Das Spiel des Frauenmörders Der erste Schäftlarn-Krimi

Gerhard Etzel diktiert seine Texte direkt in sein Laptop. Dazu setzt er sich gerne in seinen Garten im Schäftlarner Ortsteil Zell.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Psychologe und ehemalige Kommunikationstrainer Gerhard Etzel schickt seinen Kommissar Danner auf Ermittlungen in der Region. Sogar die Wadlhauser Windräder kommen vor. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Von Ingrid Hügenell, Schäftlarn

Wer heute ein Buch veröffentlichen will, ist nicht mehr auf einen Verlag angewiesen. Über Amazon oder Books on Demand kann man seine Texte selbst auf den Markt bringen. Gedruckt wird immer nur das Exemplar, das gerade von einem Kunden angefordert wurde. Und selbst tippen muss man auch nicht mehr. Gerhard Etzel diktiert seine Texte direkt dem PC. Den geschriebenen Text müsse man auch korrigieren, sagt der Schäftlarner, das sei aber weniger Aufwand, als wenn er selbst schreiben müsste.

Entstanden ist so der Schäftlarn-Krimi "Das Spiel des Frauenmörders." Etzel erzählt darin die Geschichte des fiktiven Schäftlarners Tobias Hartmann, eines eher erfolglosen Autors von Kriminalromanen, der sich auf ungewöhnliche Weise Publicity verschafft. Die Hauptfigur ist jedoch der Polizeibeamte Achim Danner, der in dem Fall ermittelt. Er spielt in München und in Schäftlarn, das verschafft dem Roman einiges an Lokalkolorit, sogar die Windräder in den Wadlhauser Gräben tauchen auf. Was eigentlich ein harmloses Spiel sein sollte, entwickelt sich zu blutigem Ernst, als ein erster Mord geschieht.

Gekonnt spielt Etzel mit zwei Erzählsträngen, und hat dazu noch ein Buch ins Buch integriert: Den Kriminalroman "Der Frauenmörder" von Hugo Bettauer aus dem Jahr 1922, laut Etzel ein "wirklich fantastischer, kreativer Kriminalroman". Den habe er zunächst nacherzählen wollen, aber rasch festgestellt, dass das nicht möglich war. So verlegte er die Handlung in die Gegenwart und modernisierte sie entsprechend den Fortschritten in den Ermittlungstechniken. Das Ergebnis liest sich wirklich spannend, vor allem die Figuren erweisen sich als stimmig - kein Wunder, der Autor ist schließlich Kommunikationstrainer im Ruhestand. Der promovierter Psychologe hat zudem Erfahrung als Autor, von Fachbüchern wie von Krimis. Für seine Kommunikationstrainings hat der 69-Jährige mehrere Mitspielkrimis geschrieben, die er in seinen Seminaren für Teams eingesetzt hat. Es gehe dabei darum, Problemlösungsprozesse einzuüben, erklärt Etzel. Bei den Krimispielen befragten sich die Leute gegenseitig, sie holten Meinungen ein, sammelten Informationen, bewerteten diese und entwickelten schließlich Hypothesen zum Täter.

Ähnlich seien die Abläufe in Firmen, wenn es etwa darum gehe herauszufinden, wer einen schwerwiegenden Fehler gemacht habe. Da sage auch nicht jeder immer die volle Wahrheit. "Beim Krimi gibt es auch Leute, die was zurückhalten im eigenen Interesse", sagt Etzel. In den Seminaren wird nach den zwei- bis dreistündigen Spielen darüber gesprochen, wie man mit den gezeigten Verhaltensweisen sinnvoll umgehen könne. "Man lernt auch die Wirkung der gesprochenen wie der Körpersprache kennen", sagt Etzel. Er hat sich vor fast einem Jahr aus der aktiven Beratung zurückgezogen und leitet selbst keine Seminare mehr, berät aber noch Kollegen, und auch seine Mitspielkrimis werden noch verwendet. Zuweilen auch von Privatleuten, die zum Spaß spielen wollen. "Wer hat Yvonne ermordet?" heißt so ein Aktionskrimi für sechs Personen, der sich für private Krimi-Dinners eignet.

Da der Autor so viel Erfahrung mit echten Menschen und ihrem Verhalten mitbringt, sind auch die Figuren im ersten echten Krimi sehr überzeugend geraten. Allerdings hätte dem Text ein gründliches Lektorat gut getan. Vor allem in der allerersten Ausgabe fanden sich so viele Fehler, dass manche Käufer aufgebrachte E-Mails schickten. Etzel ersetzte die fehlerbehafteten Exemplare durch solche aus der neueren Ausgabe, die besser korrigiert ist. Dennoch - mache Unsauberkeiten und überflüssige Sprachklischees sind geblieben, die ein Lektor vermutlich entfernt hätte. Doch das Lektorat hätte Etzel zufolge etwa 800 Euro gekostet - und das sei ihm zu viel gewesen. Schließlich war das "Spiel des Frauenmörders" eher ein Ausprobieren, ein Spiel mit der Form. Und dann sollte das Buch auch schnell fertig werden, da Etzel damit noch an einem Amazon-Wettbewerb teilnehmen wollte.

Ob er einen weiteren Krimi schreiben wird? Etzel weiß es noch nicht, aber Lust dazu hat er wohl schon. "Der Danner ist ausbaufähig", sagt er. Stimmt, von dem Münchner Kriminalkommissar würde man gerne weitere Geschichten lesen.

Gerhard Etzel: "Das Spiel des Frauenmörders. Ein Spiel in Schäftlarn mit tödlichem Ausgang", 182 Seiten, über Amazon für 7,48 Euro, als E-Book für 2,99 Euro.