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Dietramszell:Ordinariat gegen Hindenburg-Büste

Entfernung der Hindenburg-Büste

Die Hindenburg-Büste nach Kastners Aktion.

(Foto: Neubauer)

Diözese spricht sich nach Angaben des Künstlers Kastner gegen die erneute Aufstellung am Kloster Dietramszell aus.

"Kein Hindenburg an der Klostermauer!" Der Münchner Aktionskünstler Wolfram P. Kastner ist diesem Ziel ein gutes Stück nähergekommen: Das Erzbischöfliche Ordinariat in München hat sich nach Angaben des Künstlers dagegen ausgesprochen, dass die umstrittene Büste wieder an der Dietramszeller Klostermauer aufgehängt wird. Stattdessen begrüße das Ordinariat Kastners Vorschlag, die Bronze an das Museum für Bayerische Geschichte in Regensburg zu geben. Dies geht aus einer schriftlichen Stellungnahme der Erzdiözese München-Freising an Kastner hervor. Die Zuständigkeit in dieser Frage, so heißt es darin weiter, liege jedoch allein bei den Salesianerinnen von Dietramszell.

Kastner hatte sich zusammen mit seinen Künstlerkollegen Friedo Niepmann und Martin Stiefel bereits vor einigen Wochen schriftlich an Kardinal Reinhard Marx gewandt. Das Schreiben, das der SZ vorliegt, endet mit den Worten: "Wir können uns nicht vorstellen, dass eine Wiedererrichtung einer Nazi-Bronze an einer Klostermauer in Bayern von den Zielsetzungen des Ordens unter theologischen Aspekten und von der Geschichte der katholischen Kirche her im Jahre 2015 wünschenswert und sinnvoll sein könnte." Zudem hatten die drei Künstler in ihrem Brief angeregt, dass der Kardinal die Dietramszeller Ordensschwestern in diesem Fall "vielleicht beraten" könnte, und ihn um eine persönliche Stellungnahme gebeten.

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Dietramszell

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Im Sommer hatte er die Hindenburgbüste am Kloster in Dietramszell abmontiert - um eine Diskussion anzuregen. Nun hat ein Karnevalsverein den Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner symbolhaft an den Galgen gebracht. Das findet er nicht witzig und erstattet Anzeige.

Abteilungsleiter befürwortet, Büste ins Museum zu geben

Ob Marx sich persönlich mit der Sache befasst hat, weiß Kastner nicht. Bei ihm habe sich der für Kunst zuständige Hauptabteilungsleiter Norbert Jocher gemeldet. Dieser teile seine Überzeugung, dass der "demontierte Hindenburg-Schädel des Nazi-Bildhauers" Josef Thorak nie wieder an die Klostermauer zurückkehren dürfe, sagt Kastner. Und er habe den Vorschlag für "sehr gut" befunden, "das Porträt des Steigbügelhalters Hitlers" dem neuen Museum für Bayerische Geschichte zu übergeben, das 2018 in Regensburg eröffnen soll.

Dort wäre es in Kastners Augen am besten aufgehoben, zumal da die Büste und der mit ihr verbundene Streit "von überregionaler Bedeutung" seien. Er hoffe, dass die Salesianerinnen, Bürgermeisterin Leni Gröbmeier und Florian Schilcher, der die Büste verwahrt, diesem "Rat" folgten: "Damit könnte die Angelegenheit zu einem guten Ende kommen."

Seit Kastners Aktion geht ein Riss durch die Gemeinde

Seit Kastner im Juni vergangenen Jahres die Büste abgeschraubt, ihr ein Hakenkreuz aufs Auge gedrückt und sie auf dem Grundstück der Familie von Schilcher abgelegt hatte, geht ein Riss durch die Gemeinde. Kastner ist für viele zu einer Reizfigur geworden, die Frage, was mit der Büste passieren soll, nach wie vor offen. Zwar haben sich im April vier "ehrenamtliche Historiker" zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, die das Thema noch einmal bearbeiten wollen. Konkrete Ergebnisse haben sie bislang nicht vorgelegt. CSU-Ortsvorsitzender Michael Häsch hat den Vorschlag ins Spiel gebracht, im Rathauskeller ein Heimatmuseum einzurichten und die Büste dort auszustellen.

Sie war 1939 an der Mauer des Klosters angebracht worden, das damals noch der Familie Schilcher gehörte. Bei ihr hatte Hindenburg mehrfach die Sommerfrische verbracht. 1958 kaufte der Orden der Salesianer das Kloster zurück. Das Ordinariat war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Hindenburg-Büste in Dietramszell, 2013

Jahrzehntelang hing die Büste an der Mauer des Dietramszeller Klosters.

(Foto: Manfred Neubauer)