Noch sind Peter Plößl und Alfred Fraas Mitglieder des Wolfratshauser Stadtrats. Das aber wird sich voraussichtlich in der ersten öffentlichen Sitzung des Gremiums in diesem Jahr am Dienstag, 15. Februar, ändern. Dann nämlich hat die Vollversammlung über die Rücktrittsgesuche zu entscheiden, die die beiden CSU-Stadträte in der Dezembersitzung in schriftlicher Form an Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) übergeben haben. Dass die Mehrheit gegen ihren Willen für einen Verbleib entscheidet, dürfte höchst unwahrscheinlich sein. Zumal bereits die Nachrückerinnen offiziell bestellt sind: Claudia Drexl-Weile und Renate Tilke sollen die vakanten Plätze in der CSU-Fraktion füllen. Bei der CSU-Fraktion verlässt zudem Susanne Thomas den Stadtrat - aus gesundheitlichen Gründen. Ihr Nachfolger wird voraussichtlich Markus Feigl.
Damit werden drei von fünf Sitzen neu besetzt. Der Fraktion, die im Frühjahr 2020 die neue Legislaturperiode angetreten hat, bleiben nur Sepp Schwarzenbach und Günther Eibl erhalten, der Zweiter Bürgermeister und derzeitig kommissarischer Fraktionsvorsitzender ist. Wie Eibl erklärt, rückt Drexl-Weile für Plößl nach, weil dieser sein Gesuch zur Amtsaufgabe zuerst eingereicht habe. Tilke werde den Sitz von Alfred Fraas übernehmen, der seinen Rücktrittsantrag danach gestellt habe. Eine größere Einarbeitung wird für die beiden Frauen, die auf der CSU-Liste der Nachrücker ganz oben stehen, nicht nötig sein. Schließlich sind beide bekannte Gesichter im Wolfratshauser Stadtrat: Tilke und Drexl-Weile gehörten dem Gremium bis 2020 an, verpassten aber dann bei der jüngsten Kommunalwahl die nötige Stimmenanzahl für den Wiedereinzug.

Beide bestätigen auf Nachfrage, dass sie für die Ämter zur Verfügung stehen. "Ich habe mich auf dem Laufenden gehalten, was die Stadtpolitik angeht", sagt Tilke. Nach zwei Jahren Pause werde sie sich gerne dafür einsetzen, dass es "zu positiven Ergebnissen für Wolfratshausen kommt", erklärt sie - auch wenn die Arbeit des Stadtrats im Vergleich zur vergangenen Legislaturperiode derzeit wegen der Corona-Pandemie unter "erschwerten Bedingungen" stattfinde. Kommunalpolitisch auf dem Laufenden ist auch Claudia Drexl-Weile, die als Vorsitzende des Wolfratshauser CSU-Ortsverbands die Politik ihrer Partei in der Stadt maßgeblich mitprägt. Diese Funktion werde sie auch als Stadträtin vorerst weiter bekleiden, erklärt sie. Als Ortsvorsitzende bedauere sie den Rücktritt von Plößl und Fraas, die als Fraktionssprecher der CSU und Kulturreferent im Stadtrat prägende Rollen hatten. "Das ist natürlich sehr schade", sagt Drexl-Weile. "Ich habe versucht, sie noch mal umzustimmen. Aber ihre Entscheidung stand fest." Auch Eibl spricht diesbezüglich von einem "bedauerlichen Verlust". Peter Plößl und Alfred Fraas hätten schließlich "über viele Jahre großartige Arbeit geleistet - für die Stadt und für die CSU", sagt der Zweite Bürgermeister. Ihre Entscheidung zum Ausstieg aus dem Gremium aber müsse man akzeptieren. "Sie werden ihre persönlichen Gründe haben."
Zu diesen haben sich Plößl und Fraas bislang nicht erklärt. Sie hatten ihre vorbereiteten Rücktrittsgesuche in der letzten Sitzung des vergangenen Jahres völlig überraschend auf den Tisch des Bürgermeisters gelegt - in der kurzen Sitzungspause unmittelbar nach der mehrheitlichen Stadtratsentscheidung, den bis dahin geltenden Beschluss zur Deckelung des städtischen Kostenanteils beim Bau der Surfwelle aufzuheben. Beide hatten zuvor immer wieder betont, dass der festgeschriebene kommunale Anteil von 400 000 Euro beim Bau der Welle für sie eine unabdingbare Bedingung sei, am Projekt festzuhalten.
Über ihre Motivation, die Ehrenämter nach vielen Jahren im Stadtrat niederzulegen, wollen sich die scheidenden CSU-Vertreter jedoch erst nach der Entscheidung des Gremiums Mitte Februar öffentlich äußern. Ob es dazu in der Sitzung Gelegenheit geben wird, ist fraglich. Der Tagesordnungspunkt zu ihren Rücktrittsanträgen werde jedenfalls der letzte sein, dem sie beiwohnen, erklärt Plößl. "Wenn wir per Beschluss entpflichtet sind, werden wir die Sitzung verlassen."

Susanne Thomas hat am Donnerstag bei Bürgermeister Klaus Heilinglechner ihr Rücktrittsgesuch von ihrem Stadtratsmandat abgegeben, wie sie den Fraktionsmitgliedern mitteilt. "Leider muss ich aus gesundheitlichen Gründen diesen Schritt gehen", schreibt sie dazu. "Mit sofortiger Wirkung werde ich somit nicht mehr an den Sitzungen des Stadtrates, des Ausschusses und der Fraktion teilnehmen können." Vor der Kommunalwahl war Thomas Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, hatte das Amt jedoch im Februar 2020 aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Dass sie nun ihr Mandat als Stadträtin abgibt, bedauert Drexl-Weile in ihrem Antwortschreiben, stellt jedoch auch fest, dass "sicherlich auch alle dafür Verständnis haben". Sie bedankt sich bei Thomas für ihr Engagement im Stadtrat und wünscht ihr "eine baldige und vollständige Genesung".
Ein Nachrücker für Thomas ist noch nicht offiziell bestellt. Auf der Liste folgen Markus Feigl und Wolfgang Weichlein auf Tilke - mit gleich vielen Stimmen bei der Kommunalwahl 2020. Günther Eibl erklärt dazu, dass die Partei nach der Wahl Feigl den höheren Platz zugeteilt habe. Eine Nachnominierung stehe aber noch aus.
