Viel Herzblut stecken Privatpersonen, Kommunen und Vereine in den Erhalt ihrer Baudenkmäler. Der Freistaat Bayern würdigt diesen Einsatz mit dem Verleih der Bayerischen Denkmalschutzmedaille. Unter den 16 Preisträgern befinden sich in diesem Jahr auch zwei aus der Region München: Geehrt wurden die Stadt Freising mit ihrer langwierigen Sanierung des Asamgebäudes und der Verein für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel für den Erhalt des Schusterhauses. „Ihr Einsatz bewahrt unsere Denkmalschätze, macht sie fit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und bereichert das Leben vor Ort auf ganz besondere Weise“, würdigte Kunstminister Markus Blume jüngst während der Verleihung der Medaillen das Engagement der Preisträger.
Die Medaille selbst ist nur von ideellem Wert. Geld ist allerdings schon zuvor in Form von Zuwendungen geflossen. Der Freistaat stellte 2024 und 2025 jeweils insgesamt etwa 66 Millionen Euro für die Denkmalpflege bereit.
Unter den 16 Preisträgerinnen ist der Verein für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel vertreten. Etwa 7000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit flossen in den Erhalt des über 350 Jahre alten Schusterhauses von 1581 im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, berichtet der Vorsitzende Max Leutenbauer. Er freut sich sehr über die Anerkennung: „Es waren große Herausforderungen, die wir aber im Team gut gemeistert haben – von echter Drecksarbeit beim Räumen über Schwerstarbeit beim Aushub im Stall per Hand mit Schaufel, Pickel und Schubkarre bis hin zu den planerischen Aufgaben, bei denen uns unser Architekt und Vereinsmitglied Michael Holzer maßgeblich unterstützt hat.“

Das alte Schusterhaus an der Bahnhofstraße 12 in der oberbayerischen Gemeinde Kochel am See ist ein ganz besonderes Gebäude. Zehn Generationen von Schustern haben in diesem einfachen, aber geschichtsträchtigen Haus gelebt. Seit seiner Errichtung im Jahr 1581 diente das Haus nicht nur als Wohnhaus, sondern ab 1647 auch durchgehend als Schusterwerkstatt.
Innen sieht es aus, als habe der Schuster nur kurz den Raum verlassen. Die preisgekrönten „Schatzhüter Bayerns“, wie sie Minister Blume getauft hat, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die originale Ausstattung durch den Erhalt des Gebäudes zugänglich zu machen. Zu den Stücken, die über Jahrhunderte hinweg bewahrt worden sind, gehören eine vollständige Werkstatt mit alten Schustermaschinen – etwa eine Lederweichmaschine und eine Singer-Nähmaschine –, aufgestapelte Schuhkisten und zahllose handgeschriebene Rechnungen auf dem Dachboden.

Das Gebäude ist ein einzigartiges Denkmal der lokalen Handwerks- und Alltagsgeschichte. Nach dem Tod des letzten Bewohners, Josef Schöfmann – in der Gemeinde liebevoll „Schuster-Sepp“ genannt – im Jahr 2010, erwarb die Gemeinde das stark sanierungsbedürftige, unter Denkmalschutz stehende Haus im Ortszentrum. 2018 begann schließlich die umfassende Restaurierung. Rückblickend sagt Leutenbauer: „Es lag nahe, dass wir uns für diesen Teil der Ortsgeschichte Kochels begeistert haben.“
Daher habe sich der Verein direkt in das Projekt gestürzt. Dank finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie der umfangreichen Eigenleistung der rund 70 Vereinsmitglieder konnte das Haus originalgetreu wiederhergestellt werden. Es habe sehr wohl Momente gegeben, in denen die Sanierer daran gezweifelt hätten, ob das Projekt gelingen würde. „Mehrere schlaflose Nächte“, habe er gehabt, sagt Leutenbauer. „Das weiß nur, wer so etwas schon einmal in Angriff genommen hat.“ Der Rückhalt im Team sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen.
Seit 2024 lädt das Schusterhaus als Museum mit einem kleinen Café Besucherinnen und Besucher zu einer Zeitreise bis zurück ins 16. Jahrhundert ein und lässt die Geschichte des Hauses und des Schusterhandwerks lebendig werden. Leutenbauer sagt stolz: „Das Schusterhaus ist zu einem Treffpunkt für Alt und Jung, für Einheimische und Gäste geworden – und heute aus der Dorfgemeinschaft nicht mehr wegzudenken.“
Einen besonders großen Einsatz zum Denkmalschutz hat die Stadt Freising vollbracht. Feuchtigkeit in den Wänden, verrottete Holzpfeiler und eine einsturzgefährdete Decke – diese niederschmetternde Diagnose ergaben Untersuchungen im Jahr 2012 für das dortige Asamgebäude. Die Sanierung des von 1695 bis 1758 errichteten Lyzeums war längst überfällig – das Gebäude hatte seit 200 Jahren nie jemand generalsaniert.
Besonders prekär war der Zustand das Deckengewölbe im Theatersaal, durch den sich ein Riss zog. Bröckelnder Putz drohte auf die Zuschauer zu fallen, weshalb die Stadt im Jahr 2014 den Theatersaal kurzfristig sperrte. Der Stadtrat entschied sich dann gemeinsam mit Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher für die aufwendige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Unter Leitung der Architekten Anton Mang und Christoph Wollmann nahm man sich des Mammutprojektes an.

Es folgten 15 Jahre Planung und sieben Jahre Bauzeit. Letztendlich waren etwa 65 Millionen Euro nötig, um die sehr aufwendigen Bauarbeiten zu stemmen. Vor allem aufgrund des ungünstigen Baugrunds – das Asamgebäude steht auf nassem Schwemmland. Die Innenstadt-Baustelle erforderte sogar temporäre Sperrungen der Hauptstraße. Lieferung und Montage eines 300-Tonnen-Baukrans mit 45 Meter langem Ausleger wurden zu einem spektakulären Ereignis, bei dem sogar Industriekletterer im Einsatz waren.

Über die Würdigung mit der bayrischen Denkmalschutzmedaille sagt Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher: „Die Auszeichnung ist für mich eine große Ehre, aber auch ein gemeinsamer Erfolg für viele engagierte Menschen.“ Damit werde nicht nur der hohe denkmalpflegerische Anspruch der Sanierung gewürdigt, sondern auch „das Durchhaltevermögen, das wir alle für dieses Projekt gebraucht haben“.
Das ehemalige fürstbischöfliche Lyzeum ist ein bedeutendes Beispiel barocker Baukunst mit weitgehend erhaltener Originalsubstanz. Die imposante Vierflügelanlage mit ihrer markanten Fassade prägt das Stadtbild. Namensgeber ist Georg Asam, der 1709 gemeinsam mit Niklas Lichtenfurtner das Deckenfresko im Festsaal schuf – dem heutigen Asamsaal, kulturelles Herzstück des Gebäudes. „Das Asamgebäude ist ein Stück Identität für Freising“, sagt Bügermeister Eschenbacher. Es sei nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort, der die bewegte Geschichte der Stadt zeigt. Warum sich Denkmalschutz lohnt? „Ein Denkmal kann man sehen, spüren, erleben. Es erzählt Geschichten, ohne Worte, manchmal eindringlicher als ein ganzes Buchregal.“

Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2024, in dem Freising die Ankunft des Bistumsgründers Korbinian vor 1300 Jahren feiert, wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Entstanden ist ein einzigartiges Kultur- und Bürgerzentrum mit Theatersaal, Stadtmuseum, Restaurant, Café und Vinothek. Es verbindet historische Bausubstanz mit moderner Architektur. „Das Asamgebäude zeigt, dass Denkmalschutz nicht rückwärtsgewandt ist, sondern Zukunft gestaltet, mitten in unserer Stadt“, sagt der Freisinger Oberbürgermeister.




