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Die Montellis sind gestrandet:Fataler Aufruf zur Zirkus-Rettung

Stadt Penzberg warnt: Euro in Wahlbrief macht Stimme ungültig

Es war als ein Akt der Hilfsbereitschaft gedacht. Doch die Aktion lässt im Penzberger Rathaus die Alarmglocken schrillen. Über Facebook hatte eine Penzbergerin dazu aufgerufen, einem in der Gemeinde Kochel am See gestrandeten Zirkus zu helfen - und zwar sollte jeder, der sich beteiligen möchte, einen Euro als Spende in seinen Wahlumschlag für die Stichwahl am kommenden Sonntag stecken. Keine gute Idee. "Wir fordern die Wählerinnen und Wähler eindringlichst dazu auf, diesem Aufruf nicht zu folgen", erklärt der Penzberger Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann. Denn die Stimmzettel würden so ungültig.

Die Familie Montelli wollte mit ihrem Zirkus in Kochel am See drei Auftritte absolvieren. Doch dann kam die Corona-Krise und die sie begleitenden Einschränkungen im öffentlichen Leben. Keine Vorstellungen, keine Einnahmen. Und die Kommunen, in denen der Zirkus nach seinem Auftritt in Kochel gastieren wollte, sagten ab. Nach einem Zeitungsartikel, der die Not des Zirkus schildert, kam es bei der Social-Media-Plattform Facebook zu dem Aufruf und der Idee, die Montellis könnten mit ihren Tieren auf dem Festplatz auf der Penzberger Berghalde Obdach finden.

Über eine Unterstützung in dieser Form würde sich der Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) freuen. Seine Gemeinde sei - entgegen anderslautenden Aussagen - bereit, den Montellis zu helfen. Derzeit seien Menschen und Tiere versorgt. Eine Idee sei, die staatliche Corona-Soforthilfe zu nutzen, sagt Holz. Ob dies erfolgreich sein werde, wisse er nicht. Mit dem Pächter der Wiese, auf welcher der Zirkus campiert, sei abgesprochen, dass die Familie Montelli noch einige Tage bleiben könne.

Was die Gemeinde allerdings nicht erlauben könne, so Holz: "Einen Umzug auf den Festplatz." Darunter befindet sich die ehemalige Hausmülldeponie der Kommune. Sie muss saniert werden. Probebohrungen liefen, Messstellen seien eingerichtet worden, betont der Kochler Bürgermeister. "Ich kann den Zirkus nicht auf diesen Platz lassen." Andere Wiesen gebe es in Kochel. "Doch der Zirkus mit seinen Wagen braucht ein befestigtes Gelände. Ein solches in der benötigten Größe haben wir in Kochel nicht", erklärt Holz. Weshalb der Bürgermeister über ein Angebot aus einer Nachbarkommune froh wäre. "Wir würden bei einem Umzug natürlich behilflich sein."

© SZ vom 25.03.2020
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