Nach der Niederlage gegen Ludwig Schmid (Freie Wähler) in der Stichwahl um das Amt des Landrats von Bad Tölz-Wolfratshausen hat sich die Kreis-CSU getroffen, um das Abschneiden ihres Kandidaten Thomas Holz zu analysieren. Drei Stunden saßen die Christsozialen zusammen. Der Kochler Landtagsabgeordnete bot bei dem Treffen seinen Rücktritt als CSU-Kreisvorsitzender an. Dies lehnte der Vorstand ab.
Holz hatte die Stichwahl mit 39,1 Prozent der Stimmen verloren. „Ich übernehme für das Ergebnis die volle Verantwortung“, schreibt er in einer Pressemitteilung. Vom Kreisverband erhält er aber Rückendeckung: Einstimmig sprach der erweiterte Führungskreis dem 50-Jährigen das Vertrauen aus.
Holz gibt sich selbstkritisch: „Natürlich spielt der Kandidat die zentrale Rolle.“ Er habe zu sehr auf seine lange politische Erfahrung und sein Fachwissen gesetzt – und „meine menschliche Seite zu wenig betont“. Ferner sei es nicht gelungen, die eigenen Wähler aus der ersten Runde für die Stichwahl zu halten. „Mir ist es nicht gelungen, die eigenen Wähler ausreichend zu mobilisieren“, gibt Holz zu. Einen weiteren Grund für seine Niederlage sieht er im „Stichwahl-Phänomen“. So würden Unterstützer anderer Parteien und Gruppierungen ihr Kreuz in der „zweiten Runde“ nicht hinter der CSU machen, glaubt Holz.
Überdies habe er häufiger im Wahlkampf gehört: „Wir wollen jemanden aus dem Norden, weil der dann mal auf uns schaut.“ Für ihn, betont Holz, gebe es nur einen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dass die Kluft zwischen Norden und Süden erneut aufgebrochen sei, finde er „sehr bedauerlich“.
Wegen Söder: Kreisvorsitzender soll an Parteispitze schreiben
All dies mache deutlich, dass das Ergebnis von vielen Faktoren abhängig gewesen sei, erklärt Sabine Lorenz. Die Vorsitzende der Kreisfrauenunion stärkt Holz den Rücken: „Du warst aufgrund deiner Fähigkeiten und deiner Persönlichkeit nicht nur ein ausgezeichneter Kandidat, sondern wärst auch ein hervorragender Landrat gewesen.“

Lorenz macht eine allgemeine Anti-CSU- und Anti-Establishment-Stimmung aus. Vor diesem Hintergrund kritisiert sie Ministerpräsident Markus Söder. Er hatte nach der Kommunalwahl die Ursache für Niederlagen bei falschen Kandidaten, aber nicht in der Parteispitze festgemacht. Der Kreisvorsitzende Holz wurde bei dem Treffen aufgefordert, sich deshalb zeitnah schriftlich an die CSU-Spitze zu wenden.
Zufrieden ist der CSU-Kreisvorstand, dass das zweite Ziel erreicht wurde: Mit 21 Sitzen bleibt die CSU stärkste Kraft im Kreistag Bad Tölz-Wolfratshausen und liegt mit mehr als 347 000 Stimmen vor der zweitplatzierten Fraktion – obwohl die AfD ihre Sitze mehr als verdreifacht hat.

