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Coronavirus in Bad Tölz-Wolfratshausen:Kliniken im Krisenmodus

Noch haben die örtlichen Krankenhäuser Kapazitäten. Allerdings musste bereits ein Haus wegen Corona geräumt werden.

Die Anzahl der Corona-Infizierten steigt auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen signifikant an. An der Asklepios-Klinik in Bad Tölz sei man darauf gut vorbereitet, sagt Pressesprecher Christopher Horn. Dort liegt bislang ein Patient, der an dem Virus erkrankt ist und stationär-isoliert behandelt werden muss. Im Krankenhaus habe man "verschiedene Bereiche definiert, wo wir Patienten isolieren können", sagt Horn. Je nachdem, ob sie stationär oder intensivmedizinisch betreut, gar beatmet werden müssen. Notfalls könne man "ein ganzes Stockwerk für die Versorgung freihalten", sagt der Pressesprecher.

Inzwischen hat sich allerdings auch eine Ärztin der Tölzer Klinik mit dem Virus infiziert. Sie war am 13. März noch im Dienst, klagte kurz danach über starke Erkältungssymptome und begab sich selbst in Quarantäne. In der Tat: Der Coronavirus-Test war positiv. Das Management der Klinik ermittelte daraufhin die Mitarbeiter, die Kontakt mit der Medizinerin hatten, und schickte sie ebenfalls in häusliche Quarantäne. Von ihnen zeige bislang niemand Symptome, teilt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamtes, mit. Der Schutz der Beschäftigten vor einer Ansteckung habe "oberste Priorität", erklärt Felix Rauschek, Geschäftsführer des Tölzer Krankenhauses. Dies gelte gleichermaßen für den Schutz und die Versorgung der Patienten. "Im Umgang mit möglichen Verdachtsfällen setzt unser Personal auf die entsprechende Schutzausrüstung." Zudem habe man gemäß der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts festgelegt, wie verfahren werde, "falls ein Mitarbeiter sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, Kontakt mit einem positiv getesteten Coronafall hatte oder selbst Symptome entwickelt".

Im Moment finden in der Tölzer Stadtklinik noch alle vorgesehenen Operationen statt. Sollte die Zahl der Corona-Patienten sprunghaft steigen, werde man dennoch "alle dringenden, nicht aufschiebbaren Operationen weiter durchführen, etwa bei Herzinfarkt oder Schlaganfall", teilt Horn mit. Alle anderen Patienten, die auf dem OP-Plan stehen, werde die Klinik dann von sich aus über die Verschiebung des Termins informieren.

Über die genaue Zahl der Betten und der Beatmungsgeräte für Coronafälle mag sich der Klinik-Sprecher jedoch nicht äußern. Man sei "entsprechend gut vorbereitet", sagt er. Allerdings sei auch klar, dass ein 270-Betten-Haus, das der regionalen Versorgung diene, anders aufgestellt sei als ein Großkrankenhaus mit Maximalangebot. Was das Personal betrifft, sieht Horn die Klinik gleichfalls "gut gerüstet". Aber: Je höher die Zahl der Corona-Patienten, desto größer sei die Gefahr der Ansteckung für die Mitarbeiter - "und je mehr Personal ausfällt, desto schwieriger".

Ein Problem ist für die Asklepios-Klinik auch der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der die Krankenhäuser finanziell entlasten soll. Auch in der nachgebesserten Form seien die Vorschläge nicht ausreichend, meint Rauschek. Spahn halte den Häusern nicht wie versprochen den Rücken frei, sondern riskiere Engpässe in den Kliniken, unabhängig davon, ob sie sich in privater, kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft befinden. Für jedes Bett, das frei gehalten wird, soll es 560 Euro pro Tag geben, die von den Krankenkassen erstatteten Kosten betragen Rauschek zufolge aber normalerweise 800 Euro. Für eine intensivmedizinische Einheit gibt es 50 000 Euro, die Kosten betragen jedoch 90 000 Euro.

Die Buchberg-Klinik, die Reha-Patienten der Neurologie, Orthopädie und Kardiologie betreut, musste am Freitag auf Anordnung des Tölzer Gesundheitsamtes geräumt werden. Der Grund: Eine Mitarbeiterin des medizinischen Personals wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Von den 160 Bewohnern blieben nur 15 in der Tölzer Reha-Klinik, weil sie Kontakt zu der infizierten Angestellten hatten. Sie werden dort weiter versorgt. Doch Bad Tölz ist bekanntlich nicht die einzige Stadt im Landkreis mit Kliniken.

In der Wolfratshauser Kreisklinik steht bislang nur ein Patienten unter Verdacht, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Derzeit sind keine Mitarbeiter erkrankt. "Momentan ist es relativ ruhig", sagt der Geschäftsführer Ingo Kühn am Montagnachmittag. Doch die Situation könne sich minütlich ändern. Darauf sei man vorbereitet. "Eine ganze Station steht frei, in der Corona-Patienten medizinisch versorgt werden können." Zur genauen Zahl der vorhandenen Betten, Schutzausrüstungen für das Personal und Beatmungsgeräte will sich auch Kühn nicht äußern. Er spricht von ausreichenden Kapazitäten. Man denke vorausschauend. Die Klinik könne eine Intensiv- und eine Normalstation für Corona-Patienten bereithalten.

Derzeit sind alle geplanten Operationen, die nicht notfallmäßig durchgeführt werden müssen, verschoben. Das Weaning-Zentrum, in dem langzeitbeatmete Patienten schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt werden, nehme niemanden mehr auf, sagt Kühn. Damit wolle das 160-Betten-Haus möglichst viele Kapazitäten bereithalten. "Jetzt kommt es auf das Miteinander an", sagt er. Patienten dürften nicht verschweigen, wenn sie in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit Erkrankten hatten.

© SZ vom 24.03.2020
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