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Dietramszell:Graffiti-Streit im Bauausschuss

Siebtklässler in Dietramszell wollen ihr Schulhaus verschönern - mit Graffitis. Bürgermeisterin Gröbmaier ist begeistert. Der Bauausschuss sieht das anders.

Waltraud Bauhof schwimmt gerne gegen den Strom. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung trat die Dietramszeller Gemeinderätin herzhaft auf die Euphoriebremse, als Bürgermeisterin Leni Gröbmaier ein Graffiti-Projekt an der örtlichen Volksschule anpries. "Wir müssen erst mal reden, ob wir das zulassen", monierte Bauhof, worauf sich eine Diskussion um das soziale Engagement junger Leute entspann, in der auch die altbekannte Frage auftauchte: Was ist Kunst? Einig waren sich Bauhof und die Bürgermeisterin darin, dass die Schmierereien, die immer wieder die Wände der Dietramszeller Schule verunstalteten, mit Kunst herzlich wenig zu tun hätten. Gröbmaier berichtete, dass die Wand am Fahrradstellplatz ständig mit Schimpfworten beschmiert würde. Dies sei "Vandalismus".

Kunst oder Schmiererei? In Geretsried haben Kinder eine Wand gestaltet. In Dietramszell muss erst noch der Gemeinderat zustimmen.

(Foto: WOR)

Zugleich präsentierte sie einen Vorschlag von Siebtklässlern, wie das Problem behoben werden könnte. Die Klasse 7a hat sich zusammen mit ihrer Lehrerin überlegt, ein Graffito an der Wand anzubringen. Jeder einzelne Schüler schrieb daraufhin einen Brief ans Rathaus, um für die Idee zu werben. Gröbmaier zitierte aus einem der Schreiben. Ein Schüler erklärt darin, sie wollten die Wand besprühen, weil sie "cool sind, Phantasie haben und Schmipfwörter vermeiden" wollten. Und außerdem natürlich, weil die Wand am Radlstellplatz so langweilig sei. Gröbmaier zeigte ihre Sympathie für das Engagement der Schüler. Diese hätten auch schon das Rathaus besucht und Interesse daran gezeigt, was die Gemeinde mache.

Bauhof wollte sich damit nicht zufrieden geben. "Der Antrag ist in Ordnung", sagte sie zwar. Aber es sei eine "Geschmacksfrage", ob man ein Graffito haben wolle. Sollte die Gemeinde der Klasse erlauben, die Wand zu besprühen, stehe sie in der Verpflichtung, dies auch anderen Klassen zu erlauben. Für die Allgemeinheit, so fügte sie hinzu, seien Graffiti nichts anderes als "Schmierereien".

"Das ist ein sehr enger Kunstbegriff", konterte Gröbmaier. "Bei Kunst gibt es einen subjektiven Geschmack." Überhaupt wollten die Schüler an der Lösung eines Problems mitarbeiten. Um Selbstverwirklichung gehe es ihnen nicht.

Am Ende einigten sich Gröbmaier und Bauhof darauf, dass die Schüler eine Skizze vorlegen sollen. Zur Entscheidung im Gemeinderat kündigte Gröbmaier an, die Klasse ins Rathaus einzuladen.