Die Zeit drängt:Kandidaten gesucht

Die Zeit drängt: Chancen nutzen: Simon Vielreicher, Sabrina Lorenz und Jakob Arendt vom Geretsrieder Jugendrat (von links).

Chancen nutzen: Simon Vielreicher, Sabrina Lorenz und Jakob Arendt vom Geretsrieder Jugendrat (von links).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Oktober soll der neue Geretsrieder Jugendrat gewählt werden. Noch fehlen Bewerber

Von Veronica Bezold, Geretsried

"Ich würde die Jugend nicht als politikverdrossen einstufen, im Gegenteil", sagt Jakob Arendt. Der 21-jährige Sprecher des Geretsrieder Jugendrats meint sogar, dass es - ausgelöst durch die Corona-Pandemie - eine zunehmende Tendenz hin zur politischen Beteiligung unter jungen Leuten gebe. Und doch tut der Geretsrieder Jugendrat sich bei seiner Suche nach neuen Kandidaten für die im Oktober anstehende Neuwahl schwer. Momentan haben sich lediglich drei Interessierte nominieren lassen. Zwei Mitglieder im Gremium werden erneut zur Wahl stehen, darunter Schriftführerin Sabrina Lorenz.

Die 21-Jährige ist sich der Bedeutung des Geretsrieder Jugendrats durchaus bewusst: "Es ist ein Privileg, dass die Jugend hier eine Chance hat, aktiv etwas in der Gemeinde zu bewirken." Jugendräte seien in Bayern nämlich noch nicht so verbreitet wie in anderen Bundesländern. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist Geretsried nach wie vor die einzige Stadt, die ein solches Gremium, das sich für die Interessen und Anliegen junger Leute einsetzt, eingerichtet hat. "Auch andere Gemeinden sollten Jugendlichen diese Chance bieten", findet Lorenz.

Bis zum 19. September haben Jugendliche noch Zeit, sich zu bewerben. Die Voraussetzungen: Die Kandidaten müssen zwischen 14 und 21 Jahren alt sein und ihren Erst- oder Zweitwohnsitz in Geretsried haben. "Man muss keiner Partei oder Religion angehören. Jeder Jugendliche kann mitmachen - egal, was er umsetzen möchte", erklärt Sabrina Lorenz. Die insgesamt 1997 potenziellen Kandidaten in der Stadt werden per Post informiert, außerdem mache man Werbung an Schulen und mit Plakataktionen.

Dennoch erweise es sich als schwer, neue Mitglieder zu gewinnen, sagt der 18 Jahre alte Simon Vielreicher, ebenfalls Jugendratssprecher. Es sei schade, wenn dieses Angebot der Stadt nicht genutzt werde. Jakob Arendt meint, die Jugendlichen hätten nach den beiden Corona-Lockdowns und durch den Schulbeginn derzeit schlicht anderes im Kopf als ein Ehrenamt zu bekleiden. Er betont aber auch: "Eine Mitgliedschaft im Jugendrat ist sehr gut neben Schule oder Ausbildung machbar."

Das Resümee seiner eigenen Amtszeit falle durchaus positiv aus. "Für mich war die schönste Aktion die Radltour mit dem Bürgermeister", erinnert sich Arendt. Vergangenen Juli hatte sich der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU) aufs Fahrrad geschwungen, um gemeinsam mit den Jugendratsmitgliedern die Orte zu besuchen, die den jungen Bürgern seiner Stadt besonders wichtig sind. Dabei sei es, laut Jakob Arendt, zu einem schönen, gemeinsamen Austausch gekommen.

Trotzdem: "Corona hat uns bei vielen geplanten Aktionen einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt Sabrina Lorenz. So musste auch die ursprünglich für vergangenen Sommer angesetzte Wahl verschoben werden. Die wichtigsten Projekte habe man, so Lorenz, aber umsetzen können. Dabei sei man bei den lokalen Politikern immer auf offene Ohren gestoßen.

Von den neuen Mitgliedern erhofft die Schriftführerin sich vor allem Offenheit für frische Ideen, und dass sie ihre Chancen zu nutzen wissen. "Ich wünsche mir, dass die neuen Kandidaten dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen", ergänzt Jakob Arendt, der selbst nicht noch einmal zur Wahl stehen wird - genau wie sein Sprecherkollege Simon Vielreicher. Er erinnere sich noch gut daran, wie nervös er vor sechs Jahren gewesen sei, als er sich zum ersten Mal zur Jugendratswahl aufstellen ließ. "Man muss nur Mut haben", würde er gern denjenigen sagen, die vielleicht den Schritt noch nicht wagen, so Vielreicher. Die Stadt lasse die jugendlichen Mitglieder nie allein und leite sie bei sämtlichen Vorhaben zuverlässig an.

Der Wahlprozess wird in erster Linie von der neuen Stadtjugendpflegerin Julia Brandner begleitet. Ihr ist die Zusammensetzung des neuen Gremiums besonders wichtig: "Ich wünsche mir eine noch heterogenere Gruppe. Inklusion sollte auch im Jugendrat selbstverständlich sein", sagt die 27-jährige Sozialarbeitern. Die jetzigen Mitglieder betonen außerdem, dass es zudem schön wäre, wenn im neuen Jugendrat alle Geretsrieder Schulen repräsentiert wären. Grundsätzlich gelte aber: "Jeder Jugendliche hat das Zeug zum Mitglied", betont Simon Vielreicher.

Gewählt wird vom 11. Oktober bis zum 9. November. In diesem Zeitraum können die Wahlberechtigten, also alle Geretsrieder Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren, ihre Stimme per Brief oder im Geretsrieder Rathaus abgeben. Außerdem soll es dieses Jahr auch die Möglichkeit geben, sein Kreuzchen online über einen per Post zugestellten QR-Code abzugeben. Dies bedarf aber noch der Genehmigung durch den Geretsrieder Stadtrat, dem der Vorschlag in der nächsten Sitzung vorgestellt werden soll. Doch damit eine Wahl überhaupt stattfinden kann, braucht es allerdings vor allem eines: mehr Kandidaten.

© SZ vom 10.09.2021
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