Bad Tölz-Wolfratshausen:"Jammerei auf hohem Niveau"

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Schulgeschichte

Mit dem Präsenzunterricht kann es coronabedingt schnell vorbei sein. Dann heißt es wieder: Homeschooling.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Landrat Josef Niedermaier wehrt sich gegen den Vorwurf, die Digitalisierung der Schulen verschleppt zu haben.

Von Alexandra Vecchiato, Bad Tölz-Wolfratshausen

Für Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) ist es inzwischen ein "leidiges Thema". Gemeint ist die Digitalisierung der Schulen. Im Landkreis geht dieser Prozess schleppend voran, was nicht allein die Schuld seiner Behörde sei, hatte sich Niedermaier bereits in der Dezember-Sitzung des Kreistags verteidigt. Auch im Februar im Kreisausschuss machte der Landrat seinem Ärger Luft über die "Jammerei auf hohem Niveau" in den Schulen. Was wiederum für Zündstoff bei den Lehrkräften sorgte - vor allem am Schulzentrum Geretsried. Niedermaier hatte kritisiert, dass der Kreis als Sachaufwandsträger schon 2018 Gymnasium und Realschule flächendeckend mit Wlan ausstatten wollte, was von der Schulfamilie damals abgelehnt worden sei. Inzwischen habe sich vieles geändert, so Niedermaier. Die Protagonisten seien andere, die Digitalisierung werde gewünscht. "Der Landkreis kommt seiner Verpflichtung nach", erklärte er am Montag im Kreisbauausschuss. An seinen Aussagen halte er indes fest.

Pandemiebedingt könne der Ausbau der Wlan-Netze und die Ausstattung mit Laptops und Ähnlichem nun vielen nicht schnell genug gehen, sagte Niedermaier. Die Erwartungshaltung einiger Lehrer an den Landkreis sei enorm, wenn es um die Weiterentwicklung moderner Unterrichtsmethoden geht. Erneut erinnerte Niedermaier im Gremium an seine Erfahrungen vor etwa drei Jahren. "Ich bin noch nie so massiv beschimpft worden", erzählte der Landrat über das Treffen am Geretsrieder Schulzentrum mit Vertretern der Lehrerschaft und der Eltern. Die Schaffung eines Wlan-Netzes sei damals kategorisch abgelehnt worden, unter anderem aus Sorge, die Kinder und Jugendlichen gesundheitsschädlicher Strahlen auszusetzen. "Ich hatte Angst, das Treffen nicht allein mit ein paar blauen Flecken hinter mich zu bringen", so Niedermaier. "Das hat damals Spuren bei mir hinterlassen."

Auch als zunächst für den Erweiterungsbau Beamer samt Whiteboards statt konventioneller Tafeln gewünscht wurden, erhob sich Protest. Das Landratsamt plante um und kaufte nur halb so viele Whiteboards. "Die Änderung war ziemlich teuer", sagte Niedermaier, da mit den Kreidetafeln zusätzlich Waschbecken in den Klassenzimmern eingebaut werden mussten. "Jetzt auf einmal heißt es, der Landkreis habe nichts gemacht", ärgerte er sich im Bauausschuss.

Ein einziges Versäumnis seiner Verwaltung räumte Niedermaier ein. Der Landkreis sei nicht einer der ersten gewesen, der sich für das Förderprogramm des Freistaats angemeldet hatte. "Aber das läuft." Es gibt laut Niedermaier aber weitere Hürden, an denen eine schnelle Digitalisierung scheitert. Der Landrat nennt als Beispiel die Anschaffung von Lehrer-Laptops. Die wurden vom Freistaat angekündigt. Auf dessen Bitten hatten sich die Kommunen bereit erklärt, die Beschaffung einmalig zu organisieren - obwohl das nicht deren Zuständigkeit ist. Des Weiteren nicht geklärt ist die Finanzierung. Landkreis- und Gemeindetag gemeinsam forderten seit zwei Jahren die Fortschreibung des Schulfinanzierungsgesetzes, sagte Niedermaier. Ministerpräsident Markus Söder habe sie zugesagt. Ein erster Vorschlag sehe eine Fifty-fifty-Teilung der Kosten zwischen Land und Kommunen vor. Geklärt sei dies nicht, so der Landrat, ebenso wenig die Einführung einer "Schulcloud". Denn es könnten nicht an jeder Schule kosten- und wartungsintensive Server aufgestellt werden. "Es soll eine Arbeitsgruppe geben. Wir haben signalisiert, als Vertreter der Landkreise teilnehmen zu wollen."

Er habe keine Lust, weiter angepöbelt zu werden, sagte der Landrat, zumal eine zweistellige Millionensumme in den vergangenen Jahren investiert worden sei. Hauptamtsleiter René Beysel führte aus, dass am Geretsrieder Gymnasium das Wlan vorbereitet sei, bis Ende des Schuljahres gelte dies auch für die Realschule. Am Gymnasium Icking gebe es bereits Wlan, so auch seit fünf Jahren am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium in Bad Tölz - sogar mit Ein- und Ausschaltknopf an jedem Lehrerpult.

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