Umweltschutz beim Wandern:Ein Bett für jeden Klimaschützer

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Umweltschutz beim Wandern: Auf der Tölzer Hütte können DAV-Mitglieder umsonst übernachten, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Auf der Tölzer Hütte können DAV-Mitglieder umsonst übernachten, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

(Foto: Andrea Rosin/o.H./DAV Sektion Tölz)

In der Tölzer Hütte am Schafreuter können Alpenvereinsmitglieder, die öffentlich anreisen, umsonst übernachten. Die Aktion kam in diesem Sommer gut an - auch dank des Neun-Euro-Tickets.

Von Veronika Ellecosta

Auf dem Sattel zwischen Schafreuter und Delpsjoch neigt sich die Bergsaison langsam dem Ende zu. Noch etwa ein Monat bleibt den Bergfreunden aus München und Tirol, um die Tölzer Hütte zu erwandern, auf der großen Aussichtsterrasse bei Schorle und Radler Rast zu machen und den Blick über die Karwendelgipfel schweifen zu lassen, wo die Sonne sich jetzt schon jeden Tag ein bisschen früher senkt.

Den Sommer über hat die Sonne ganze Arbeit geleistet und den Hüttenwirtinnen und -wirten der Alpen viele schöne Tage geschenkt - bei bestem Bergwetter. Aber nicht nur aus diesem Grund blicken Mathias Petter und Miriam Däubler von der Tölzer Hütte zufrieden auf die diesjährige Sommersaison zurück. 2020 startete der Deutsche Alpenverein (DAV) in ausgewählten Hütten die Aktion "Freie Nacht fürs Klima". Mitglieder können demnach einmal kostenlos auf teilnehmenden Hütten übernachten, sofern sie nachweisen können, dass sie mit Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind. In diesem Sommer wurde das Projekt ausgeweitet, 50 der insgesamt 190 bewirtschafteten Hütten im DAV- Besitz haben sich an der Aktion beteiligt - darunter auch die Tölzer Hütte, die sich zwar auf Tiroler Seite befindet, aber der Tölzer DAV-Sektion untersteht.

"Die benachbarte Lamsenjochhütte und Falkenhütte sind auch bei der Aktion dabei und wir wollten den Bergsteigern so ein flächendeckendes Angebot machen", erklärt Mathias Petter am Telefon die Entscheidung, bei der Freien Nacht fürs Klima mitmacht. Der Paznauner und die Allgäuerin betreiben die Hütte in der ersten Saison. Insgesamt 73 Übernachtungsplätze werden hier in Matratzenlagern, Mehrbett - und Zweitbettzimmern angeboten. Die Gäste hätten die Aktion bisher gerne angenommen, fährt Petter fort: "Die Leute sehen es, merken es und nutzen es." Etwa zehn bis 15 Prozent der Nächtigungen auf der Tölzer Hütte gehen auf die Klimaaktion des DAV zurück, schätzt er. Das sind 200 bis 300 Personen, seit die Aktion mit Ende Juli angelaufen ist.

Auch jenseits der Mobilitätsfrage nimmt die Tölzer Hütte in Sachen klimafreundlicher Bergtourismus eine Vorreiterrolle ein: In den vergangenen Jahren wurde die Hütte saniert und modernisiert, besitzt nun eine Photovoltaikanlage, ein Bockheizkraftwerk und eine Materialseilbahn, die mit Rapsöl betrieben werden kann, sowie eine biologische Abwasseraufbereitungsanlage. 2016 wurde die mittlerweile hundertjährige Vereinsunterkunft mit dem hauseigenen DAV- Umweltgütesiegel ausgezeichnet.

Bei den Bemühungen des Alpenvereins, mit öffentlicher Anreise beim Wandern Alpen und Klima zu schonen, spielt der Tölzer Hütte gewiss ihre geografische Lage in die Hände. Sie ist öffentlich gut erreichbar, etwa mit dem Bergsteigerbus über Lenggries bis zur Haltestelle Fall. Besonders im August nutzten viele Gäste die DAV-Aktion auf der Hütte, weil es zusätzlich das Neun-Euro-Ticket gab und die Deutschen so besonders günstig anreisen konnten, wie Petter sagt. Im September war es damit zwar vorbei, aber auch das verhältnismäßig günstige Bayernticket für den Regionalverkehr werde von den Gästen gerne genutzt. "Für mich als Hüttenwirt ist das toll."

Die bisher weitgehend regnerischen Septembertage haben den Herbst über das Karwendel gebracht und damit auch die Übernachtungsgäste zurückgedrängt. Geblieben sind die Tagesgäste. Bis zum 16. Oktober, dem Saisonschluss der Tölzer Hütte, sind es noch wenige Wochenenden. Ob die Übernachtungsaktion auch im kommenden Jahr fortgeführt wird, sei noch unklar, heißt es vom DAV. Weil sie noch bis Ende des Jahres gilt, kann der Erfolg erst im Anschluss vollständig ausgewertet werden. Erst danach könne man über Pläne fürs kommende Jahr entscheiden. Die Tölzer Hütte wäre prinzipiell wieder mit dabei, sagt Petter.

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