Freizeit im Oberland„Das Schöne ist, dass jeder auf sich gestellt ist“

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An die 50 Boote gehen bei den Deutschen Meisterschaften im Korsar-Segeln an den Start (Archivbild).
An die 50 Boote gehen bei den Deutschen Meisterschaften im Korsar-Segeln an den Start (Archivbild). (Foto: privat)

Der Ammerlander Segelclub organisiert die Deutsche Meisterschaft der Korsare. Ein Gespräch über den Starnberger See als Segelrevier, die richtige Vorbereitung und familieninterne Duelle.

Interview von Benjamin Engel, Münsing

Zum ersten Mal nach 2012 organisiert der Ammerlander Segelclub (AmSC-Sail) wieder eine Deutsche Meisterschaft der Korsare auf dem Starnberger See. Um die 50 Zweier-Teams aus Deutschland, Polen und Österreich messen sich bei den Wettfahrten zwischen Mittwoch, 30. Juli, und Samstag, 2. August. Unter den Teilnehmern und Lokalmatadoren ist der 58-jährige Michael Heilingbrunner vom örtlichen AmSC-Sail, der sein Gelände in der Kommune Münsing hat. Am Telefon nimmt sich der erfahrene Segler und zweimalige Deutsche Meister in der Bootsklasse spontan Zeit für einen Austausch.

SZ: Herr Heilingbrunner, ihr Heimatclub organisiert die deutsche Meisterschaft für Korsare. Ist es denn schwierig eine solche Veranstaltung an den Starnberger See zu holen?

Michael Heilingbrunner: Im Moment ist es schwierig, überhaupt einen Ausrichter dafür zu finden. Unsere Klassenvereinigung ist eher froh, wenn sich ein Klub meldet. Denn eine solche Veranstaltung zu organisieren, macht viel Arbeit. Das müssen die Mitglieder erst einmal logistisch stemmen können. Für eine Deutsche Meisterschaft können sich Clubs bewerben. Wer die nötige Infrastruktur hat, kann sicher sein, ein oder zwei Jahre später den Wettkampf zu bekommen.

Michael Heilingbrunner kennt sich auf dem Starnberger See aus.
Michael Heilingbrunner kennt sich auf dem Starnberger See aus. (Foto: Benjamin Engel)

Diese Infrastruktur hat der AmSC-Sail also offensichtlich.

Wir haben 13 Korsare auf unserem Clubgelände liegen. Wir haben viele aktive Korsar-Segler. Das Schöne ist die Gemeinschaft, die dadurch entsteht. Wenn es so viele aus einer Bootsklasse gibt, steigert das natürlich die Chance erfolgreich zu sein.

Im Gegensatz zum Walchensee gilt der Starnberger See als Schwachwindrevier, die Verhältnisse als unbeständiger. Was macht den Reiz aus, dort zu segeln?

Der Starnberger See ist seit Jahrzehnten mein Heimatrevier. Ich bin schon überall gesegelt, wo es mal keinen Wind gab, ob am Wörthsee oder in Travemünde, wo das womöglich niemand erst einmal so erwartet. Wir hatten auch schon ein ganzes Wochenende, wo der See nur spiegelglatt war. Dass es überhaupt keinen Wind während einer Regatta gibt, kommt vor, ist aber ungewöhnlich. Vor Ammerland haben wir aber gute Bedingungen. An dieser Stelle ist der Starnberger See vier Kilometer breit. Das garantiert ungestörte Windverhältnisse. Neben dem Chiemsee zählt der Starnberger See zu den sehr guten Segelrevieren in Bayern.

Wirklich?

Ja. Im Grunde ist für mich das Segelrevier aber gar nicht so entscheidend. Das ist mir eigentlich egal. Ich finde das Ambiente in einem Klub ganz wichtig, also welches Gelände ist am schönsten, wo gibt es den schönsten Sonnenuntergang, welche Ausrichtung hat der Klub.

Was macht den für Sie die Sportart Segeln so reizvoll?

Das Schöne ist, dass jeder auf sich allein gestellt ist. Es gibt keine technischen Hilfsmittel außer vielleicht einer Stoppuhr und der Sonnenbrille. In der Korsarklasse ist das Material für jedes Team gleich.

„Es kommt darauf an, konstanz gut zu fahren.“

Was ist denn die besondere Herausforderung an einer deutschen Meisterschaft?

Bei acht oder neun Wettfahrten kommt es darauf an, konstant gut zu fahren. Wer regelmäßig unter die Top 5 kommt, zählt zu den Titelaspiranten. Mit 49 angemeldeten Teams ist es ein schönes Feld. Vor allem am Start will sich jeder in die beste Position bringen. Da vorn zu sein, ist die Basis für einen Sieg im Rennen. Da zählen qualitative Erfahrungsunterschiede. Das ist spannend und macht den Spaß aus.

Bereiten sie sich auf eine deutsche Meisterschaft intensiver vor als auf andere Regatten?

Ich segle schon seit 1988 in der Korsarklasse. Ich trainiere nicht mehr extra. Entscheidend ist mentales Training, dass der Kopf zur Ruhe kommt und die Gedanken frei werden. Das ist eine Frage der Konzentration, der Fähigkeit Dinge einfach einmal stehen lassen zu können. Das ist wichtiger als das Training an Bord. Womöglich wird das aber bei der aktuellen deutschen Meisterschaft schwieriger, weil es am Clubgelände alles Mögliche zu organisieren gibt.

Mit ihrer Vorschoterin sind sie ein eingespieltes Team. Das ist sicher von Vorteil?

Mit Ute Rogers segle ich seit 30 Jahren im Team. Das ist schon außergewöhnlich lange. Das werden wir auch feiern. An der Korsarklasse ist das Schöne, dass es sehr viele gemischte Mannschaften gibt. Ich bin auch schon mit meiner Frau und meinen Kindern gesegelt. Das ist wie eine große Familie. Jung und Alt segeln zusammen. Ich habe selbst drei Kinder. An unserer deutschen Meisterschaft ist die Familie mit drei Booten vertreten.

Gibt es untereinander einen Konkurrenzkampf, wer schneller ist?

In unserem Segelklub gibt es viele Familien, in denen die Eltern in der Korsarklasse angefangen haben und inzwischen auch die Kinder segeln. Meine Kinder sind zwischen 25 und 28 Jahren alt. Es gibt schon familieninterne Duelle. Meine Kinder wollen natürlich schneller sein als der Papa. Das ist das große Ziel der Jugend und kommt immer wieder auch vor. Da muss man ganz ernsthaft dagegenhalten.

So eine mehrtägige Meisterschaft ist auch ein soziales Ereignis. An den Abenden feiern die Teilnehmer doch sicher ein bisschen. Übertreibt es der eine oder andere schon einmal damit?

Dass der ein oder andere ein wenig mehr Alkohol am Abend trinkt, kommt schon vor. Manche scheint das bei den Wettkampffahrten am nächsten Tag sogar zu beflügeln. Die sind dann besonders locker. Bei mir persönlich hätte das aber den gegenteiligen Effekt.

Was ist denn Ihr persönliches Ziel für die Meisterschaft?

Unter die Top fünf zu segeln, ist mein Ziel. Die Leistungsdichte ist aber relativ groß. Von den um die 50 Teams fallen mir sofort sieben, acht oder neun ein, die gewinnen können. Das hängt immer von der Tagesform ab. Segeln ist aber nicht wie Fahrradfahren, das man einmal lernt und dann beherrscht. Das ist eine sehr komplexe Sportart mit wechselnden Windstärken und -richtungen. Keine Situation gleicht der anderen. Erfahrung spielt eine große Rolle.

Wie viele Regatten segeln Sie denn im Jahr?

Ich bin 58 Jahre alt. Ich habe noch mit dem Segelfliegen angefangen. Inzwischen sind es so fünf, sechs Regatten im Jahr. Bei meinen Kindern sind es 14 bis 15. Ich fahre inzwischen nicht mehr etwa für eine Woche nach Frankfurt. Ich habe keine Lust mehr, so viel Zeit auf der Autobahn zu verbringen.

Ihre Tochter Theresa ist bei den Korsaren derzeit auf Ranglistenplatz Eins, Sie auf Zwei. Zählen sie damit beide zu den Favoriten bei der Deutschen Meisterschaft 2025?

Das werden wir sehen. Es gibt schon noch einige andere, die gewinnen können. Aber Sie könnten mir ja die Daumen drücken.

Wer zum Favoritenkreis zählt

Die Regatta zur Deutschen Meisterschaft in der Korsarklasse 2025 ist laut Christina Heilingbrunner vom AmSC-Sail so offen wie lange nicht. Denn Uti und Frank Thieme, (Berliner Yacht-Club/Potsdamer Yacht-Club), die im Team seit 2020 ungeschlagen blieben, nehmen nicht teil. Dafür sind andere erfahrene Duos wie Sippel/Oberemm, Barth/Broy, Grass/Schwab, Braun/Kruck und Heilingbrunner/Rogers im Fokus. Die Teams Pauer/Heilingbrunner und Klug/Klug zählen zu den Geheimtipps. 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind unter 30 Jahre alt. Mit dabei sind auch die Erstplatzierten bei den diesjährigen österreichischen Meisterschaften am Mattsee, Theresa und Max Heilingbrunner (AmSC).

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