemeinderäte am Montag ebenfalls beschlossen, soll von den Pöckinger Historikern Marita Krauss und Erich Kasberger geleitet werden.

Die Historiker plädierten für eine Tafel, die den Straßennamen einordnet

Zwar hatten die beiden Fachleute am Donnerstag in einer Sondersitzung ihre Überzeugung kundgetan, dass für die Entscheidung zum Wenzberg bereits genügend Fakten vorlägen. Nach Kasbergers Einschätzung waren alle Familienmitglieder überzeugte Nationalsozialisten, seien aber wohl als Mitläufer und Profiteure einzustufen. Die Pöckinger Historiker hatten deshalb vor dem Ickinger Gremium nicht nur für eine Entscheidung plädiert, sondern auch einen konkreten Vorschlag dazu gemacht: den Namen Wenzberg zu behalten, aber mit einer Informationstafel zu erklären und historisch einzuordnen. Eine Umbenennung könnte, warnten sie, als ein Verschweigen der Geschichte verstanden werden.

Doch die Gemeinderäte wollen die Straße trotz aller Dokumentationen, Rechercheergebnisse und Plädoyers nicht isoliert betrachten - auch wenn Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) am Montag zu bedenken gab, dass sich damit eine Entscheidung Jahre hinziehen könnte. "Wir können aber die Lösung nicht in einem Fall vorwegnehmen, es ist doch ein Gesamtpaket", sagte Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative).

Die Aufarbeitung der gesamten Geschichte Ickings im Nationalsozialismus hatte zuvor Mielich wiederholt gefordert. Ob das in einem früheren Beschluss bereits einmal abgelehnt wurde, oder ob es sich bei den früheren Beschlüssen lediglich um eine Priorisierung des Wenzbergs und weiterer Straßen handelte, daran erinnerten sich die Räte unterschiedlich.

In der Diskussion kam deshalb die Frage nach der Gesamtaufarbeitung und der Herangehensweise erneut auf: "Ich halte viel davon, dass man im Kleinen anfängt und sich dann vorantastet", sagte Claudia Roederstein (UBI). "Aber von vornherein Beschlüsse, die wir gefällt haben, wieder über den Haufen zu werfen und zu sagen, wir fangen mit dem Großen und Ganzen an, halte ich nicht für richtig." Ihr Fazit: "Man muss ein Ziel haben, eine Sache verfolgen, sonst verzettelt man sich."

Nach Ansicht von Otto Güllich (Ickinger Initiative) aber wird eine gerechte Beurteilung des Lebens und Wirkens von Wenz nur durch eine Gesamtschau möglich. Er schlug deshalb vor, auch die Jahre der späteren Weimarer Republik bis in die Fünfzigerjahre zu untersuchen. Das ging mit einer knappen Mehrheit durch.

Mielich wandte ein, manche Bürger könnten enttäuscht sein, weil man bis zur Aufarbeitung am Straßennamen "Wenzberg" festhalte . Er brachte deshalb eine andere Idee ins Spiel: Den Wenzberg zur "Straße der Geschichte" zu machen und die Untersuchungen zur Ortshistorie dort zu veröffentlichen. Doch es blieb bei der Anregung.

Entschieden wurde stattdessen über einen Antrag von Mielich, nämlich zumindest die "Kinderkrippe am Wenzberg" sofort umzubenennen. Mit diesem Wunsch blieb der Sprecher der SPD-/Grüne-Fraktion jedoch alleine. Auch über den Kindergarten wollen die Räte erneut abstimmen, wenn die Wenzberg-Entscheidung zur Wiedervorlage kommt - nach den Ergebnissen des Arbeitskreises also.