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Coronavirus:Der lange Weg vom Test zum Infiziertenfall

Coronavirus - Nürtingen

Coronavirus: Ein Mitarbeiter hält in einem Testzentrum einen Abstrich in der Hand, um einen Test auf Covid-19 durchzuführen. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Das Landratsamt meldet für den Landkreis aktuell 188 Infektionen. Doch diese Zahl hinkt der Realität ein paar Tage hinterher.

Das Coronavirus hat den Landkreis nach wie vor fest im Griff. Betroffen sind inzwischen alle Kommunen im Landkreis - mit einer Ausnahme: In der Jachenau ist bislang kein einziger Corona-Fall bekannt. In den anderen Kommunen schwanken die Zahlen deutlich.

So anschaulich die täglich gemeldeten Zahlen auch sind: Sie ziehen viele Fragen nach sich. Zum Beispiel, wie viel Personen bislang überhaupt getestet worden sind. Solche Tests machen das Gesundheitsamt, die Kassenärztliche Vereinigung (KVB), die Krankenhäuser und die Hausärzte. Das Landratsamt bekommt allerdings keine oder nur teilweise Rückmeldung, wer wie viele Tests durchgeführt hat. Deshalb sind bislang nur die Tests im Drive-In-Center auf der Tölzer Flinthöhe registriert. Hier waren es bis zu Beginn dieser Woche 375 Personen, die getestet wurden.

Wo die Infizierten arbeiten, dazu macht das Landratsamt ganz bewusst keine Angaben. "Zum Schutz der Betroffenen", wie es offiziell heißt. Wenn allerdings Kolleginnen oder Kollegen als Kontaktpersonen in Frage kommen, dann würden diese vom Gesundheitsamt kontaktiert. Bekannt ist zwar, dass unter den Infizierten im Landkreis inzwischen auch medizinisches Personal ist. Die genaue Zahl indes bleibt unklar: "Der Berufsstand aus dem Gesundheitssektor wird zwar abgefragt, aber nicht statistisch erfasst", sagt Behördensprecherin Sabine Schmid.

Um die tagesaktuell gemeldeten Fallzahlen richtig einschätzen zu können, muss man sich auch zeitlicher Verzögerungen bewusst sein. So vergehen zwischen der Meldung eines Verdachtsfalls im Gesundheitsamt bis zum Termin des Tests im Drive-In maximal zwei Tage, erklärt Schmid. Anders sieht die zeitliche Verzerrung allerdings aus, bis das Ergebnis vorliegt: Hier dauert es aktuell zwischen fünf und sieben Tage. "Die Labore testen rund um die Uhr", erklärt dazu die Kreisbehördensprecherin. Allerdings arbeiten diese derzeit durch das hohe Testaufkommen am Limit. Der von den Behörden vermeldete Stand ist also eigentlich immer schon ein paar Tage alt. Fällt das Testergebnispositiv aus, informiere das Gesundheitsamt die betroffene Person aber umgehend. Hat diese keine oder nur leichte Symptome, gilt für sie und alle Kontaktpersonen ab dem Zeitpunkt des Testergebnisses eine strenge häusliche Quarantäne. Ob und wann der Virusbefall schließlich wirklich überwunden ist, wird allerdings nicht offiziell festgestellt - es wird laut Landratsamt kein zweiter Test mehr durchgeführt. "Eine Entlassung symptomatischer Covid-19-Patienten erfolgt frühestens 14 Tage nach Symptombeginn", heißt es dazu seitens der Kreisbehörde.

Wie viele Menschen im Landkreis inzwischen die Ansteckung mit dem Virus überwunden haben und eventuell deshalb resistent sind, darüber gibt das Landratsamt auch deshalb keine Auskünfte. Es könne eben niemand wissen, wer das Virus hat, aber möglicherweise keine oder nur leichte Symptome zeigt und sich deshalb nicht meldet. "Hier eine Zahl zu nennen, wäre absolut spekulativ", sagt Schmid. Bekannt ist aber: 66 Personen konnten inzwischen aus der Quarantäne als genesen entlassen werden.

Die Intensivbetten und Gerätschaften der Kliniken im Landkreis werden nun allerdings auch zunehmend Patienten aus den Nachbarlandkreisen zur Verfügung gestellt. Seit Mittwoch vergangener Woche werden alle Krankenhäuser und Rehakliniken im Rettungsdienstbereich Oberland, der die Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Bad-Tölz Wolfratshausen umfasst, zentral koordiniert. Dr. Martin Dotzer vom Unfallklinikum Murnau wurde nach Absprache der drei Landräte als Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz bestellt. "Ziel ist es, Patienten möglichst effektiv und passgenau zu versorgen und die Patientenströme so zu steuern, dass stets eine optimale Betreuung erfolgen kann", erklärt Schmid. Eine solche Struktur gebe es bereits auf Ebene der Regierungsbezirke und auf Bayernebene, so dass - je nach Bedarf und Möglichkeiten - auch Patienten aus anderen Ländern hierzulande versorgt werden können.

© SZ vom 02.04.2020

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