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Deining:Spagat zwischen Tradition und Moderne

Neue Bauvorhaben entzweien den Eglinger Gemeinderat. Der Ortsteil Deining etwa verändert sich durch die Immobilienentwicklung und ist damit typisch für den Siedlungsdruck im Münchner Süden

Pittoresk und schmuck ist die Ortschaft Deining, jener Teil der Gemeinde Egling, der direkt an den Landkreis München angrenzt - und so mancher Einwohner würde wohl sagen: noch. Denn der Siedlungsdruck, den der Landkreis längst empfindlich spürt, ist hier besonders deutlich. In der Folge ist das oberbayerische Dorf inzwischen für Immobilienentwickler höchst interessant. Die einen freut es, denn damit könnte auch dringend benötigter Wohnraum für Einheimische entstehen, so die Hoffnung. Andere wiederum sehen weiter steigende Preise durch Spekulanten und warnen davor, dass die Bauvorhaben dem Dorfcharakter nachhaltig schaden könnten. Ein Zwiespalt, der sich längst nicht mehr nur an Stammtischen und in Familien bemerkbar macht, sondern auch zu deutlichen Spannungen im lokalpolitischen Gremium führt. Zwei der großen Fragen dabei: Soll die Nachfrage alleine weiter den Markt und damit die Zukunft eines Dorfes bestimmen und was soll und kann eine Ortsgestaltungssatzung regeln?

Diese Fragen, die mit der wachsenden Wohnungsnot bei steigenden Grundstücks- und Immobilienpreisen bereits in vielen Kommunen des Landkreises thematisiert werden, wurde im Eglinger Gemeinderat kürzlich wie exemplarisch debattiert. Anlass war die Entscheidung zu einem der umstrittenen Bauprojekte im Ortsteil Deining - das letztlich auch genehmigt wurde, trotz fünf Gegenstimmen. Auf einem etwa 4000 Quadratmeter großen Grundstück an der Alten Tölzer Straße, also mitten an der Ortsdurchfahrt, sollen Wohnhäuser entstehen. "Die Fläche hat eine gewisse Historie", sagte dazu Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW). 2015 hatte es dort nämlich bereits einen genehmigten Vorbescheid für zwei Doppelhäuser gegeben. Dann aber wurde das private Baugrundstück verkauft, eine Teilung in drei Flurnummern folgte. Der neue Eigentümer legte daraufhin einen Antrag für drei Landhäuser vor - die ebenfalls genehmigt wurden, trotz Diskussion und der Bedenken einiger Gemeinderäte. Doch statt eines Baubeginns wurde das Areal in der Zwischenzeit abermals verkauft. Nun also folgte Antrag Nummer drei des neuen Eigentümers, und zwar auf drei Doppelhäuser, auf jeder Flureinheit eines. "Es ist nun mal eine Fläche, mit der spekuliert wurde, deshalb die immer wieder neuen Voraussetzungen", sagte Oberhauser.

Den Eglinger Ortsteil Deining prägen noch alte Bauernhäuser entlang der Durchfahrtsstraße. Neue Bauprojekte tragen eher modernen Ansprüchen Rechnung. Ob und wie tradiertes Ortsbild und die Schaffung von mehr Wohnraum auf einen Nenner kommen können, wird heiß diskutiert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das aber passte nicht allen: "Was mich hauptsächlich stört ist, dass es sich um eine Bauträgerplanung handelt. Die Häuser schauen alle gleich aus, das ist nicht dörflich", kritisierte Michael Neubauer (CSU). Er stelle sich "grundsätzlich die Ortsentwicklung von Deining so nicht vor". Dass es dort keinen Bebauungsplan gebe, stelle sich ihm zufolge als großes Manko heraus. Das Grundstück liegt Oberhauser zufolge im unbeplanten Innenbereich von Deining und Bauten müssten sich deshalb nach Art und Maß der Umgebung anpassen. Das täten sie aber nicht, gab auch Hans Spindler (parteifrei) zu bedenken. "Das sind drei völlig identische Häuser, und die Bebauung ist so dicht, dass es von der Straße aus wie ein durchgehender Riegel ausschaut." Zudem solle dort der Boden aufgeschüttet werden, was die Doppelhäuser höher stehen lasse: "Das ist gegenüber den bestehenden Häusern bestimmt nicht schön", monierte er. Peter Gröbmair (VB) indes fand die Häuser gelungen und sinnvoll. "Im Einheimischenmodell bringen wir ja nichts zustande", sagte er, da könnten solche Bauten eine Alternative sein: "Und je kleiner solche Einheiten sind, desto eher kann es sich auch eine Familie hier noch leisten." Auch wenn die Häuser konform gehen mit der Ortsgestaltungssatzung, wie Oberhauser betont - "kann man darin nicht regeln, dass nicht lauter gleiche Baukörper entstehen?", fragt sich Neubauer.

Gröbmair stört sich indes an einem anderen Deininger Bauprojekt und hielt damit die Debatte am Kochen: "Wir wollen doch unseren jahrhundertealten Baustil beibehalten. Wir haben dazu die Ortsgestaltungssatzung neu gefasst, uns die Köpfe zerbrochen in Klausurtagungen, aber das da, das ist artfremd, wie ein Starenhäusl". Kritik, die bei den Ratskollegen auf Unverständnis stieß: "Vorher haben wir eine Bauträgerplanung mit drei völlig gleich aussehenden Doppelhäuser durchgewunken und jetzt höre ich etwas von der Ortsgestaltungssatzung und einem jahrhundertealten Baustil, wo es um ein einzelnes Fenster geht", stöhnte Neubauer. Das gehe für ihn "nicht mehr zusammen."

Auf einem Grundstück direkt an der Ortsdurchfahrt Deining sollen statt drei Landhäusern nun drei Doppelhäuser entstehen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eine Debatte, die Stefan Kießkalt (VB) indes "völlig daneben" fand: "Im Gemeinderat wird diskutiert über die Frage rechtlich ja, nein, fertig." Gröbmairs ironisches Fazit jedoch, nachdem auch dieses Bauprojekt mehrheitlich durchging: "Wir sollten die Ortsgestaltungssatzung irgendwann über den Jordan schmeißen. Die Bayerische Bauordnung scheint ja völlig zu genügen."