Einen Namen hat der neue Mitarbeiter der Dietramszeller Verwaltung noch nicht. Bürgermeister Josef Hauser (FW) könnte sich „Didi“ oder „Dietram“ vorstellen, aber ihm gefällt auch die Idee, Bürgerinnen und Bürger um Vorschläge zu bitten. Der neue Kollege spricht nicht nur astreines Hochdeutsch, sondern auch Bairisch und über 100 andere Sprachen. Er steht rund um die Uhr zur Verfügung, auch außerhalb der Öffnungszeiten und am Wochenende. Er nutzt das gesammelte Wissen seiner Kolleginnen und Kollegen, und greift nicht nur auf Informationen auf der Homepage zurück, sondern auch auf Datensätze anderer Behörden, wie etwa Landratsamt oder Wasserwirtschaftsamt.
„Aber nicht auf das World Wide Web“, betont Hauser. Denn Fake News und Verschwörungstheorien sollen draußen bleiben. Klingt nach einem perfekten Mitarbeiter, der allerdings ein Manko hat: Er existiert nur virtuell, als intelligenter Dialogassistent, vergleichbar mit einem Chatbot, der typische, häufig gestellte Fragen beantwortet. Rechtssicher und datenschutzkonform, weil keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden.
Kürzlich hat sich der Dietramszeller Gemeinderat für den virtuellen Mitarbeiter entschieden, der in acht bis zehn Wochen den Dienst antreten soll. Wie das funktioniert? Bürgerinnen und Bürger können dann auf der gemeindlichen Homepage auf die Kachel des virtuellen Mitarbeiters klicken und ihre Fragen in ein Textfeld schreiben. Oder in das Mikro sprechen und sich die Antworten vorlesen lassen, sagt Hauser, auch in leichter Sprache. Wie hoch sind die Abwassergebühren? Kann ich samstags heiraten? Wie melde ich mein Kind für den Kindergarten an? Fragen, die häufig gestellt würden.
Der Einsatz sei KI-gestützt, erklärt Hauser, das verbessere die Kommunikation. Denn bislang würden Anfragen über die klassischen Suchmaschinen bearbeitet. Begriffe müssten korrekt eingegeben werden, damit sie gefunden würden. Ungetüme wie „Kindergartenplatzbedarfsanmeldung“ zum Beispiel, erklärt Hauser. Der neue Mitarbeiter nutze künstliche Intelligenz, generiere Antworten auch ohne die genauen Suchbegriffe, weil er auf verschiedene Datensätze zurückgreife. Anbieter der digitalen Dienstleistung ist die Firma Cosmema, die als Vorteile die gute Erreichbarkeit für Bürger und die Entlastung der Verwaltungen betont.
Einen virtuellen Mitarbeiter hat im Landkreis sonst nur die Gemeinde Münsing
Laut einer Studie des Unternehmens in 30 bayerischen Kommunen, hatte sich ein halbes Jahr nach der Einführung die durchschnittliche Zahl der Anrufe in den Rathäusern um 68 Prozent verringert. Das führe zu einer jährlichen Reduzierung der Personalkosten von rund 13 500 Euro, rechnet das Unternehmen vor. Dem stehen einmalige Anschaffungskosten für die Gemeinde von 5300 Euro gegenüber, erklärt Hauser, sowie eine monatliche Pauschale von 350 Euro.
Der Bürgermeister hält die Implementierung für eine gute Sache. Dietramszell sei nach Münsing die zweite Gemeinde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, die den virtuellen Mitarbeiter einführe. Die Anregung sei bei einer Kreisverbandsversammlung des bayerischen Gemeindetags im November gekommen. Denn auch in den kleinen Rathäusern gewinne der Einsatz moderner Technologien zur Effizienzsteigerung und Bürgernähe zunehmend an Bedeutung.

