Neue Gesprächs-ReiheUnvoreingenommen zuhören

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„Nur wenn ich zuhöre, habe ich eine breite Basis, um reagieren zu können“, sagt Florian Wiedemann, einer der Moderatoren des Dialogs in Tölz.
„Nur wenn ich zuhöre, habe ich eine breite Basis, um reagieren zu können“, sagt Florian Wiedemann, einer der Moderatoren des Dialogs in Tölz. Benedikt Fuhrmann / oh

Beim „Dialog im Tee-Café“ in der Alten Seifensiederei in Bad Tölz sollen Menschen mit konträren Standpunkten voneinander lernen. Beim Auftakt geht es um „Migration im Spannungsfeld zwischen Gutmensch und rechts“.

Von Paul Schäufele, Bad Tölz

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In Zeiten, in denen Meinungsaustausch oft Konflikte auslöst, braucht es Orte, an denen man ganz bewusst dem Andersdenkenden zuhört, sich auf seine Position einlässt. Das ist der Gedanke, der Christina Achner und Florian Wiedemann leitet. Achner und Wiedemann sind im Bereich Coaching und Prozessbegleitung tätig und wollen ihre Expertise im Gestalten von Dialogen nun auch in einer Veranstaltungsreihe einbringen. „Dialog im Tee-Café“ soll ein Forum bieten, um miteinander ins Gespräch zu kommen, über Themen, die im Fokus öffentlicher Debatten stehen. Für den Auftakt am Montag, 26. Mai, wird in der Alten Seifensiederei in Bad Tölz über „Migration im Spannungsfeld zwischen Gutmensch und rechts“ gesprochen.

Wichtig ist den Moderatoren der Veranstaltung – eine Kooperation mit dem Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen – der Unterschied zwischen Dialog und Diskussion. „Die lateinische Wurzel von ‚Diskussion‘ heißt etwas, das zerschlagen, gespalten wird“, sagt Christina Achner. Der Dialog solle dagegen etwas auf fließende Art zusammenbringen. Das spiegelt schon die Struktur des Abends wider. In einem ersten Schritt werden sich kleine Gesprächsgruppen an Tischen sammeln und über eine Impulsfrage sprechen. Etwas Allgemeines in der Richtung von „Warum bist du heute hier?“ Ein Raumwechsel leitet den eigentlichen Dialog ein. Hierbei treffen sich alle Teilnehmenden in einem Gesprächskreis, um keine Hierarchien oder private Zwiegespräche entstehen zu lassen – alle sprechen mit allen. Ein Gegenstand, etwa ein Stein oder eine Kugel, dient als Redesymbol. Nur wer den Gegenstand in der Hand hält, darf etwas sagen. Das ist eine der Regeln, die einen friedlichen Austausch ermöglichen soll. Eine andere besagt, nicht über andere zu sprechen, sondern nur von sich.

„Der Dialog ermöglicht das Aussteigen aus mentalen Modellen“, sagt Co-Moderatorin Christina Achner.
„Der Dialog ermöglicht das Aussteigen aus mentalen Modellen“, sagt Co-Moderatorin Christina Achner. privat / oh

„Nur wenn ich zuhöre, habe ich eine breite Basis, um reagieren zu können“, sagt Florian Wiedemann. Gerade bei einem Thema, das gesellschaftlich polarisiert, sei das essentiell. „Wie kommt der andere dazu, das zu sagen?“, sei eine wichtige Überlegung, so Wiedemann. „Der Dialog ist eine Form des Gesprächs, bei dem nicht nur Standpunkte vertreten werden, sondern sich neue Perspektiven öffnen. Dazu gehört das unvoreingenommene Zuhören.“ Christina Achner pflichtet ihrem Mit-Moderator bei: „Der Dialog ermöglicht das Aussteigen aus mentalen Modellen.“

Ganz bewusst haben Achner und Wiedemann, beide fortgebildet im Bereich der sogenannten Dialogprozessbegleitung, ein Thema gesucht, das extreme Positionen kennt und bislang keine langfristigen Lösungen. „Die Herausforderungen sind gesellschaftlich so komplex, dass sie mit alten Strategien nicht bewältigt werden können“, sagt Achner. Dass ein Gesprächskreis auch nur einen kleinen Beitrag leisten kann, ist den Veranstaltern bewusst. „Ein Dialog ist nicht die Lösung für alles – aber es ist eine Ergänzung, die häufig fehlt“, sagt Wiedemann. Deshalb hat das veranstaltende Team aus Alter Seifensiederei und dem Coaching-Netzwerk „Die Perlentaucher*innen“ auch vor, andere Themen anzusprechen. Quartalsweise soll die Dialogform geübt werden, mögliche andere Gegenstände sind etwa die Polarität zwischen Leistungsgesellschaft und sozialer Hängematte.

Als gelungen würde Florian Wiedemann den Abend zum Migrationsthema bezeichnen, wenn sich möglichst unterschiedliche Sichtweisen artikulierten, wenn die Vielfalt der Positionen im Dialog abgebildet würde. Das findet auch Christina Achner: „Wenn jemand sagt: So hab’ ich das noch nie gesehen und so auch noch nie gesprochen, dann würde ich mich freuen.“ Denn klar ist, dass die wenigsten bislang Erfahrungen mit einer solchen Form des Dialogs haben. An das Gespräch wird sich darum noch eine kurze Runde anschließen, in der über den Gesprächsmodus reflektiert wird.

Dialog im Tee-Café, Mo., 26. Mai, 19 Uhr, Alte Seifensiederei, Bairawieser Straße 7, Bad Tölz, keine Anmeldung nötig

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