Geplanter Schulbau im StadtwaldDaniel Libeskind entwirft Sportgymnasium für Geretsried

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Das Gebäude soll an Isarkiesel erinnern. Kleinere Einheiten gruppieren sich um eine zentrale Sporthalle.
Das Gebäude soll an Isarkiesel erinnern. Kleinere Einheiten gruppieren sich um eine zentrale Sporthalle. Studio Libeskind /oh

Die München Süd Sportschule GmbH legt den Geretsrieder Stadtratsmitgliedern erste Skizzen vor. Ute Hennekes betont aber, dass sich noch einiges ändern könne.

Von Tim Jost, Geretsried

Kieselstein-Design, Grünflächen auf dem Dach und eine Integration in den Stadtwald: Mit diesen Eckpunkten hat Projektleiterin Ute Henneckes erste Skizzen für ein privates Sportgymnasium in Geretsried im Bau- und Umweltausschuss des Stadtrats vorgestellt. Der Entwurf stammt von dem berühmten amerikanischen Architekten Daniel Libeskind (Jüdisches Museum Berlin). Henneckes sprach dabei von einer „lebensverändernden Erfahrung“, als der Amerikaner sich für das Projekt zur Verfügung gestellt habe. „Mit dieser besonderen Architektur kann das Sportgymnasium zu einem zentralen Leuchtturm-Projekt für Geretsried und die Region werden“, sagte Henneckes. Bei der Vorstellung der Planung handele es sich jedoch nur um eine theoretische Konzeption, die im Laufe des Prozesses noch verändert werden könne.

Daniel Libeskind hat nach Ute Hennekes Aussage durch „seine eigene Geschichte als Flüchtling einen Bezug zum multikulturellen Stadtbild von Geretsried“.
Daniel Libeskind hat nach Ute Hennekes Aussage durch „seine eigene Geschichte als Flüchtling einen Bezug zum multikulturellen Stadtbild von Geretsried“. Walter Bieri/dpa

Der Kontakt zum Star-Architekten sei durch Heiko Bonn, den Ideengeber des Sportgymnasiums, zustande gekommen. Henneckes berichtet auf Nachfrage der SZ, dass Libeskind durch „seine eigene Geschichte als Flüchtling einen Bezug zum multikulturellen Stadtbild von Geretsried“ habe. Außerdem lebten seine Enkelkinder in Deutschland. Deshalb wolle er das deutsche Schulbild architektonisch bereichern. Henneckes betont, dass Libeskind sich nicht aus wirtschaftlichen Gründen des Projekts angenommen habe und dass seine Architektenkosten keine finanzielle Mehrbelastung für die München Süd Sportschule GmbH darstellten.

Das Modell des Sportgymnasiums soll an die Kieselsteine der Isar erinnern, um eine naturbezogene Verbindung zu Geretsried zu schaffen. Durch eine hölzerne Optik ist das Design an den Stadtwald angepasst. Das Gebäude ist rund angelegt. Zentral soll eine große Sporthalle liegen, an welche die flexiblen Lernräume angeschlossen werden. Auch sei geplant, dass die begrünte Dachfläche für die Schulkinder und Lehrkräfte begehbar sein werde. Die Dächer sollen nicht nur durch das Gebäude zu erreichen sein, sondern auch durch Rampen, die an den Fassaden errichtet werden.

Als Schulform soll der Projektleiterin zufolge ein staatlich genehmigtes privates Gymnasium entstehen, das Hennekes als „gemeinnützig“ bezeichnet. Enthalten sein soll außerdem eine Ganztagsschule, bei der die Kinder bereits von 6.30 Uhr an betreut werden können. Ausgelegt sei das Gymnasium für Kinder der 5. bis 13. Jahrgangsstufe. Dabei soll es jeweils vier Klassen mit einer Größe von 16 bis 20 Schulkindern geben. Die Projektleiterin betonte, dass nicht nur Kinder aus dem Leistungssport gewählt werden: „Uns ist es wichtig, dass die Kinder viel Sport machen können, auch im Breitensport“, sagte Henneckes.

Bürgerbegehren gegen Rodung wird gerade geprüft

Von dem möglichen Bau der Schule und der besonderen Architektur soll nach den Plänen der Projektleiterin auch die Öffentlichkeit profitieren: „Das Gebäude kann auch für Konzerte, Seminare und Workshops außerhalb der Schulzeiten genutzt werden.“ In der Sporthalle könnten auch Messen oder Bürgerversammlungen abgehalten werden. Generell soll das Schulgebäude öffentlich zugänglich sein; es werde durch Wege an den Geretsrieder Stadtwald angebunden.

Gegen eine Abholzung von Teilen des Stadtwald, die für das Gymnasium nötig sein wird, hat die IG Wald in einem Bürgerbegehren etwa 4500 Unterschriften gesammelt und am vergangenen Montag im Rathaus abgegeben. Da für einen Bürgerentscheid in Geretsried nur 1590 davon notwendig sind, sagte Bürgermeister Michael Müller (CSU) den Initiatoren: „Das Quorum haben Sie erreicht.“ Derzeit prüft das Einwohnermeldeamt die Unterschriften. Der Stadtrat diskutiert am Dienstag, 24. September, erneut über das Projekt.

Dem Bürgerentscheid blickt Henneckes nach ihren eigenen Worten gelassen entgegen. Sie sei froh, dass es in Deutschland die Möglichkeit zu diesem demokratischen Prozess gibt. Die Vorgehensweise der IG Wald störe sie allerdings: „Was wir sehr schade finden, ist, dass Informationen vermittelt wurden, die faktisch schlichtweg falsch sind, wie die Fläche des gerodeten Waldes.“ Die IG Wald spricht von 20 000 Quadratmetern Wald, die für den Bau des Sportgymnasiums abgeholzt werden müssten. Henneckes nennt diese Schätzung jedoch „viel zu hoch“. Eine genaue Zahl konnte sie noch nicht nennen.

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:Offene Frage: Wie viel Wald müsste gerodet werden?

Ute Hennekes, Sprecherin der Initiative für ein privates Sportgymnasium in Geretsried, ist nach eigenen Worten vom Bürgerbegehren nicht beunruhigt.

Von Felicitas Amler

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