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Denkmalschutz in Lenggries:Historisches Haus für die Zukunft

Das ehemalige Gasthaus zur Post in Lenggries wurde kernsaniert.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Umbau des ehemaligen Gasthofs Post im Herzen von Lenggries ist nach zwei Jahren harter Arbeit fast fertig. Unten spielen schon die Kleinen, oben tagen bald die Gemeinderäte. Denkmalschutz und Moderne gehen Hand in Hand, zeigt ein erster Rundgang.

Von Petra Schneider

Noch sind im ehemaligen "Gasthof Post" in der Lenggrieser Marktstraße die Handwerker zugange, im neuen Kindergarten im Erdgeschoss spielen schon Kinder. Nach zwei Jahren ist der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes nun fast abgeschlossen. Ein Kraftakt, auch finanziell. Inklusive Planung kostet das Projekt gut acht Millionen Euro, 3,3 Millionen fließen aus verschiedenen Fördertöpfen. Es hat sich gelohnt, das Haus, das erstmalig 1693 in der Ortschronik erwähnt wird, ist ein Schmuckstück geworden. Das sieht auch die Bayerische Architektenkammer so, die den Umbau für die diesjährigen "Architektouren" als beispielhaftes Projekt ausgewählt hat. Im Juni soll es einen Tag der offenen Tür geben.

"Wie viel Arbeit da drin steckt, kann man sich kaum vorstellen", sagt Karl Ertl vom technischen Bauamt, der das Projekt leitet. Insgesamt 700 Tonnen Schutt haben die Bauarbeiter entfernt, das Gebäude wurde komplett entkernt. Beim ersten Eindruck dominieren nun großzügige Flure, ein Blickfang sind die Fliesen im Art-Deco-Stil. Im gesamten Haus ist Eichenparkett im Fischgrätmuster verlegt, die Treppenstufen und Geländer sind zum Teil noch original aus Eichenholz. Denkmalgerechte Sanierung geht Hand in Hand mit modernster Technik: Beamer und Monitor im neuen Mehrzwecksaal, kabellose Mikrofone für die 24 Gemeinderäte, ein Lichtkonzept, moderne Schalltechnik im Kindergarten, Fußbodenheizung, Aufzug. Das Gebäude ist über das Nahwärmenetz an die Hackschnitzelheizanlage beim Schulkomplex angeschlossen. Das Landesamt für Denkmalpflege genehmigte einen Teilabriss der Tenne, um die nötigen 26 Stellplätze schaffen zu können. Der ursprüngliche Eingang zur Marktstraße hin wurde wiederhergestellt, allerdings nur als Notausgang. Der Eingang zum Kindergarten erfolgt über den Parkplatz von der Westseite aus, der zu den übrigen Räumen über einen Südeingang. Das früher gelbe Gebäude strahlt nun wieder wie auf historischen Fotografien weiß. Der Schriftzug "Gasthaus zur Post" wurde überstrichen, schließlich sei das ja nun kein Wirtshaus mehr, erklärt Ertl. Im Erdgeschoss ist bereits im September der neue Kindergarten St. Jakobus mit zwei Gruppen eingezogen. Im ersten Stock wurde der ehemalige Postsaal wiederhergestellt, wo von März an die Gemeinderatssitzungen stattfinden sollen. Auch Trauungen oder kleinere Veranstaltungen für bis zu 100 Personen sollen dort möglich sein. Nach wie vor stehe aber auch der historische Sitzungssaal im Rathaus für Trauungen zur Verfügung, sagt Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG). Im neuen Mehrzwecksaal ist eine kleine Küche angegliedert, aber eine Bewirtung wird es dort nicht geben. "Wir wollen dem Alpenfestsaal keine Konkurrenz machen", betont Ertl. Das historische "Bühnenhaus", wo früher die Musikkapellen spielten, wurde wiederhergestellt.

Der neue Kindergarten im Erdgeschoß des historischen Gebäudes ist bereits seit September 2020 in Betrieb.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im zweiten Stock stehen statt der ehemaligen Hotelzimmer nun vier Einheiten für Büros oder Praxen mit jeweils 36 Quadratmetern zur Verfügung, die einzeln oder zusammen vermieten werden können. An diesem Konzept will man festhalten, auch wenn es im Gemeinderat kürzlich Stimmen gab, die sich für Wohnungen ausgesprochen hatten, weil Büros nur schwer zu vermieten seien. Ertl hat diesbezüglich keine Bedenken. "Es gibt Anfragen, und wir haben keinen Zeitdruck." Wohnungen wurden im Dachgeschoss eingebaut; eine 100 Quadratmeter große auf der Ostseite und eine 120 Quadratmeter große Westwohnung mit Karwendelblick. Sie werden mit Mitteln aus dem Wohnraumförderprogramm bezuschusst und müssen deshalb an einkommensschwächere Familien mit Kindern vermietet werden. Sie sollen spätestens Mitte März bezugsfertig sein, Bewerber könnten sich im Rathaus melden, sagt Ertl.

Großzügige Flure und Fliesen im Art-Deco-Stil, Eichenparkett im Fischgrätmuster: So sieht es aktuell innen aus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das ortsprägende Gebäude aus dem 17. Jahrhundert hat eine lange Geschichte. Es wurde ursprünglich als Waisenhaus gebaut - "insofern geht der Kindergarten wieder zum ursprünglichen Zweck zurück", sagt Ertl. Später beherbergte es die Posthalterei, danach Gasthof und Hotel mit etwa 50 Zimmern. Auch eine Metzgerei mit eigener Schlachtung gehörte bis Ende der 1980er Jahre dazu. Als der Eigentümer aufhören und den Hotel-Gasthof zu einem reinen Wohnhaus umbauen wollte, kaufte die Gemeinde das Gebäude im Jahr 2013. Denn im Zentrum solle Leben sein, und nur Wohnungen, das würde eine Verödung der Marktstraße mit sich bringen, hatte Altbürgermeister Werner Weindl (CSU) stets argumentiert. Lieber wollte man eine gemischte Nutzung mit Wohnungen, Mehrzwecksaal, Gewerbe und Gastwirtschaft. Weil sich für die gewünschte Gastronomie im Erdgeschoss aber kein Pächter fand, entschied sich der damalige Gemeinderat für einen Kindergarten. Unumstritten war diese Entscheidung nicht; der Garten sei zu klein, der Standort wegen des Verkehrs zu gefährlich für die Kinder, hieß es. Kindergartenleiterin Maren Lausberg sieht das anders. "Wir sind sehr zufrieden mit dieser wunderschönen Einrichtung", sagt sie. Die Lage mitten im Ort sei ideal. Lenggries biete so vieles - die Isar und den Spielplatz, den Kurpark, "wir können mit den Kindern alles in fünf Minuten erreichen." Der St. Jakobus-Kindergarten ist eine integrative Einrichtung mit barrierefreier Ausstattung, eine Erzieherin des fünfköpfigen Teams sitzt im Rollstuhl. Ertl ist froh, dass der Umbau nun fast geschafft ist. "Auf so ein Projekt kann man als Gemeinde schon stolz sein", findet er.

Bürgermeister Stefan Klaffenbacher freut sich schon auf seinen neuen Sitzungssaal.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
© SZ vom 05.03.2021
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