Corona-Pandemie:Leere in den Wirtshaussälen

Lesezeit: 3 min

Wirtshaus Koinschaufe in Penzberg

Der Wirt der Koinschaufe an der Penzberger Stadthalle hat seit Dezember ganz zugesperrt. Die Gastsäle sind verwaist.

(Foto: Adrian Auer)

Die Gastronomiebetriebe in der Region verzeichnen hohe Umsatzeinbußen. Einige größere Lokale haben vorübergehend ganz geschlossen. Nur ein Gourmetrestaurant in Bad Tölz zählt zu den Ausnahmen.

Von Benjamin Engel

Kaum etwas symbolisiert die schwierige Lage der pandemiegebeutelten Gastronomie so sehr wie ein leerer Wirtshaussaal. In der Penzberger Stadthallen-Gaststätte "Koinschaufe" sind die 650 Plätze in den Innenräumen schon seit einem Monat leer. "Leider sind wir durch die aktuelle Lage gezwungen, vorübergehend zu schließen", steht seitdem auf der Homepage des Lokals. Weil kaum noch Gäste kamen und sämtliche Veranstaltungen wegfielen, hat das Wirtspaar Tamara Wirth und Adrian Auer noch vor Weihnachten geschlossen. "Nur noch ein, zwei Tische waren am Abend besetzt", schildert Auer. Unter diesen Umständen sei es wirtschaftlich nicht mehr vertretbar gewesen, weiter offen zu bleiben.

Dieser radikale Schritt wirft ein Schlaglicht auf die häufig von hohen Umsatzeinbußen betroffene Gastronomiebranche - und ist in der Region doch kein Einzelfall. Vor Kurzem hat das Benediktbeurer Hotel und Restaurant "Friedenseiche" auf Facebook angekündigt, zum Freitag ebenfalls zu schließen. Begründet wird dies mit der aktuellen Pandemie-Situation und der Sorge um Gesundheit und Sicherheit aller Mitarbeiter und Gäste.

So ist es wohl kaum verwunderlich, dass Vertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern) um ihre Branche bangen. Von verbreitet 50-prozentigen Umsatzausfällen seit vergangenem November spricht die Dehoga-Vorsitzende im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Monika Poschenrieder. Seitdem gilt für Gäste in Bayerns Hotels und Restaurants die 2-G-Regel. Das heißt, nur noch Geimpfte und Genesene kommen hinein.

"Wir können nicht ewig so weitermachen", sagt die Wirtin des Fischrestaurants "Walgerfranz" nahe der Kreisstadt. Sie fürchtet, dass etliche Gastgeber irgendwann aufgeben könnten. Denn die Branche sei wirtschaftlich kostenintensiv - von den Arbeitskräften, regelmäßigen Investitionen bis zu den steigenden Lieferantenpreisen. "Unsere ganzen Strukturen hat es gut durcheinandergerüttelt", erklärt Poschenrieder. Unter diesen Umständen fehle irgendwann die Motivation, noch mit Freude weiterzumachen.

Monika Poschenrieder

Monika Poschenrieder hat 1986 den Forellenhof Walgerfranz mit eigener Fischzucht von ihrem Vater übernommen. Auch sie ist von der Pandemie betroffen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ohnehin erschweren die ständig sich ändernden staatlichen Vorgaben die Arbeit in der Gastronomiebranche. Der Freistaat Bayern verzichtet zwar darauf, die im Bund beschlossene 2-G-Plus-Regel für Lokale umzusetzen. Wer zweifach geimpft oder genesen ist, hätte zu deren Besuch zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen müssen. Nur wer "geboostert" ist, hätte sich das sparen können. Damit bleibt es vorerst bei der 2-G-Regel ohne nötigen, ergänzenden Testnachweis, was Dehoga-Funktionäre und Wirte allerdings begrüßen.

Trotzdem hatte etwa der Koinschaufe-Wirt Auer zu kämpfen, dass viele Gäste selbst unter diesen Bedingungen stark verunsichert waren. Vermutlich auch aus Angst, sich anzustecken, seien viele ferngeblieben, sagt er. Das verdeutlicht er mit prägnanten Zahlen. Noch um den Wechsel von Oktober zu November 2021 habe er um die 350 Gäste - 850 Sitzplätze gibt es in der Gaststätte Koinschaufe, davon 200 im Biergarten - bewirten können. "Da war in jeder Stube was los", so Auer. Mit steigenden Inzidenzen sei einen Monat später nur noch ein Tisch pro Tag belegt gewesen.

Dann mussten zwischen dem 3. und 4. Dezember sowieso alle Lokale und Restaurants im Landkreis Weilheim-Schongau ganz schließen, weil die entscheidende Inzidenzmarke von 1000 überschritten war. Anschließend habe er noch einmal bis einschließlich 18. Dezember aufgemacht, erzählt Auer. Doch mehr Gäste seien einfach nicht gekommen. "Alles ist zusammengebrochen." Alle Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern seien abgesagt worden. Ebenso geht es ihm nun im Januar mit Workshops, die Unternehmen in der Penzberger Lokalität gebucht hatten.

Mit Feiern und Veranstaltungen macht auch der Jägerwirt in Aufhofen bei Egling gute Geschäfte, wenigstens normalerweise. "Wir hatten noch eine Hochzeit im Oktober, dann nichts mehr", sagt Senior-Chefin Inge Meyr. Nur noch das "à-la-carte"-Geschäft sei einigermaßen zufriedenstellend verlaufen - dank der vielen Stammgäste. Momentan ist der Jägerwirt seit dem Neujahrswochenende sowieso in Betriebsurlaub. Am 20. Januar soll es wieder weitergehen, sagt Meyr. Die Pause nutzt die Inhaberfamilie aber auch für Investitionen. So seien sie damit beschäftigt, einen Ochsenmaststall und einen Hofladen aufzubauen, so die Senior-Chefin.

Corona-Pandemie: Der Jägerwirt Aufhofen bietet mit seinem großen Saal insbesondere großen Hochzeitsgesellschaften viel Platz - nur fallen die wegen der Pandemie aus.

Der Jägerwirt Aufhofen bietet mit seinem großen Saal insbesondere großen Hochzeitsgesellschaften viel Platz - nur fallen die wegen der Pandemie aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Kreativ zu bleiben, ist auch für das Wirtepaar der Koinschaufe nach fast zwei Jahren Pandemie wichtig. 2020 haben beide im Lockdown frühzeitig einen Lieferdienst aufgebaut. Derzeit bauen sie an einer mobilen Schankanlage, die sie bei künftigen Veranstaltungen in ihren Sälen einsetzen wollen. "Man muss weitermachen", sagt Auer. Weil er und seine Frau vorsichtig wirtschafteten, kämen sie zurande. Wann genau er wieder den Gastronomiebetrieb öffnen werde, sei derzeit aber noch offen.

Die ungewisse Situation ist auch für die 15 Teil- und Vollzeitmitarbeiter der "Koinschaufe" alles andere als einfach. Einige hätten die Branche gewechselt, ein paar arbeiteten im von seiner Ehefrau im kleinen Saal gemanagten Corona-Testzentrum, so Auer. Dort kann sich jeder online vorab für Spuck-, Antigen-Schnell- oder PCR-Tests an sieben Tagen in der Woche zwischen 7 und 19 Uhr anmelden. Damit wolle er seinen Mitarbeitern eine Beschäftigungsperspektive bieten, bis er sein Wirtshaus wieder öffne.

Auf ein anderes Gastronomiekonzept setzt das Gourmetrestaurant "Schwingshackl Esskultur" in Bad Tölz. Als einziges im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat es einen Michelin-Stern. Es hat nur 50 Sitzplätze, setzt also schon rein räumlich auf Klasse statt Masse - und hat womöglich dadurch eine Ausnahmeposition in der Region. "Wir sind fast immer ausgebucht", sagt Erich Schwingshackl, der mit Frau Katharina das Restaurant führt. Statt große Veranstaltungen bedienen beide eher kleine Tischgesellschaften von höchstens zwei, vier oder sechs Personen. Viele Gäste seien geboostert. "Ich bin eigentlich ganz glücklich", sagt Schwingshackl. Das tut in Pandemie-Zeiten auch einmal gut, zu hören.

Erich und Katharina Schwingshackl

Auf Klasse statt Masse setzen von jeher Katharina und Erich Schwingshackl mit ihrem Gourmetrestaurant - und behaupten sich damit nun auch während der Pandemie.

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