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Dietramszeller Politik:Von Stufen und Diskrepanzen

Was sich hinter den beeindruckenden Mauern des Klosters Dietramszell verbirgt, konnten Interessierte beim Tag des Offenen Denkmals erfahren.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Über Teile der Dorferneuerung streiten Gemeinderäte und Planer weiter. Nun soll eine alternative Skizze her.

Von Petra Schneider

Die Dorferneuerung von Dietramszell erhitzt weiter die Gemüter. Am Dienstag stand die Sanierung des Klostervorplatzes, die vorhandenen Bäume sowie der neue Dorfplatz bei der Klosterschänke auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Lange diskutiert wurde auch diesmal. Denn die von Planer Rainer Heinz geplanten drei parallel zur Klostermauer verlaufenden Sitzstufen am Vorplatz, die der vorherige Gemeinderat vor zwei Jahren gebilligt hatte, sorgen für wenig Begeisterung. Man könne mit den Planungen leben, aber so richtig gelungen seien sie nicht - so die überwiegende Meinung im Gremium. Planer Heinz wurde nach zäher Debatte schließlich mit zwölf zu fünf Stimmen beauftragt, eine Alternative zu skizzieren und sie im Juli vorzustellen. Bestätigt wurde der Beschluss des früheren Gemeinderats, die drei alten Linden, die die Baumaßnahmen wohl nicht unbeschadet überstehen würden und nach übereinstimmender Meinung auch nicht mehr besonders schön seien, durch neue Bäume zu ersetzen. Überraschenderweise war die Gestaltung des Dorfplatzes, der beim Abzweig nach Holzkirchen entsteht, kein Streitthema. Von einem Brunnen, der ebenfalls 2019 gebilligt wurde, ist im Beschluss explizit keine Rede mehr. Lediglich ein Wasseranschluss ist vorgesehen, was offenbar auch den Planer überraschte, der vor zwei Jahren den Entwurf für einen "archaischen Brunnen" aus einem Kalksteinblock vorgestellt hatte. Bereits damals gab es Vorbehalte, vor allem vom jetzigen Bürgermeister Josef Hauser (Freie Wähler Gemeinschaft). Dennoch war beschlossen worden, mit dem Entwurf in die Förderung zu gehen. Laut Beschluss vom Dienstag soll der Dorfplatz mit Schotterrasen, Stufen, Baum, Sitzbank und dem "Thema Wasser" gestaltet werden. Das Amt für ländliche Entwicklung (ALE) hat bereits für die ursprünglichen Planungen eine Förderung von 50 Prozent zugesagt. Die Gemeinde muss spätestens 2023 mit den Maßnahmen im Bereich des Klosters beginnen, andernfalls sei die Förderzusage gegenstandslos, sagte Heinz.

Im Gemeinderat musste sich der Planer zum wiederholten Mal Kritik anhören. Seit Jahren sei offensichtlich, dass es in Bezug auf die Stufen beim Klostervorplatz "eine Diskrepanz" gebe, sagte Ingrid Grimm (FW). "Da ist noch nie eine Alternative gekommen", schimpfte sie. Heinz ließ das so nicht stehen. Mit der früheren Bürgermeisterin Leni Gröbmaier (BLD) seien verschiedene Varianten durchgespielt worden, wie man den Höhenunterschied am Klostervorplatz ausgleichen könnte. Von "Vier-Augen-Gesprächen" könne aber keine Rede sein, denn die daraus entstandenen Entwürfe seien ausführlich im damaligen Gemeinderat diskutiert worden. Sein Ziel sei gewesen, den sehr kleinen Vorplatz vor dem imposanten Kloster möglichst groß zu machen. Deshalb sollen die neuen Bäume nach vorne verlegt und die Fläche mit Sitzstufen verebnet werden. Drei Stufen, die sich, angepasst an das Gelände, zu 45 Zentimetern Höhe "sanft aufbauen." Die einfachste Lösung wäre eine Mauer, sagte Heinz, "aber das wollte ich vermeiden, um den kleinen Vorplatz nicht weiter zu zerteilen". Die Gegebenheiten seien komplex, "da kann man nicht einfach Stufen länger oder kürzer machen." Eine komplett neue Planung wäre nötig.

Der Gemeinderat ließ dennoch nicht locker und beauftragte Heinz mit einem Alternativ-Entwurf.

© SZ vom 04.06.2021
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