Die Direktkandidaten zur Bundestagswahl im Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-MiesbachBereit für Berlin

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Ein Thema, das der FDP-Bundestagskandidat Tim Sachs mit nach Berlin nehmen will, weil es Handlungsbedarf gibt, ist die Infrastruktur.
Ein Thema, das der FDP-Bundestagskandidat Tim Sachs mit nach Berlin nehmen will, weil es Handlungsbedarf gibt, ist die Infrastruktur. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Tim Sachs, FDP-Direktkandidat und Unternehmensberater aus Bichl, will in den Bundestag – obwohl er eigentlich gar nicht will.

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

„Ich will nicht nach Berlin“, sagt Tim Sachs, und man reibt sich verwundert die Augen. Ein Direktkandidat, der nicht kandidieren will? Doch Sachs wäre nicht Sachs, hätte er nicht ein gewichtiges „Aber“ parat: „Ich würde es machen, um etwas zum Besseren zu verändern – und Politiker, die das Mandat so sehen, davon haben wir zu wenig.“

Tim Sachs, geboren 1990, verkörpert den Typus eines jungen, agilen Machers, und möchte nun als Direktkandidat der FDP aus dem Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach die große politische Bühne betreten. Aufgewachsen ist er in Hessen, nach dem Abitur studierte er BWL und Finanzwirtschaft, heute arbeitet er als Selbständiger und begleitet Unternehmensinhaber bei Unternehmensverkäufen oder bei Expansionen.

„Das hört sich immer so nach einem Klischee an, mit meinem Lebenslauf und Parteizugehörigkeit – Studium an einer Privat-Uni, BWL, Unternehmensberatung, FDP“, weiß Sachs. Doch er stemmt sich gegen das Image des verwöhnten Liberalen. Als Erstakademiker seiner Familie habe er sich alles selbst erarbeitet. Mit 15 Jahren habe er Pfandflaschen sortiert im Getränkemarkt, und später, neben der Schule, bei einem Automobilzulieferer gejobbt. Das habe ihn gelehrt: „Wenn man etwas machen möchte, wenn man was haben will, muss man dafür arbeiten. Es wird einem nichts geschenkt, nicht beruflich, nicht privat.“

„So bin ich bei der FDP gelandet“

Ein anderer Lehrmeister sei sein damaliger Leistungskurslehrer für Politik und Wirtschaft gewesen. Dieser habe etwa Lokalpolitiker eingeladen, darunter den großen Bruder einer Mitschülerin und SPD-Ortsvorsitzenden. „Der hat etwas ganz Schönes gesagt, nämlich dass er nicht hier sei, um für die SPD zu werben. Aber er sagte: engagiert euch.“ Denn Demokratie lebe vom Mitmachen. „Da habe ich mich damit auseinandergesetzt und habe geschaut, was könnte passen? So bin ich bei der FDP gelandet.“

Nach seinem Studium zog Sachs nach München, das war vor etwa acht Jahren. „Ich wollte dort eigentlich nur zwei, drei Jahre bleiben und dann wieder zurück nach Hessen ziehen“, erinnert er sich. München habe ihm als Stadt schon immer gefallen, er komme aber eigentlich vom Land, also aus einem Ort mit etwa 1500 Einwohnern. Während der Pandemie habe ihn das Flair der Stadt nicht mehr so gereizt, „ich wollte gerne wieder aufs Land“ – und so zog er nach Bichl. Damals noch alleinstehend (heute verlobt), sei er „sehr herzlich und nett aufgenommen worden“.

Er sei sehr naturverbunden, liebe die Berge, es sei eben „einfach schön hier“. Das Heimatbewusstsein und dass Traditionen gelebt werden, schätze er am bayerischen Oberland. Das sei aber nicht selbstverständlich, man müsse auch etwas dafür tun: Gemeinschaft funktioniere über Gemeinsamkeiten. Multikulti sei als Gedanke schön, aber es gebe Studien, „dass das Engagement fürs Gemeinwohl abnimmt, je gemischter Gemeinden werden. Dann fehlt der Zusammenhalt.“

Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit

Seine berufliche Laufbahn prägt sein politisches Denken maßgeblich. Der Betriebswirt verkörpert jene Symbiose aus ökonomischem Sachverstand und politischem Gestaltungswillen, die die Liberalen so gerne für sich reklamieren. Im Zentrum seiner Agenda stehen die Stärkung des Wirtschaftsstandortes und eine Entlastung der Bürger – traditionelle FDP-Kernthemen. Doch Sachs setzt auch persönliche Akzente. Mit Nachdruck fordert er Investitionen in die Ausstattung der Schulen, Herzensthemen sind für ihn Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit: „Der Staat unterstützt nicht diejenigen, die eigentlich Unterstützung gebrauchen könnten, vor allem junge Leute, die in der Ausbildung sind. Das zu ändern ist eine meiner Grundsatzpositionen.“

Die FDP habe immer wieder mit dem Vorwurf der sozialen Kälte zu kämpfen, weiß er, sagt aber: „Liberalismus ist eigentlich genau das Gegenteil.“ Natürlich brauche es „Hilfe da, wo jemand unverschuldet in Not gekommen ist, das ist ein menschliches Gebot“. Aber gegenwärtig setze der Staat zu viele Anreize, „dass Faule davon zehren können, dass andere ihnen helfen“. Hier wolle er die Unterstützung eher jenen angedeihen lassen, die damit etwas aufbauen oder erreichen wollten.

Flächendeckende Versorgung mit Hausärzten

Auch die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum liegt dem Bichler am Herzen. Er setzt sich für den Erhalt von Kliniken und eine flächendeckende Versorgung mit Hausärzten ein. Und speziell das Thema Infrastruktur wolle er dringend nach Berlin tragen, die A 8 etwa müsse ausgebaut werden.

Der Bruch der Ampel-Koalition sei „weder schade noch Katastrophe, noch unvermeidlich“ gewesen. Es hätte funktionieren können, hätten sich alle Parteien auf ihre Kernkompetenzen fokussiert, sagt Sachs. Trotz aktuell niedriger Umfragewerte für die FDP zeigt sich Sachs optimistisch, fordert jedoch mehr berufliche Erfahrung bei Entscheidungsträgern und sieht darin einen Schlüssel zur Lösung vieler politischer Fehlentwicklungen.

Hier schließt sich der Bogen zur Frage Bichl oder Berlin: „Ich hatte noch nie politische Ambitionen. Ich mag die Partizipation“, holt er kurz aus. Finanziell wäre ein Bundestagsmandat sogar ein Rückschritt für ihn, „und ich liebe die Selbständigkeit, weil ich Sachen schnell umsetzen kann“. Doch es muss ein Aber kommen: „Wenn ich mir die Lebensläufe unserer Abgeordneten anschaue, dürfen wir uns nicht wundern, warum vieles nicht funktioniert. 60, 70 Prozent haben noch nie außerhalb der Partei oder außerhalb von Parlamenten gearbeitet. Da hat man die Lebensrealität nicht.“ Diese Realität will Sachs nach Berlin bringen – auch wenn er dafür sein geliebtes Bichl verlassen müsste. Ein Opfer, das er für die Demokratie zu bringen bereit ist.

Drei Fragen an: Die Direktkandidaten im Video

Tim Sachs (Video: SZ)
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